Deshalb gibt es aktuell in Bayern so wenige Intensivbetten

Es fehlt an Intensivbetten. Mehr als im letzten Jahr. Das sind die Gründe.
von  Lisa Marie Albrecht
Ein freies Intensivbett. In manchen Teilen des Landes findet man diese nicht mehr.
Ein freies Intensivbett. In manchen Teilen des Landes findet man diese nicht mehr. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

München - Im Freistaat Bayern stehen derzeit im Vergleich zum vergangenen Jahr rund 20 Prozent weniger Intensivbetten zur Verfügung. Wie kann das sein?

Eine gesetzliche Änderung war entscheidend

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) nennt auf AZ-Anfrage mehrere Faktoren. Entscheidend war BKG-Sprecher Eduard Fuchshuber zufolge eine gesetzliche Änderung: Bereits im August 2020 wurde die Personaluntergrenze (PUG) für Intensivstationen eingeführt, die besagt, dass eine Intensivpflegekraft tagsüber maximal 2,5 Patienten betreuen darf.

Warnstreik in Großhadern.
Warnstreik in Großhadern. © picture alliance/dpa

Mit dem 1. Februar 2021 wurde diese Grenze auf zwei Intensivpatienten pro Fachkraft herabgesenkt. "Natürlich wurden diese Kapazitäten zu recht eingeführt, um das Pflegepersonal zu schützen", sagt Fuchshuber der AZ. De facto standen damit aber viele Intensivbetten real nicht mehr zur Verfügung, weil die Betreuung mangels Personal nicht gewährleistet war.

Genug Betten, zu wenig Pfleger

Bereits im März 2020 stellte der Bund ein Förderprogramm auf die Beine, das Kliniken 50.000 Euro Pauschale pro zusätzlichem Intensivbett versprach - allerdings nur für die Hardware, erklärt Fuchshuber. Sprich: Die Betten waren da, die Pfleger fehlten.

Hinzu kommt laut dem BKG-Sprecher, dass durch die hohe Arbeitsbelastung während der Pandemie mehr Intensivpflegekräfte inzwischen in Teilzeit arbeiten, angestauten Urlaub nehmen, auf die Normalstation wechseln oder gekündigt haben.

Covid-Patienten müssen länger betreut werden

Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) nennt auf AZ-Anfrage Personalmangel als Hauptgrund für die gesunkene Zahl an verfügbaren Intensivbetten.

Sie verweist zudem darauf, dass Covid-Patienten mit im Schnitt 20 Behandlungstagen deutlich länger auf der Intensivstation betreut werden müssen als andere Patienten, was zusätzlich sowohl Betten- als auch Personalressourcen kostet.