Brexit und Corona-Amtshilfe: Weniger Einbürgerungen

Im vergangenen Jahr stürmten die in Bayern lebenden Briten die Einbürgerungsämter: Sie wollten unbedingt noch vor dem Brexit einen EU-Ausweis. Der Run hat mittlerweile nachgelassen. Aber das ist nicht der einzige Grund für die gesunkenen Einbürgerungszahlen.
| dpa
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München

Der Ansturm der Briten hat nachgelassen, und die Ämter hatten anderes zu tun: Die Zahl der Einbürgerungen ist in Bayern im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. 20 192 Menschen erhielten 2020 im Freistaat ihre Urkunden, das sind 3,7 Prozent weniger als 2019. "Trotz des leichten Rückgangs liegt die Zahl insgesamt jedoch deutlich über den Zahlen der Vorjahre", bilanzierte Integrationsminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch in München. "2018 waren es 18 062 und 2017 nur 15 638 Einbürgerungen."

Der Rückgang habe zwei Hauptgründe, erläuterte Herrmann: Zum einen hätten die Einbürgerungsbehörden bei der Bewältigung der Corona-Pandemie Amtshilfe geleistet und deshalb weniger Anträge bearbeiten können. Zum anderen sei die Zahl der Einbürgerungen von britischen Staatsbürgern wieder zurückgegangen. Im Vorjahr hatten vor dem Hintergrund des inzwischen vollzogenen Brexits noch ungewöhnlich viele Briten die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.

2020 machten eingebürgerte Personen aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union nach rund 44 Prozent im Vorjahr nunmehr nur noch einen Anteil von rund einem Drittel aus. "Das liegt vor allem daran, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr der EU angehört und nun statistisch bei den Drittstaaten erfasst wird", erläuterte Herrmann.

Zu den Hauptherkunftsstaaten innerhalb der EU zählten im vergangenen Jahr Rumänien mit knapp 2300, Italien mit gut 900, Polen mit knapp 700 sowie Bulgarien und Ungarn mit jeweils rund 500 Eingebürgerten. Bei den Nicht-EU-Ländern stammten die meisten erfolgreichen Antragssteller aus der Türkei (gut 1600). Etwas mehr kamen aus den ehemals jugoslawischen Staaten Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und der Kosovo. Aus dem Irak stammten knapp 1500 Neubürger, gefolgt vom "neuen" Drittstaat Großbritannien mit nunmehr 900. Im Vorjahr hatten sich noch 2087 Menschen von der Insel einbürgern lassen.

Nach einer erfolgeichen Pilotphase können Menschen, die die Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen, dies künftig bayernweit auch online beantragen. Sie müssen in der Regel unter anderem seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland leben, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, nicht straffällig geworden sein und Sprach-, Rechts- und Gesellschaftskenntnisse nachweisen.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-387900/2

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