KBA-Zeuge im Audi-Prozess: Manipulationen erst 2017 erkannt

Im Prozess gegen den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler hat ein Abteilungsleiter des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) am Mittwoch erklärt, warum die Behörde den Abschalteinrichtungen bei den großen Audi-Dieselmotoren in Europa erst 2017 auf die Schliche kamen. Nach dem Auffliegen der Abgas-Manipulationen in den USA 2015 habe das KBA zwar Fragen gestellt und Autos genau geprüft. Aber es habe keine Beweise gefunden und sich dann von technischen Erklärungen von Porsche und Audi "abspeisen lassen", sagte KBA-Abteilungsleiter Mark Wummel vor dem Landgericht München. Dass die Motoren einen Testzyklus erkennen und die Abgaswerte entsprechend anpassen, habe das KBA erst 2017 erkannt, "als wir die Software beurteilen konnten".
| dpa
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Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa
München

Die Anklage wirft Stadler vor, dass er den Verkauf manipulierter Autos in Europa im Herbst 2015 nicht gestoppt habe. Stadler hat den Vorwurf des Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung zurückgewiesen und sieht sich von seinen Technikern hinters Licht geführt. Mitangeklagt sind der ehemalige Leiter der Motorenentwicklung und zwei Ingenieure, die die Manipulationen ab 2008 entwickelt und umgesetzt haben sollen. Der Prozess läuft schon seit einem Jahr und soll noch mindestens bis Dezember 2022 dauern.

Ende 2015 nahm das KBA einen Audi, einen VW und einen Porsche Macan mit Drei-Liter-TDI-Motoren von Audi genau unter die Lupe. "Nur der Macan war auffällig" , sagte Wummel. Aber "die Erkenntnisse reichten nicht zu sagen: Das ist eine unzulässige Abschalteinrichtung." Das KBA habe sich letztlich mit den technischen Erklärungen von Audi und Porsche und der Zusicherung, alle Funktionen seien gesetzeskonform, zufrieden gegeben. "Wir haben noch nicht erkannt, dass das eine klare Zykluserkennung war." Erst im Frühjahr 2017 habe das KBA dann mit eigenen Software-Experten "die Fähigkeiten aufgebaut".

Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler vor, er habe bis Januar 2018 die Produktion weiterlaufen lassen und den Verkauf von 120 400 Fahrzeugen nicht verhindert. Die Beweisaufnahme dazu soll voraussichtlich im Dezember beginnen. Ab Ende November will das Gericht noch einen Gutachter zur Entwicklung der fraglichen Software anhören.

© dpa-infocom, dpa:211020-99-666985/2

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