Corona-Krise im Handel: Selbst ein "Söder-Fan" muckt auf

Hotellerie und Einzelhandel kämpfen wegen der Corona-Krise ums Überleben. Eine Rottacher Ladenbesitzerin, selbst CSU-Mitglied, macht jetzt ihrem Ärger Luft. Sie fordert: Sonntagsöffnungen!
von  Klaus Wiendl
"Söder-Fan" Constance Niedner steht vor ihrem Laden. Sie will auch sonntags aufsperren dürfen.
"Söder-Fan" Constance Niedner steht vor ihrem Laden. Sie will auch sonntags aufsperren dürfen. © Klaus Wiendl

Was das Bayerische Landesamt für Statistik aktuell bekannt gibt, lässt Touristiker erschaudern. Die rund 6.400 noch geöffneten Beherbergungsbetriebe hätten für April etwa 173.000 Gästeankünfte gemeldet, teilte das Landesamt für Statistik am Dienstag mit. Das bedeutet ein Minus von 94,5 Prozent im Vergleich zum April 2019.

Darunter leiden in den touristischen Regionen auch die Einzelhändler. Was noch hinzukommt: Was in anderen Bundesländern selbstverständlich ist, bleibt bayerischen inhabergeführten Einzelhändlern untersagt: die Öffnung an Sonn- und Feiertagen. Diese seien aber dringend nötig, um die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wirtschaftlich zu überleben, schreibt jetzt eine Ladenbesitzerin aus Rottach-Egern "im Namen unzähliger Einzelhändler" in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Boutique-Inhaberin: Handel wird über einen Kamm geschert

Als Besitzerin der Boutique "Jagdfieber" und als CSU-Mitglied fordert Constance Niedner vom Parteichef, den Einzelhandel "nicht allein zu lassen". Denn dessen Probleme seien ganz anders gelagert, als die der großen Handelskonzerne und des Onlinehandels. Trotzdem werde der gesamte Handel "grundsätzlich über einen Kamm geschert".

Niedners Appell an Söder: in Tourismusgebieten die Geschäfte an Sonntagen öffnen zu dürfen, denn die Einzelhändler würden "selbst im Geschäft stehen". Was "Devotionaliengeschäften mit ortsüblicher Ware" an Sonntagen erlaubt werde, müsse nun auch für Einzelhändler wie Niedner gelten. Sie bietet seit 2012 im Zentrum von Rottach-Egern Label an, auf die vor allem Frauen "Jagd" machen würden, ob Bekleidung oder Reiseartikel.

"Söder-Fan" vermisst gerechte Lösung von ihrem Idol

Doch mit den Umsätzen, die sie und ihre Mitstreiter derzeit erzielen würden, "ist ein langfristiges Überleben vieler Geschäfte eher unwahrscheinlich". Obwohl Niedner einräumt, "Söder-Fan" zu sein, "erzürnt" sie dessen Debatte um den Sonntag. Sie vermisse von ihrem Idol "eine gerechte Lösung für alle Beteiligten".

Zwar sei das Gesetz zum Schutz der Sonntagsruhe in vielen Bereichen sinnvoll, doch eine Touristenregion mit geschlossenen Läden am Sonntag sei ein Unding. "Leider rennen wir da gegen eine Wand", klagt Niedner. Denn auch Kirche und Gewerkschaft würden sich "querstellen".

Ein Dauerbrenner ist beim Handelsverband Bayern (HBE) die Forderung nach verkaufsoffenen Sonntagen. "Wir wollen sie wenigsten in der Corona-Krise bis zum Jahresende", sagt dessen Geschäftsführer Bernd Ohlmann zur AZ. "Wir haben schon bei der Staatsregierung interveniert." Sein Verband wolle zwar nicht "grundsätzlich an die Sonntags-Öffnungszeiten ran", aber die Corona-Krise sei ein "besonderer Anlass, der auch besondere Maßnahmen erfordert".

Vier verkaufsoffene Sonntage sind keine Lösung

Denn die vier verkaufsoffenen Sonntage in Bayern, "helfen uns in Corona-Zeiten nicht", so Ohlmann. "Dieses Thema scheut die Politik wie der Teufel das Weihwasser." Da die Urlauber an Sonntagen in Bayern "in die Röhre schauen", fordert Ohlmann "unbürokratische Öffnungszeiten während der Coronakrise".

Doch nicht einmal weitere Lockerungen sind in Sicht: Trotz verschiedener Forderungen der Freien Wähler sollen in Bayern in dieser Woche die Corona-Auflagen für Tourismus und Handel nicht geändert werden. Schade findet das Fraktionschef Florian Streibl, der eine Abschwächung der Reisebeschränkungen und Regelungen zum Infektionsschutz noch vor Fronleichnam gefordert hatte.

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