CSU wählt erste paritätische Bundestagsliste

Erstmals in ihrer Geschichte will die CSU ihre Liste für die Bundestagswahl gleichermaßen mit Männern und Frauen besetzen. Im Bundestag werden aber weiter viel weniger CSU-Frauen sitzen.
| dpa
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Alexander Dobrindt spricht bei einer Pressekonferenz.
Alexander Dobrindt spricht bei einer Pressekonferenz. © Felix Schröder/dpa
Nürnberg

Drei Monate vor der Bundestagswahl stellt die CSU an diesem Samstag in Nürnberg ihre Kandidatenliste auf. Große Überraschungen sind dabei nicht zu erwarten, die Wahl von Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zum Spitzenkandidaten gilt bereits als gesetzt. Parteichef Markus Söder hatte sich bereits im Vorfeld mit den Vorsitzenden der Bezirksverbände über die ersten zehn Plätze verständigt. Auf Platz zwei wird Digital-Staatsministerin Dorothee Bär folgen, Platz 3 geht an den niederbayerischen CSU-Chef und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Die ersten zehn Plätze gehen ausschließlich an bereits amtierende Bundestagsabgeordnete.

Trotzdem erwarten die 276 stimmberechtigten Delegierten bei der Listenwahl zwei Neuheiten, die es so in der Geschichte der CSU noch nie gegeben hat: Zum einen muss die Veranstaltung wegen der Corona-Krise unter freiem Himmel stattfinden. Wie bereits andere Parteien zieht es die CSU dazu in ein Fußballstadion - die Veranstaltung, bei der auch eine Rede von Parteichef Söder vorgesehen ist, geht im Nürnberger Max-Morlock-Stadion über die Bühne.

Zum anderen soll es erstmals bei der CSU eine paritätisch besetzte Kandidatenliste für eine Bundestagswahl geben. Dies hatte Söder bereits Anfang Juni in einer Videokonferenz des CSU-Vorstands angekündigt. Das heißt, dass bei der Listenaufstellung immer abwechselnd ein Mann und eine Frau berücksichtigt werden sollten.

Anders als bei anderen Parteien hat die Kandidatenliste bei der CSU aber eine eher untergeordnete Bedeutung, da sich in früheren Jahren die CSU-Kandidaten in den Wahlkreisen direkt durchsetzen konnten und gar nicht auf einen Listenplatz angewiesen waren. Nachdem die CSU aber auch bei der vergangenen Landtagswahl einige Direktmandate an die Grünen verloren hatte, dürfte insbesondere für die Bewerber in den aus CSU-Sicht unsicheren Wahlkreisen, etwa in Nürnberg und München, die Bedeutung des Listenplatzes als zusätzliche Sicherheit wachsen.

Die Parität der Liste wird somit relativiert. In den 46 Wahlkreisen hat die CSU zwar noch nicht alle Direktkandidaten nominiert, ein Blick auf die 44 bisher feststehenden Bewerber zeigt aber, dass hier die von Söder gewünschte Parität längst nicht erreicht wird. Gerade einmal zehn Frauen finden sich unter den Kandidaten. In München, Augsburg, Mittelfranken und ganz Niederbayern ist keine einzige Frau als Direktkandidatin nominiert. Für ganz Oberbayern sind es gerade einmal zwei. Vorreiter ist hier eindeutig Unterfranken, wo sich drei Frauen und zwei Männer die Direktmandate aufteilen.

Platz 4 und 5 sind der Vorschlagsliste dem Vernehmen nach für die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig und Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich bestimmt. Für Platz 6 ist Innenausschuss-Chefin Andrea Lindholz vorgesehen. Es folgen Vize-Generalsekretär Florian Hahn und Vize-Landesgruppenchefin Anja Weisgerber. Platz 9 soll Stefan Müller erhalten, er hatte jüngst wegen einer nicht korrekt angegebenen Nebentätigkeit als Vorstandsmitglied für Ärger gesorgt. Platz 10 soll CSU-Gesundheitspolitikerin Emmi Zeulner erhalten.

© dpa-infocom, dpa:210626-99-150584/2

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