Heftige Kritik nach erneutem Corona-Ausbruch in Ankerzentrum

In einem Ankerzentrum in Oberfranken hat sich das Virus schnell verbreitet - mehr als 200 Bewohner sind momentan in Quarantäne. Bei den Umständen in den Unterkünften kein Wunder, kritisiert der Bayerische Flüchtlingsrat.
| dpa
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Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test.
Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Bamberg

Kaum Abstand, keine Masken, wenig Informationen: Die Kritik am Umgang mit der Pandemie in bayerischen Ankerzentren reißt nicht ab. "In Massenunterkünften kann sich nicht ausreichend vor einer Infektion geschützt werden", erklärte der Bayerische Flüchtlingsrat. Lager würden eine große Gefahr darstellen und müssten dringend geschlossen werden.

Besonders schlimm sei die Lage gerade in Oberfranken: Nach einem Corona-Ausbruch in der Bamberger Unterkunft seien die Zustände "menschenunwürdig", schilderte Pfarrerin Mirjam Elsel, Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit im Dekanat Bamberg und Mitorganisatorin der Bamberger Mahnwachen Asyl. "So kann man in unserem reichen Land nicht mit Menschen umgehen."

Tatsächlich verbreitete sich das Virus dort rasant. Nach Angaben der Regierung von Oberfranken infizierten sich 75 Bewohner, mehr als 160 müssen als Kontaktpersonen momentan in Quarantäne ausharren.

Doch selbst in Quarantäne würden die Betroffenen auf engstem Raum zusammenleben, heißt es in der Pressemitteilung der Bamberger Mahnwachen Asyl. Es fehle an Klopapier, Masken, Desinfektions- und Putzmittel. Bei der Essenausgabe über einen Bauzaun hinweg stünden die Menschen teilweise dicht gedrängt. "Die Angst ist groß, das Misstrauen untereinander wächst, die Menschen fühlen sich völlig alleine gelassen und sind verzweifelt."

Die Regierung von Oberfranken weist die Vorwürfe zurück. Zwar könne aus Kapazitätsgründen nicht jede Person ein eigenes Zimmer bekommen, räumte eine Sprecherin ein. Bei einer Unterbringung in Drei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmetern könnten die Bewohner aber Abstand zueinander einhalten.

Weil so viele plötzlich in Quarantäne mussten, seien zwei Gebäude kurzfristig umgerüstet worden. Dort seien dann auch nicht gleich alle Hygieneartikel bereit gelegen, erklärte die Regierungssprecherin. "Die Sachen wurden und werden aber durch Mitarbeiter der Regierung von Oberfranken und des Sicherheitsdienstes ausgegeben." Die Abstände bei der Essensausgabe und die Reinigung der Zimmer liege auch in der Verantwortung der Bewohner.

Am Mittwochabend wurde bekannt, dass es in einer weiteren bayerischen Flüchtlingsunterkunft zu einer Masseninfektion gekommen ist. Das Landratsamt in Tirschenreuth berichtete, dass in der Oberpfälzer Kreisstadt seit dem Vortag insgesamt 44 neue Fälle in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber registriert worden seien. Zuvor gab es nur Einzelfälle in der Unterkunft in Tirschenreuth. Nun stehen alle etwa 100 Bewohner unter Quarantäne.

Der Wortteil "Anker" ist aus den Anfangsbuchstaben folgender Wörter gebildet: An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Diese Aufgaben sollen Ankerzentren gebündelt erfüllen.

© dpa-infocom, dpa:210203-99-278560/3

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