Ernte-Fiasko in Franken: Was alles teurer wird

Für Bier, Brot, Brötchen, Kartoffeln und Obst müssen Verbraucher bald wohl etwas tiefer in die Tasche greifen
von  Abendzeitung
Kirschen, Erdbeeren und jetzt Äpfel: elf Prozent weniger.
Kirschen, Erdbeeren und jetzt Äpfel: elf Prozent weniger. © dpa

Für Bier, Brot, Brötchen, Kartoffeln und Obst müssen Verbraucher bald wohl etwas tiefer in die Tasche greifen

NÜRNBERG Es ist ein Desaster: „Tatsache ist, dass die Qualitäten von Getreide und Braugerste heuer wesentlich schlechter sind als sonst“, erklärt Marlene Mortler, Bezirksbäuerin des Bauernverbandes Mittelfranken. Bis zu 60 Prozent weniger Ernte werden einige Bauern heuer einfahren.

Zu kalt, zu nass, dann wieder zu trocken: Deutschlandweit wurde 11,8 Prozent weniger Getreide als im Vorjahr geerntet. Sorgenkinder sind vor allem Roggen, Gerste und Weizen. Die Halme keimen auf dem Feld und eignen sich nicht mehr zum Backen. In Franken spricht man bereits von einem Ernte-Fiasko. Und auch der Hafer, den der Nürnberger CSU-Stadtrat und Nebenerwerbs-Landwirt Konrad Schuh anbaut, „ist von Nässe und Pilzen ganz schwarz. Der taugt höchstens noch zum Verfüttern.“

Am Ende zahlt der Verbraucher für die schlechte Ernte drauf. Denn geringe Erträge bedeuten steigende Preise, vor allem beim Bier. „Bis zu 50 Cent teurer könnte ein Kasten werden“, sagt Werner Gloßner vom Verband der Privaten Brauereien Bayern. Anfang 2011, wenn die Restbestände aufgebraucht sind, könnte es so weit sein. Die Mehrkosten können „intern nicht mehr abgepuffert werden“, meint Gloßner. „Allein 20 Cent müssen für die Preissteigerung beim Getreide drauf geschlagen werden, der Rest ist für steigende Personalkosten.“

Die Weinlese steht noch an - Frankens Winzer sind unruhig

Auch der Bayerische Bauernverband hält das für möglich. „Der Grund ist nicht allein die schlechte Ernte, sondern dass weniger Braugerste angebaut wird“, sagte eine Sprecherin. So stieg der Preis für den aus Gerste und Weizen hergestellten Malz um 100 Euro pro Tonne. Die Bauern können so ihre minderen Erträge kompensieren – wirklich rechnen tut es sich nicht.

Teurer werden könnten auch Brot und Semmeln: In sechs Monaten stieg der Weizenpreis um über 70 Euro. Hinzu kommt, dass Russland wegen der Dürre keinen Weizen mehr exportiert. Der Bayerische Bauernverband rechnet auch hier mit einer leichten Preissteigerung. Hohe Verluste gibt es auch beim Roggen: Das Ernteergebnis liegt knapp 30 Prozent unter dem des Vorjahres. Das Mehl an sich kostet pro Semmel wenig, so Bezirksbäuerin Mortler. „Man sagt, in einem Brötchen steckt ein Anteil Mehl im Wert von einem halben Cent.“ Teurer geworden sind aber Verarbeitung, Lohn- und Energiekosten. Agrarministerin Ilse Aigner warnte davor, dass der Handel dies nutze, um unnötig die Preise zu steigern. Es gebe keine besorgniserregenden Engpässe.

Noch bevor steht die Kartoffelernte. Und bei der sieht Konrad Schuh heuer schwarz: „Ich kann froh sein, wenn ich noch zehn Prozent einholen kann. Und die geernteten Kartoffeln sind aufgrund der langanhaltenden Nässe in ihrer Lagerfähigkeit sehr eingeschränkt.“

Begonnen hat dafür schon die Apfelernte. Europaweit ist es die zweitschlechteste seit zehn Jahren. Auch in Bayern, wo Äpfel das am meisten angebaute Obst sind, rechnen die Bauern mit einer eher mageren Ausbeute. „Es ist aber nicht dramatisch“, sagt Theo Däxl vom Bayerischen Bauernverband. Äpfel sind damit das dritte Obst, das von dem feuchten Sommer betroffen ist. „Erst waren die Kirschen ein Reinfall, und auch die Ernte der Erdbeeren war unterdurchschnittlich“, sagt Däxl. Um bis zu 30 Prozent weniger fuhren die Bauern ein.

Unruhig sind derzeit auch Frankens Winzer. Die Weinlese steht bevor und hängt an den letzten sonnigen Tagen. Helmut Schmidt vom Fränkischen Weinbauernverband: „Derzeit ist noch ein guter Jahrgang-, wenn auch kein Jahrhundertwein drin.“

Nur ein Lebensmittel profitiert vom dem nassen Sommer: das Kraut. Es wurde genügend gegossen. akk/kes