Das Essen der Zukunft in den Vereinigten Arabischen Emiraten - und Bayern hilft mit

Mit moderner Technik, klimafreundlich und wassersparend: Wie die Emirate ihre Lebensmittel-Industrie neu ausrichten wollen.
von  Natalie Kettinger
Ministerinnen unter sich: Michaela Kaniber (l.) und Mariam Al Mheiri.
Ministerinnen unter sich: Michaela Kaniber (l.) und Mariam Al Mheiri. © Stmelf

Öl haben die Vereinigten Arabischen Emirate (noch) reichlich. Ganz anders sieht es bei selbst produzierten Lebensmitteln aus. "Wir importieren aktuell rund 90 Prozent unserer Nahrungsmittel", sagt Mariam Al Mheiri, Staatsministerin für Ernährungs- und Wassersicherheit.

In Zukunft soll sich das ändern – zumal die Corona-Krise gezeigt hat, wie brüchig globale Lieferketten sein können.

Ministerinnen tauschen sich aus

Mit Hilfe moderner Technologien und Anbaumethoden wollen die Emiratis eine Kehrtwende schaffen, sehr gerne in Zusammenarbeit mit internationalen Firmen oder innovativen Start-ups. Um die Beziehungen zu vertiefen, ist Mariam Al Mheiri, die unter anderem in Aachen studiert hat, jetzt nach Deutschland gereist.

Auf ihrem Terminkalender stehen neben Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern auch Treffen mit Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Europaministerin Melanie Huml (beide CSU). "Deutschland ist unser größter Handelspartner in Europa, und wir sind Deutschlands größter Handelspartner in der Golfregion", sagt sie. Und Bayern spielt dabei kräftig mit.

Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner

Laut Al Mheiri betrug das Handelsvolumen zwischen den VAE und der Bundesrepublik im vergangenen Jahr rund 7,5 Milliarden Euro – für ein Drittel zeichne der Freistaat verantwortlich, sagt sie. So betreibt etwa die BayWa gemeinsam mit der Al Dahra Group in der Oasenstadt Al Ain ein wassersparendes Klima-Gewächshaus, in dem Premium-Tomaten für den lokalen Markt produziert werden.

BMW wiederum bezieht aus den Emiraten mit Solarenergie hergestelltes Aluminium - und zwar so viel, dass laut Unternehmensmitteilung damit nahezu die Hälfte des jährlichen Bedarfs der Leichtmetallgießerei im Werk Landshut abgedeckt ist.

Doch Mariam Al Mheiri liegt vor allem eine moderne Lebensmittelproduktion am Herzen, möglichst wassersparend und mit geringem CO2-Ausstoß. Begeistert erzählt sie vom "Food Tech Valley", das nahe Dubai in unmittelbarer Nähe zahlreicher Universitäten und Colleges entstehen soll.

Die VAE als technologisches Entwicklungslabor für heiße Regionen

Wissenschaftler und Unternehmen aus aller Welt sollen dort die Möglichkeit erhalten, neue Wege zu gehen – sei es bei der Entwicklung alternativer Proteinquellen oder der Digitalisierung der Landwirtschaft. Die klimatischen Bedingungen in ihrer Heimat sieht die Ministerin dabei als einen Standortvorteil: In Zeiten des Klimawandels könnten die VAE als technologisches Entwicklungslabor für heiße Regionen dienen.

In welche Richtung es bei all dem gehen könnte, beschreibt Al Mheiri anhand eines bereits existierenden Wüsten-Öko-Projektes: Auf einer zwei Hektar großen Fläche würden Fische und Garnelen in Salzwasserbecken gehalten.

Im Brauchwasser wurzelten Salicornia-Pflanzen, aus deren Samen man Bio-Benzin herstellen könne, die aber auch in der heimischen Küche verwendet würden. Anschließend ströme das Wasser durch eine Art Mangroven-Wäldchen, werde dadurch gereinigt und dann wieder in den Fisch-Bereich geleitet - und das alles allein mit Solar-Energie.