Corona-Skeptiker rufen zum Schulstreik auf

Die Flyer tauchten an der Grundschule Konradin auf. Nur macht in Landshut keiner mit.
von  Ingmar Schweder
In Landshut hatten die Querdenker mit ihren Flyern keinen Erfolg. (Symbolbild)
In Landshut hatten die Querdenker mit ihren Flyern keinen Erfolg. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Landshut - Die Flyer waren an der Grundschule Konradin Auloh nur ganz kurz Thema, sagt Rektorin Gabriele Radke-Kluge: Der Aufruf an Eltern zum Schulstreik zwischen dem 20. und 24. September hing an der Bushaltestelle vor der Schule aus.

Zudem hätten es zwei Flyer auf das Gelände der Grundschule geschafft und lagen vor der Schule aus. "Wir haben die Flyer weggenommen und danach kam auch nichts mehr", sagt Radke-Kluge. Den Vorfall habe sie dennoch dem Staatlichen Schulamt gemeldet. Ein Thema für die Elternabende bleiben die Flyer auch.

Ein Flyer mit vielen Ausrufezeichen - leider nicht von inhaltlicher Natur.
Ein Flyer mit vielen Ausrufezeichen - leider nicht von inhaltlicher Natur. © privat

 

Fyler mit Argumenten der Querdenkerszene

Der Flyer der sogenannten Elterninitiative "Eltern für Kinder Mammendorf" geistert schon seit geraumer Zeit durch das Internet und soll alle Eltern von Schülern in Deutschland ansprechen. Das Schriftstück steht auf der Homepage der Initiative zum Download bereit. Das Anliegen - "keine Impfungen, keine Impfbeeinflussung, keine Impfpropaganda, keine Coronatests und keine Masken an allen Schulen in Deutschland" - wird auf der Website mit Argumenten aus der Querdenkerszene untermauert.

 

Ein Indiz dafür sind die auf der Homepage geteilten Beiträge, die als Informationsmaterial verwendet werden. Dabei tauchen Namen wie Dr. Ronald Weikl auf, ein auf Naturheilkunde spezialisierter Passauer Frauenarzt und zweiter Mann hinter der Querdenker-Ikone Prof. Dr. Sucharit Bhakti.

Weikl war Ende vergangenen Jahres ins Visier der Justiz geraten, da der Arzt Tipps zur Beschaffung von Attesten gab, mit denen sich jedermann der "Maskenpflicht entledigen" könne. Der Videobeitrag auf Youtube, den Weikl dafür eingestellt hatte, ist heute noch online abrufbar. Der Arzt nannte für die "Atteste" auch eine direkte Anlaufstelle, die Gebühr liege bei 25 Euro.

Querdenker ohne Erfolg in Landshut

In der Folge durchsuchte die Kriminalpolizei Ende 2020 Weikls Praxis und stellte seine EDV-Anlage und etwa 1.000 Atteste sicher. Die Staatsanwaltschaft Passau erhob Ende Mai 2021 Anklage gegen Weikl wegen Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse zum Amtsgericht Schöffengericht Passau, teilte Oberstaatsanwalt Walter Feiler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau, auf Anfrage mit.

In Landshut scheinen die Querdenker mit ihren Ideen bei den Eltern auf Granit zu beißen. An der Grundschule Auloh habe es trotz der Flyer keinen Elternstreik gegeben, das bestätigt auch Schulrätin Sylvia Blank vom Staatlichen Schulamt. "Es gibt keine Eltern, die dieser Streikaufforderung nachgekommen sind. Auch von anderen Schulen in unserem Aufsichtsbereich wurde uns diesbezüglich nichts gemeldet."