Everest und Summit: Die Naturschutz-Pharisäer

Robert Braunmüller, AZ-Kulturredakteur mit Hang zu Bergen, über den Kommerz rund um den Mount Everest.
von  Robert Braunmüller
Robert Braunmüller, AZ-Kulturredakteur
Robert Braunmüller, AZ-Kulturredakteur © Ronald Zimmermann

Eine Besteigung des Mount Everest hat nichts mit Bergsteigen zu tun. Es ist blanker Kommerz. Jedes Frühjahr spuren Sherpas den Weg zum Gipfel vor. Sie machen ihn mit Fixseilen, Leitern, Brücken, Sauerstoffflaschen-Depots und Küchen für jene reichen Fußkranken begehbar, die sich einen teuren Adrenalin-Kick leisten wollen.

Das ist ganz sicher keine „Expedition“, sondern eine überflüssige Pauschalreise für Leute mit zu viel Geld. Fünfzig Tonnen Abfall liegen auf dem höchsten Müllberg der Welt herum.

Zu Hause aber begreift sich der Deutsche Alpenverein als Naturschutz-Organisation. Er plaudert vom sanften Tourismus und protestiert (verhalten) gegen die Wucherung von Skipisten und Betonierung der Alpen mit Speicherkraftwerken. Wenn die Kommerz-Tochter dieses Vereins nun ausgerechnet mit einer Everest-Besteigung eine Pervertierung des Bergsteigens anbietet, wird dieses Anliegen unglaubwürdig. Es ist, als hätte Greenpeace nun für Fördermitglieder auch Atomstrom im Angebot.