"Hilfeschrei" im Lockdown: Sportartikelhändler will Läden öffnen

Es sollte ein starkes Signal sein: Sporthändler Udo Siebzehnrübl betreibt fünf Intersport-Filialen in Oberbayern - und wollte sie am Montag trotz des Corona-Lockdowns öffnen. Nun hat er es sich anders überlegt.
| AZ/dpa
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Udo Siebzehnrübl leitet  Intersport-Filialen in Rosenheim, Altötting, Passau sowie in München-Riem und München-Pasing.
(Symbolbild)
Udo Siebzehnrübl leitet Intersport-Filialen in Rosenheim, Altötting, Passau sowie in München-Riem und München-Pasing. (Symbolbild) © Felix Kästle/dpa

Rosenheim - Der Mann hatte einen Plan: Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl wollte am kommenden Montag  (11. Januar) mit den Filialen in Rosenheim und Altötting zumindest zwei seiner fünf Intersport-Läden öffnen.

Ob auch die drei Läden in Passau und in München (Riem, Pasing) betroffen sein sollen, wollte er noch mit Blick auf die rechtlichen Konsequenzen klären.

Idee von Geschäftsmann gefällt rechter Szene

Wie "ovb-online.de" berichtet, ist der Geschäftsmann aus Altötting inzwischen zurückgerudert - und sieht demnach davon ab, ein offensives Signal im Kampf gegen den fortgesetzten Corona-Lockdown abzugeben.

Udo Siebzehnrübl werde seine Intersport-Filialen nicht aufsperren: Der 60-Jährige hat Beifall von Rechtsaußen bekommen, und das passt dem CSU-Mitglied nicht.

 Die rechte Szene sei auf ihn aufmerksam geworden, die seine Aktion offenbar für ihre Zwecke ausnutzen wolle, erklärte er dem. "In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht", zitiert "BR24" den Geschäftsmann.

Udo Siebzehnrübl: "Ich bin kein Querdenker"

"Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker", sagte Siebzehnrübl am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache jedoch Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15.000 Euro Hilfe bekommen.

Weil sein Umsatzeinbruch unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe. Zuvor hatten mehrere Medien über Siebzehnrübls Plan berichtet.

Handelsverband: Politik lässt  Handel am ausgestreckten Arm verhungern

Der Handelsverband Bayern sprach von einem "Hilfeschrei", der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel "am ausgestreckten Arm verhungern", sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: "Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen."

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe im September versichert, man werde "keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren." Im Vertrauen darauf hätten Textil-, Schuh- und Sporthändler Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, sagte Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: "Viele schimpfen über die Politik."

Udo Siebzehnrübl: Politik ignoriert langfristige Zerstörungen

Siebzehnrübl sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU-Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen.

Aus der Bevölkerung bekomme er viel Zuspruch. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5.000 Euro, im Wiederholungsfall mehr.

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