Julia Prechsl inszeniert "Die Nibelungen": Endlich wieder Energie auf der Bühne

Die Landshuterin Julia Prechsl inszeniert "Die Nibelungen" nach einer Probenpause von sieben Monaten.
von  Claudia Hagn
Julia Prechsl inszeniert die Nibelungen in Regensburg als emanzipatorisches Stück.
Julia Prechsl inszeniert die Nibelungen in Regensburg als emanzipatorisches Stück. © Martin Sigmund.

Regensburg/Landshut - Es muss wohl wie ein sehr langes Luftanhalten gewesen sein - sieben Monate lang. "Das längste Wochenende aller Zeiten" nennt Regisseurin Julia Prechsl (29) so auch die Zeit seit dem 14. November 2020. 

An diesem Tag stand das Team nach sechs Wochen Proben zum letzten Mal für "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel am Theater Regensburg vor und auf der Bühne. Bis jetzt: Am vergangenen Montag, dem 14. Juni 2021, wurden die Proben dann nach "unfassbaren sieben Monaten Pause" wieder aufgenommen.

Julia Prechsl stammt aus Landshut und inszeniert mittlerweile zum dritten Mal in Regensburg.
Julia Prechsl stammt aus Landshut und inszeniert mittlerweile zum dritten Mal in Regensburg. © Claudia Hagn

Diesen Sonntag ist nun endlich Premiere, es ist die erste auf einer Innenbühne nach der Pandemie-Pause für das Theater Regensburg am Bismarckplatz. Regisseurin Julia Prechsl, gebürtige Landshuterin, und Brunhild-Darstellerin Verena Maria Bauer (30) ist es im Gespräch zwischen den Proben vergangene Woche anzumerken: Die lange Pause war hart, die künstlerische Energie wieder auf die Bühne bringen zu dürfen, war nun immens wichtig.

Die letzten Monate waren eine "verschwommene Zeit"

Das lange Innehalten, ohne auf der Bühne stehen zu dürfen, ohne Regiearbeit, die große Ungewissheit waren für Prechsl und Bauer eine Belastung. Als eine "verschwommene Zeit" bezeichnet Julia Prechsl die langen Monate.

Verena Maria Bauer ist Brunhild.
Verena Maria Bauer ist Brunhild. © Claudia Hagn

Doch wie ist es, nach einer so langen Pause nun endlich ein fast fertig geprobtes Stück vor Publikum zeigen zu können? Die Spannung wieder aufzubauen? Von so etwas wie "Körpergedächtnis" spricht Brunhild-Darstellerin Bauer; davon, dass der Text, die Bewegungen innerhalb kürzester Zeit wieder da gewesen seien - wie beim Klavierspielen oder Radfahren.

Auch der Hebbelsche Text, diese wuchtigen langen sprachlichen Einheiten voller Tiefe, war noch da; irgendwo tief drin in ihrem Kopf, denn schließlich seien die "Nibelungen" und ihre Rolle Brunhild ein "Herzensprojekt", so Bauer.

Den gemeinsamen Rhythmus, das Einspielen, die kollektive Energie auf der Bühne musste das Nibelungen-Team vor der Premiere erst wieder finden, weil das Stück einfach direkt in der Probenhochphase im November schlagartig zum Erliegen kam. Nun konnte Regisseurin Julia Prechsl wieder "ein bisschen Schrauben drehen", wie Verena Maria Bauer es ausdrückt - schließlich ist die Endprobenphase genau die richtige Zeit dazu. Prechsl hat den Text von Hebbel über diese ur-deutsche Geschichte aus dem 19. Jahrhundert stark bearbeitet, eine neue Fassung ist entstanden.

Es ist nach dem "Käthchen von Heilbronn" und "Die letzte Sau" Prechsls dritte Regie-Arbeit am Theater Regensburg. Sie ist emanzipatorisch, legt viel Wert auf starke, große Frauenfiguren; anders als im Original, in dem es im Großteil um Gewalt, oft von Männern an Frauen ausgeübt, geht.

Den emanzipatorischen Ansatz verfolgt die Regisseurin oft in ihren Stücken. Bei Hebbel ist Brunhild am Anfang stark, verliert aber im Laufe des Stücks fast all ihre Präsenz. Genau das hat Prechsl umgedreht: "Ich wollte diese Figur viel, viel größer erzählen. Für mich ist das ein zentraler Punkt dieser Geschichte: Brunhilds Perspektive zu erzählen und alle Misshandlungen und Unterdrückungsmechanismen sichtbar zu machen, zu denen sich die Männer in diesem Stück verabreden", sagt Prechsl über ihre Bearbeitung.

"Man spürt diese speziellen Momente auf der Bühne einfach"

Sie will gleichberechtigte Erzählformen im klassischen Kanon finden. "Auch als Schauspielerin denkt man sich bei Frauenfiguren oft: Und das war's jetzt?", sagt Bauer. Genau deshalb sei der neue Ansatz von Prechsls Brunhild großartig zu spielen.

Was Bauer am meisten vermisst hat in den vergangenen Monaten? Die Gemeinschaft in einem abgeschlossenen Theaterraum, die Energie, ja vielleicht sogar den Zauber, den viele Menschen vor und auf einer Bühne erleben können.

Verena Maria Bauer (vorne) und Zelal Kapçik als Brunhild und Kriemhild.
Verena Maria Bauer (vorne) und Zelal Kapçik als Brunhild und Kriemhild. © Martin Sigmund

Dieses Gefühl, das so ganz anders ist als einsames Sitzen vor einem Bildschirm, wo man Kunst lediglich konsumiert, jedoch nicht live bei einem einzigartigen Moment dabei sein kann, der so nie wiederkommt.

"Man spürt diese speziellen Momente auf der Bühne einfach. Ob das Publikum mitgeht oder ob es vielleicht doch müde ist", sagt Bauer. Für Prechsl zählt nun nach einer erfolgreichen Premiere, dass Theater wieder zu einem Moment wird, auf den sich Menschen freuen. Und zu einem Ort, an dem sie sich wieder treffen können, um sich auszutauschen.


Für die Premiere am Sonntag am Regensburger Theater am Bismarckplatz gibt es nur noch sehr wenige Karten. Die nächste Aufführung ist am 26. Juni, dafür sind mehr Karten verfügbar. Eventuell kommen noch im Juli neue Termine dazu. Am 5. Oktober ist dann die reguläre Wiederaufnahmepremiere nach der Spielzeitpause.