FFP-Maskenpflicht: Flüchtlingsrat sieht Chaos

Der Bayerische Flüchtlingsrat sieht nach Inkrafttreten der FFP-Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln im Freistaat ein Chaos bei der Versorgung von Asylbewerbern. "Ministerpräsident Söders symbolpolitische Schnellschussstrategie ist von einem durchdachten Infektionsschutz meilenweit entfernt", sagte Katharina Grote vom Bayerischen Flüchtlingsrat am Mittwoch laut Mitteilung in München. "Eine Maskenpflicht zu erlassen, ohne vorab eine niedrigschwellige und effiziente Versorgung aller mit Masken sicher zu stellen, verursacht unübersichtliches Chaos und beansprucht unnötig Kräfte, die derzeit an anderer Stelle dringend gebraucht werden."
| dpa
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München

Hintergrund der Kritik ist, dass Asylbewerber nach Angaben des Flüchtlingsrates keine der 2,5 Millionen Gratismasken erhalten, die Bayern an Bedürftige verteilen will. Stattdessen werde ihnen ein Budget von 6 Euro für den Januar und 12 Euro für Februar eingeräumt, das über das Asylbewerberleistungsgesetz bewilligt wird.

"Ob die Geflüchteten ihre FFP2-Masken jetzt selbst kaufen müssen und dafür Ende des Monats ihr Budget rückwirkend ausgezahlt bekommen, oder die Masken zu Verfügung gestellt werden, sollen die Sozialämter der Landkreise und Kreisfreien Städte selbst entscheiden", kritisierte der Flüchtlingsrat.

Zwar sei es zu begrüßen, dass Flüchtlinge bei der Beschaffung der Masken unterstützt würden. "Doch die Art und Weise, wie dies geschieht, ist empörend." Asylbewerber seien ohnehin in einer prekären finanziellen Lage. "Wer jetzt kein Geld mehr hat, kann nur hoffen, dass sein Sozialamt noch diese Woche die FFP2-Masken als Sachleistung ausgibt. Andernfalls sind diese Personen von der gesellschaftlichen Teilhabe komplett ausgeschlossen." Grote forderte die Behörden auf, schnell unbürokratische Lösungen zu finden.

In Bayern gilt seit Montag dieser Woche die Pflicht zum Tragen sogenannter FFP2-Masken beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn. FFP2-Masken sind teurer als die herkömmlichen Mund-Nasen-Bedeckungen, die bisher ausreichten.

Auch die Gewerkschaft Verdi fordert eine Nachbesserung bei der Versorgung von Bedürftigen mit Masken: "Da nun absehbar ist, dass die Tragepflicht noch längere Zeit aufrechterhalten bleibt, ist klar, dass die vom Freistaat zur Verfügung gestellten fünf Masken nur eine erste Grundausstattung sein können", sagte der Vorsitzende des Bezirkserwerbslosenausschuss von Verdi Mittelfranken, Tom de Buhr. "Wir gehen davon aus, dass ein Verbrauch von 15 Masken pro Monat unumgänglich ist."

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