Experte: Sensibilität für Rassismus in Bayern gewachsen

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd hat nicht nur in den USA eine Protestwelle gegen Rassismus ausgelöst. Auch hierzulande werde inzwischen offener über diese Themen gesprochen, sagt ein Experte. Doch das reiche nicht.
von  dpa
Martin Becher, der Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, lächelt.
Martin Becher, der Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, lächelt. © picture alliance / dpa

Die Themen Rassismus und Diskriminierung werden nach Experteneinschätzung inzwischen viel offener diskutiert als noch vor einigen Jahren. "Es gibt ein Problembewusstsein. Institutionen und Gruppierungen wollen sich mit dem Thema befassen", sagte Martin Becher, Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz. Gemeinsam mit Stadt und Landkreis Wunsiedel hat das Bündnis für Donnerstag zum 14. Wunsiedler Forum eingeladen. Die Veranstaltung beschäftigt sich heuer mit dem Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung in Bayern.

Seit dem Erstarken der Black Lives Matter (BLM)-Bewegung zögerten auch staatliche Stellen nicht mehr, das Thema Rassismus offen anzugehen, sagte Becher. "Das ist ein ganz anderer Diskurs als noch vor fünf oder zehn Jahren." Die Sensibilität sei gewachsen, gerade auch viele junge Menschen gingen inzwischen an die Öffentlichkeit. "Und sie treffen nicht mehr auf eine Mauer des Schweigens, es gibt einen Resonanzboden."

Im Mai 2020 starb der Afroamerikaner George Floyd in den USA, als ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Hals gedrückt hatte. Sein Tod hatte in den USA landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst, auch in vielen anderen Ländern gab es Demonstrationen. Die bereits 2013 gegründete internationale zivilgesellschaftliche Bewegung Black Lives Matter rückte dabei in den Mittelpunkt.

Das Wunsiedler Forum wolle nun eine Möglichkeit der Vernetzung bieten, betonte Becher: Die, die sich gegen menschenfeindliche Einstellungen, gegen Abwertungen und damit auch gegen die extreme Rechte engagieren, aber nicht betroffen sind, müssten sich mit denen verbünden, die betroffen sind von Rassismus. "Die direkt Betroffenen müssen das Gefühl haben, dass sie nicht alleine sind." Alltagsrassismus sei für sie alltäglich erlebter Rassismus. Für nicht direkt Betroffene bleibe er abstrakt. "Diese Lücke gilt es zu schließen." Das Wunsiedler Forum wolle einen geschützten Raum bieten, damit beide Seiten sich begegnen könnten.

© dpa-infocom, dpa:211007-99-508623/2