Erdgas: Porzellanbranche fürchtet höheren CO2-Preis

Die traditionsreiche Porzellanindustrie in Nordostbayern hat harte Jahre hinter sich. Jetzt sehen Unternehmen und Gewerkschaft ein neues Problem - die Energiepolitik.
| dpa
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Teller, Tassen und Schalen laufen in der Produktion durch einen Ofen.
Teller, Tassen und Schalen laufen in der Produktion durch einen Ofen. © picture alliance / dpa/Symbolbild
Selb

Zahlreiche Arbeitsplätze hängen im Nordosten Bayerns nach wie vor an der Porzellanindustrie. Nun fürchten sowohl Unternehmen als auch die Gewerkschaft neue Probleme - und zwar durch die Energiepolitik. Es handle sich nun einmal um eine CO2-intensive Industrie, sagte Benjamin Hannes, Gewerkschaftssekretär der IG Bergbau, Chemie, Energie für Nordostbayern.

Die Branche zeigt sich beunruhigt darüber, dass möglicherweise für den Klimaschutz höhere Preise für den CO2-Ausstoß festgelegt werden. Um Porzellan zu brennen, sei Erdgas notwendig, betonte Hannes. Zwar seien viele Betriebe schon modernisiert worden und hätten sehr energieeffiziente Öfen mit modernster Technik - aber auch hier sei nun einmal weiter der Einsatz von Erdgas nötig.

Beispiel Rosenthal mit Hauptsitz in Selb (Landkreis Wunsiedel): Das Unternehmen habe in den vergangenen zehn Jahren Millionenbeträge in Energieeinsparung und Umweltschutz investiert, sagte Firmenchef Mads Ryder. Kraft-Wärme-Kopplung, Abwärmenutzung, elektrische Bauteile mit höchstem Nutzungsgrad hätten zu Energieeinsparungen geführt. "Der Mittelstand in Deutschland muss mit Fördermaßnahmen zur Energiewende unterstützt werden. Für die keramische Industrie ist es wichtig, dass die Bundesregierung Wasserstofftechnologie fördert, schnell und unbürokratisch", sagte Ryder weiter.

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich Unternehmen aus der Keramik- und auch der Textilbranche, Gewerkschaft und Betriebsräte aus der Region an die Bundespolitik gewandt, um eine deutlichere Entlastung zu fordern. Denn sonst sei zu befürchten, dass Stellen ins nahe Tschechien abwandern, betonte Hannes: "Es geht um den Erhalt der Arbeitsplätze."

Die traditionsreiche Porzellanindustrie in der Region hat harte Jahre hinter sich: In den 1980er Jahren wurden 80 Prozent des europäischen Geschirrs in Nordostbayern hergestellt. Doch dann kam die Billig-Konkurrenz - und viele Konsumenten wollten Geschirr nur noch als günstigen Gebrauchsgegenstand erwerben. Aufsehenerregend war die Insolvenz von Rosenthal im Jahr 2019, das Unternehmen konnte jedoch gerettet werden und gehört inzwischen zur Arcturus-Gruppe.

© dpa-infocom, dpa:210820-99-903933/2

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