Corona-Krise: Disziplin zeigen - und Verdacht hegen? Autor

Der Chefredakteur Michael Schilling über die Bahn-Hotline und einen Melde-Notruf.
von  Michael Schilling
Jeder kann dazu beitragen, dass es Zustände, wie sie die meisten von uns nur aus Geschichtsbüchern kennen, nicht gibt, sagt Michael Schilling.
Jeder kann dazu beitragen, dass es Zustände, wie sie die meisten von uns nur aus Geschichtsbüchern kennen, nicht gibt, sagt Michael Schilling. © AZ

Werfen wir mal einen Blick in den Bericht des Polizeipräsidiums München von Mittwoch. Darin heißt es, dass binnen 24 Stunden "über 7.500 Kontrollen" zur Ausgangsbeschränkung durchgeführt wurden. Das sind mehr als fünf pro Minute, rund um die Uhr! Dabei, so heißt es im Bericht, "wurden 111 Verstöße angezeigt, von denen 109 die Ausgangsbeschränkung betrafen". Bei knapp 7.400 Kontrollen (98,5 Prozent) gab es also nichts zu beanstanden. Das spricht für die Disziplin der leidgeprüften Münchner – und dafür, dass es diesen massiven Kontrolldruck offenbar nicht notwendig braucht.

In der Corona-Krise ist jeder Einzelne gefragt

Nahezu täglich heißt es im Polizeibericht übrigens auch, "Mitteiler" hätten die 110 gewählt, weil sie "den Verdacht" hätten, nebenan oder gegenüber verstoße jemand gegen die Regeln. Nun wirbt auch noch Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer für eine ÖPNV-Hotline, bei der Fahrgäste u. a. melden sollen, wenn in ihrem Bus oder ihrem Bahnabteil der bevorstehenden Maskenpflicht "nicht so nachgekommen wird", wie es notverordnet ist. Dann werde man reagieren.

Es ist wichtig und wünschenswert, dass die Menschen, die derzeit ohnehin auf garantierte Grundrechte verzichten, gesund bleiben. Zustände, wie sie die meisten von uns nur aus Geschichtsbüchern kennen, sollte es aber nicht geben. Dazu kann jeder einzelne beitragen.

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