Glück gibt’s nur in Hollywood

In seinem Buch „Die Joel-Story“ erzählt Steffen Radlmaier die Familien-Geschichte des Rock-Stars Billy Joel, die auch nach Nürnberg führt.
von  Abendzeitung
Familientreffen in Nürnberg – 50 Jahre nach Kriegsende: Helmut Joel (Mitte) mit seinen Söhnen Alexander und Billy (re.) 1995.
Familientreffen in Nürnberg – 50 Jahre nach Kriegsende: Helmut Joel (Mitte) mit seinen Söhnen Alexander und Billy (re.) 1995. © Berny Meyer

NÜRNBERG - In seinem Buch „Die Joel-Story“ erzählt Steffen Radlmaier die Familien-Geschichte des Rock-Stars Billy Joel, die auch nach Nürnberg führt.

Uptown Girl“, „We Didn’t Start The Fire“ oder „The Stranger“ — wer an den „Piano Man“ Billy Joel denkt, wird schnell zum Ohrwurmopfer. Am 9. Mai wird der US-Rockstar, der bekanntlich fränkische Wurzeln hat, 60 Jahre. „Ich habe lange Zeit kaum etwas von meiner Familiengeschichte gewusst, sie steckt für mich voller Geheimnisse“, gesteht er in der Familien-Biographie „Die Joel-Story“, die der Nürnberger Journalist Steffen Radlmaier jetzt veröffentlichte.

Detailreich berichtet er von Billys Großvater Karl Amson Joele aus dem Dorf Colmberg, der in Nürnberg ein Wäscheversand-Unternehmen aufbaute (die große, im Krieg zerstörte Näherei befand sich in der Muggenhofer Straße). Unter zunehmendem antisemitischen Druck ging er 1934 ins liberalere Berlin, musste die Firma aber 1938 endgültig zum Schleuderpreis verkaufen — an Josef Neckermann, der damit seinen Versandhandel begründete. Als Joel aus dem Schweizer Exil um sein ausbleibendes Geld anfragte, antwortete Neckermann zynisch: „Kommen Sie doch nach Berlin, dann bekommen Sie, was Ihnen zusteht!“

Von der Schweiz emigrierte Joel mit Frau und Sohn Helmut – Billys Vater — über Kuba, wo sie drei Jahre ausharren mussten, in die USA. Andere Familienmitglieder wie Karls Ansbacher Bruder wurden in Europa ermordet. Das Familiengrab der Joels befindet sich bis heute auf dem Jüdischen Friedhof Nürnberg.

Natürlich handelt „Die Joel-Story“ vor allem von der Karriere Billys, seinen Erfolgen und Abstürzen. Aber sie kommt immer wieder auf die Geschichte einer zersplitterten Familie zurück. So verließ Helmut 1957 Frau und Sohn. Trotz Geldsorgen machte es Mutter Rosalind jedoch möglich, dass Billy weiterhin seine Klavierstunden erhielt: Bach, Beethoven, Brahms.

Radlmaier hat mit Helmut und Billy gesprochen, mit dessen Tochter Alexa Ray, die an einer Solo-Karriere bastelt. Und mit Billys Halbbruder Alexander, Generalmusikdirektor in Braunschweig, der 2005 für seine „Lustige Witwe“ am Nürnberger Opernhaus den AZ-Stern des Jahres erhielt und 2007 die Philharmoniker beim Klassik Open Air leitete. Zu Vater Helmut nahm der Rock-Star erst 1972 auf einer Europatournee wieder Kontakt auf: „Glückliche Familien gibt es nur in Hollywood-Filmen,“ sagt Billy Joel im Buch.

In flüssigem Ton erzählt Radlmaier so eine prototypische Familiengeschichte im 20. Jahrhundert, zeigt weltumspannende Biografien mit Brüchen. Billy Joel selbst kann das Schicksal seiner Vorfahren kaum fassen: „Während ein großer Teil meiner Familie vernichtet wurde, überlebten meine Eltern – und ich wurde geboren. Das ist für mich bis heute ein unbegreiflicher Widerspruch.“ Georg Kasch

Steffen Radlmaier: Die Joel-Story (Heyne Verlag, 288 S., 19,95 Euro). Präsentation am 7. Mai, 20.15 Uhr, bei Thalia Campe mit der Gruppe „Berlin Voices“. Eintritt: 10 Euro.