Gutes Beispiel: Bistümer haben Aufarbeitungskommissionen

Vor mehr als einem Jahr hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz sich zu einer gemeinsamen Erklärung im Kampf gegen sexuellen Missbrauch durchgerungen. Die Umsetzung lässt zuweilen noch auf sich warten - doch Bayern gibt ein gutes Vorbild ab.
| Von Britta Schultejans, dpa
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Bonn/München

Bei der Einrichtung von Kommissionen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gehen die bayerischen Bistümer mit gutem Beispiel voran. Alle Diözese im Freistaat haben inzwischen solche unabhängigen Kommissionen eingerichtet, wie aus einer Auswertung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht, die am Freitag in Bonn veröffentlicht wurde. Alle haben demnach ihre Arbeit auch schon aufgenommen.

Das gleiche gilt auch für die Bistümer Mainz, Speyer und Trier. In allen anderen katholischen Diözesen bundesweit geht es langsamer voran. Mehr als ein Jahr nach einer entsprechenden Vereinbarung mit dem Missbrauchsbeauftragten gibt es laut DBK inzwischen "in den meisten Diözesen" eine unabhängige Kommission - aber noch nicht in allen.

In 13 ist die Einrichtung der Kommissionen demnach "weitestgehend oder gänzlich abgeschlossen". Einzelne Bistümer hätten Sonderwege mit Rörig vereinbart. Bislang sei nur in zehn Diözesen ein Betroffenenbeirat eingerichtet worden oder stehe kurz vor der Einrichtung. Fünf Bistümer wollen auf "alternative Formen der Betroffenenbeteiligung" setzen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, geht laut einer DBK-Mitteilung davon aus, dass erst "bis zum Jahresende in allen Diözesen Kommissionen und Strukturen der Betroffenenbeteiligung eingerichtet sein werden". Er sei aber zuversichtlich - "auch wenn es ein langer und nicht immer einfacher Weg war und ist".

Vor rund einem Jahr hatte der Ständige Rat der DBK sich auf eine "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland" geeinigt und beschlossen, unabhängige Aufarbeitungskommissionen in allen 27 Bistümern einzusetzen. Rörig sprach damals von einer "historischen Entscheidung".

Die Kommissionen sollen nicht nur die Fallzahlen von sexuellem Missbrauch erheben, sondern auch untersuchen, wie mit Opfern und Tätern umgegangen wurde. Außerdem sollen sie herausarbeiten, ob Strukturen innerhalb des jeweiligen Bistums "sexuellen Missbrauch ermöglicht oder erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben", wie ein Sprecher des Erzbistums München und Freising kürzlich sagte.

Im Jahr 2018 hatte die Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit schockierende Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Die Studie wurde unter anderem kritisiert, weil die Wissenschaftler keinen direkten Zugang zu den Personalakten hatten. Die einzelnen Kommissionen sollen Defizite aus der Studie im Grunde ausbügeln und auch aufdecken, wer aus der Kirchenspitze möglicherweise Täter gedeckt haben könnte.

Aus Sicht von Rosi Mittermeier, Gründungsmitglied der Initiative Sauerteig aus Garching an der Alz in Oberbayern, reichen die Kommissionen auf Bistumsebene ohnehin nicht aus. "Die eigentliche Arbeit muss doch vor Ort passieren - bei den Menschen und ihren Sorgen."

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird am Samstag in Garching erwartet. Dort will er mit der Initiative und anderen Gemeindemitgliedern über den 2010 bekannt gewordenen Fall des ehemaligen Gemeindepfarrers sprechen, der rund 20 Jahre lang dort eingesetzt war, obwohl er vorher wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in einer anderen Pfarrgemeinde rechtskräftig verurteilt worden war. Nach seiner Versetzung nach Garching soll er dort weitere Kinder missbraucht haben.

© dpa-infocom, dpa:210716-99-410474/2

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