Erneut sterben Tiere an vergifteten Ködern

Ungefähr alle fünf Tage wird in Bayern im Schnitt ein Tier vergiftet - und das sind nur die nachgewiesenen Fälle. Ein Biologe mahnt: Verbesserte Ermittlungsarbeit könnte Tierleben retten.
| dpa
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Ein Mäusebussard wartet auf seine Auswilderung.
Ein Mäusebussard wartet auf seine Auswilderung. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild
Reichertshofen

Immer wieder werden in Bayern vergiftete Wildtiere gefunden, zuletzt hat es dabei einen Schwerpunkt im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm gegeben. Allein in dem oberbayerischen Kreis wurden dieses Jahr bereits 17 tote Tiere gefunden, wie das Landratsamt mitteilte. Laut einem Biologen trifft es oft Greifvögel. Die Suche nach den Tätern gestaltet sich schwierig.

Bei sieben Tieren war nach Angaben der Behörde keine toxikologische Untersuchung mehr möglich - oder es wurde darauf verzichtet. Bei zehn Tieren - zwei Bussarden, fünf Krähen, zwei Mardern und einer Elster - wurde eine Vergiftung mit Carbofuran, einem Insektizid, festgestellt. Bereits in den Vorjahren hatte es vergleichbare Fälle in der Gegend gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß, wie das Amt und die Polizei mitteilten.

Carbofuran sei bei den Tätern beliebt, erläuterte der Biologe Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Das Insektizid sei in der EU seit 2007 verboten, aber lange haltbar, offensichtlich gebe es noch viele Altbestände. Das Gift, das auf Ködern angebracht wird, wirkt sofort: Vögel nehmen es durch die Schnabelschleimhaut auf, ihr Herz-Kreislauf-System kollabiert, sie sterben noch an Ort und Stelle. Laut Landratsamt Pfaffenhofen besteht auch für Menschen Lebensgefahr, wenn sie damit in Kontakt kommen.

Der Vogelschutzbund dokumentiert jeden Fall. Früher auf eigene Faust, mittlerweile im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte. Bei 40 toten Tieren - meistens Greifvögeln - konnte man laut von Lindeiner in diesem Jahr eine Vergiftung nachweisen, meist mit Carbofuran. Dazu kommen gefundene Kadaver, bei denen eine Vergiftung nicht mehr eindeutig festzustellen ist. Die Dunkelziffer der Tiere, die gar nicht erst gefunden wurden, könnte noch weit höher sein.

Tiervergiftungen gibt es demnach in ganz Bayern. Erst im Juni waren 13 getötete Greifvögel in fünf Regierungsbezirken festgestellt worden. Es gebe aber regionale Häufungen, sagte von Lindeiner: etwa in der Rhön, im Landkreis Cham, im "niederbayerischen Giftdreieck" Dingolfing-Plattling-Straubing und nun im Landkreis Pfaffenhofen.

Einsatzkräfte durchsuchten Ende Juli das Gebiet im Gemeindebereich Reichertshofen großflächig, unter anderem mit Polizeireitern. Zu möglichen Tatverdächtigen könne man noch keine Aussage machen, teilte die Polizei mit. Als Tatmotiv kämen allgemeiner Hass auf Tiere oder Konkurrenzdenken zu Greifvögeln in Betracht. Auf diese haben es die Täter, so berichtete von Lindeiner, meist abgesehen. Wie bei Pfaffenhofen kann es aber auch andere Tiere treffen: Im vergangenen Jahr sei etwa eine Katze qualvoll an einer Vergiftung gestorben. In der Nähe waren tote Greifvögel gefunden worden. Im Kreis Coburg sei die Nagestelle eines Bibers mit Gift eingestrichen worden.

"Über ihre Motivation haben wir leider noch nie mit einem Täter vor Gericht sprechen können", sagte Lindeiner. In Bayern gebe es eine "Nullquote" bei der Aufklärung. Es fehle eine zentrale Stelle zur Koordination zwischen den verschiedenen Behörden und der Polizei. Man müsse auch sagen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht überall fachlich so aufgestellt seien, dass sie konsequent ermitteln könnten, sagte von Lindeiner.

Erfahrungen aus Spanien hätten aber gezeigt, dass Strafverfolgung etwas bringe. Dort war die Zahl der vergifteten Tiere von einer vierstelligen Zahl pro Jahr zurückgegangen, nachdem Spezialeinheiten mit Spürhunden ermittelten.

© dpa-infocom, dpa:210807-99-753727/2

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