Grill: Homeoffice ist "essenziell" bei Kontaktreduzierung

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Ein Frau arbeitet im Homeoffice.
Ein Frau arbeitet im Homeoffice. © Jens Kalaene/dpa/Archivbild

Ulm/München (dpa) - Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, dringt auf ein rasches Eindämmen der Corona-Pandemie. "Im Moment kann die Aussage nur sein, dass die Infektionszahlen so schnell wie möglich gesenkt werden müssen, und das gelingt nur im Zusammenspiel von allen verfügbaren Maßnahmen", teilte sie der Deutschen Presse-Agentur mit. Dazu zähle Homeoffice als "essenzieller Bestandteil der kontaktvermindernden Maßnahmen". "Das ist wirklich wichtig, dass Kontakte auf allen Ebenen vermieden werden, und auch Arbeitgeber sollten das aktiv fördern, dass Menschen nicht an die Arbeitsstelle pendeln müssen", so Grill am Dienstag.

Wie das aktuelle Infektionsgeschehen ist, lasse sich wegen weniger Tests und einiger geschlossener Labore über Weihnachten und Neujahr schwer sagen, erläuterte die Präsidentin der Gesellschaft mit Sitz in Ulm, die auch Professorin für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. "Wir werden also im Lauf dieser und nächster Woche erst sehen, welche Entwicklungen sich über die Feiertage ergeben haben." Daher könne man im Moment Effekte von Homeoffice oder fehlendem Homeoffice auch nicht robust beurteilen.

Die Infektionszahlen seien vermutlich im Rückgang. Das lasse sich davon ableiten, dass seit einigen Tagen weniger Intensivbetten belegt seien. "Man muss aber auch bedenken, dass die Belegungszahlen auch dann zurückgehen würden, wenn sich über Weihnachten überwiegend jüngere Menschen angesteckt hätten", führte die Epidemiologin aus.

"Ich fürchte, dass eine gewisse Anzahl von Fällen auch auf falsch negative Ergebnisse von Schnelltests zurückzuführen sind, aber die Zahlen sind noch nicht gut interpretierbar", erklärte Grill. Dass die sich schneller ausbreitende Virusmutation in Deutschland angekommen sei, mache es "noch dringender, die Zahlen schnell und deutlich zu senken, um die Verbreitung der neuen Varianten zu verhindern".

Mit Blick auf die bisherigen Einschränkungen im Herbst und Winter äußerte die Wissenschaftlerin Kritik: "Aus meiner Sicht waren die Maßnahmen im November zu halbherzig, um Erfolg haben zu können." Zu diesem Zeitpunkt hätten die Behörden Kontakte nicht mehr vollständig nachvollziehen können. "Man muss also auch von einer hohen Dunkelziffer ausgehen", so Grill. "Das wahre Ansteigen der Fallzahlen Anfang Dezember hat man also vielleicht gar nicht gesehen." Mitte Dezember seien auch noch viele Menschen sehr viel unterwegs gewesen. "Also war von Effekten des Lockdowns sicher bis zum Schließen des Einzelhandels nicht so viel zu sehen", meinte die Professorin.

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