Kritik an Entscheidung des Vatikans: "Bewusster Affront"

Erst am Freitag hat der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri seinen Mann Markus geheiratet - wenige Tage später teilt der Vatikan mit, was er von schwulen Ehen hält. Und Bilgri sieht sich in einer wichtigen Entscheidung bestätigt.
| dpa
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Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch, lächelt.
Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch, lächelt. © Lino Mirgeler/dpa/Archivbild
München/Rom

Nach den jüngsten Äußerungen der vatikanischen Glaubenskongregation über die Segnung homosexueller Partnerschaften hagelt es Kritik. Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) kritisiert die Veröffentlichung scharf und sendet einen Appell an die deutschen Bischöfe. Und der Ex-Mönch Anselm Bilgri sieht sich in seiner Entscheidung bestätigt, der römisch-katholischen Kirche den Rücken zu kehren.

"Das passt ja wie die Faust aufs Auge", sagte der 67-Jährige, der erst am Freitag seinen langjährigen Lebensgefährten Markus geheiratet hatte, der Deutschen Presse-Agentur in München. "Genau diese starre Haltung der Kurie war für mich der Grund, zur alt-katholischen Kirche überzutreten. Dort ist eine offizielle kirchliche Segnung einer homosexuellen Ehe möglich."

Am Montag hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass die katholische Kirche nicht befugt sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. In dem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) heißt es, Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Bilgri, der vor rund 40 Jahren vom späteren Papst Joseph Ratzinger zum Priester geweiht wurde und später Prior des Klosters Andechs war, sieht in dieser Nachricht aus Rom einen "bewussten Affront gegen die deutschen Katholiken": "Die Bemühungen von Bischof Bätzing und anderer Bischöfe um eine vorsichtige Öffnung in Richtung einer Segnung homosexueller Paare werden damit konterkariert, eine der Forderungen des Synodalen Wegs wird von vorneherein niedergebügelt."

Das Schreiben der Glaubenskongregation wurde mit Zustimmung von Papst Franziskus veröffentlicht. Hintergrund ist demnach, dass sich in einigen kirchlichen Bereichen "Projekte und Vorschläge" verbreiten, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Wörtlich heißt es dazu nun, es sei nicht erlaubt, "Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (...) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist".

Scharfe Kritik gab es von der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK). Die Starrheit der römisch-katholischen Kirche habe sie "vor den Abgrund geführt, wo sie heute steht", sagte Huk-Vorstandsmitglied Thomas Pöschl in Nürnberg. "Wir fordern alle unsere katholischen Bischöfe in Deutschland auf, dem römischen Versuch des "Ausschließens" entgegen zu treten."

Bilgri prophezeite weitere Kirchenaustritte: "Die Entfremdung gleichgeschlechtlich empfindender Menschen von der Kirche wird fortschreiten und die Austrittswelle sich verstärken", sagte er. "Die Kirche beweist wieder einmal, dass sie nicht reformfähig ist."

© dpa-infocom, dpa:210316-99-838439/2

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