Bislang nur wenige Kirchenschließungen in Bayern

Das Erzbistum München und Freising schreckt in Zeiten sinkender Einnahmen vor radikalen Schritten nicht zurück und erwägt ausdrücklich die Schließung von Kirchen. Wie drastisch diese Entscheidung ist, zeigt ein Blick in die bayerischen Diözesen.
| dpa
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Eine Kerze leuchtet in einer Kirche.
Eine Kerze leuchtet in einer Kirche. © Peter Gercke/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

München - In den vergangenen Jahren sind nur wenige katholische Kirchen in Bayern geschlossen worden. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Bistümern im Freistaat ergeben. Die Bistümer meldeten insgesamt etwa zehn dieser sogenannten Profanierungen.

Seit 2010 wurden im Bistum Regensburg nach Angaben eines Sprechers drei Filial- oder Klosterkirchen profaniert. Eine weitere Profanierung werde derzeit vorbereitet, soll aber in diesem Jahr nicht mehr umgesetzt werden.

Im Bistum Augsburg wurde beispielsweise die Pfarrkirche St. Joseph in Augsburg-Oberhausen in Teilen profaniert. Ihr Hauptschiff dient nach Angaben eines Bistumssprechers nun als Teil des Bistumsarchivs, der frühere Chorraum als Gottesdienstraum. Ebenso verhält es sich bei der Kirche St. Martin in Lagerlechfeld, die künftig zum Teil als Gottesdienstraum und teils als Depot für Kirchenkunst genutzt werden soll.

Im Bistum Passau kommen Kirchenschließungen nach Angaben einer Sprecherin "vereinzelt vor, sind aber derzeit kein großes Thema". Eine profanierte Kirche in Burghausen werde inzwischen für Ausstellungen genutzt. In einer frühere Seminarkirche befinden sich nun Büros des Bischöflichen Ordinariats.

Profaniert und umgebaut wurde im Oktober 2016 auch das sogenannte Maierhofspital. "Dabei wurden die Reliquien aus dem Altar entnommen und das Tabernakel geleert", sagte die Sprecherin. Die Räume würden nun vom Klinikum als Bildungszentrum (BZM) genutzt. "Die oben genannten Profanierungen sind eher bedingt durch "geringe Nutzung durch Gläubige"", sagte die Sprecherin. "Weniger durch Kostengründe."

In der vergangenen Woche hatte das Erzbistum München und Freising bekannt gegeben, in Zeiten sinkender Einnahmen auch die Schließung von Kirchen ganz konkret in Betracht zu ziehen - und das obwohl es dort Profanierungen von Kirchen nach Angaben eines Sprechers in jüngerer Vergangenheit überhaupt nicht gegeben hat. "Wir stellen uns der jetzigen Zeitstunde. Wir träumen nicht von einer Vergangenheit, die vergangen ist, und konstruieren keine Zukunft, die noch nicht da ist", sagte der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, am Samstag bei einem Gottesdienst zum Abschluss des sogenannten Gesamtstrategieprozesses in seinem Bistum.

Marx' Bistum ist derzeit auch nicht die einzige Diözese, die sich mit diesem Gedanken trägt. Die "Ausgestaltung der Pastoralräume im Bistum" werde überprüft, sagt Michael Huber, Generalvikar des Bistums Eichstätt. "Es ist leider absehbar, dass wir unsere Gemeinden und Einrichtungen mit einer zu groß gewordenen Infrastruktur überfordern. Anpassungen sind sicher schmerzhaft, aber notwendig."

In der jüngeren Geschichte des Bistums fand bisher erst eine einzige dieser sogenannten Profanierungen statt: 2015 wurde in Schwabach eine 1956 nach dem Krieg schnell hochgezogene Kirche abgerissen, weil sie bautechnisch marode war. "Da es in der Pfarrei Schwabach noch vier weitere Kirchen gibt, verzichtete man auf einen Ersatzbau", teilte das Bistum mit.

"Wir müssen gemeinsam Wege in die Zukunft aufzeigen, notwendige – zum Teil wohl auch schmerzhafte – Veränderungen angehen und in Verantwortung für kommende Generationen die besten Lösungen finden", sagte Amtschef Thomas Schäfers.

Nach Angaben der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gibt es bundesweit rund 24.000 sakrale Kirchengebäude, von denen etwa 22.800 denkmalgeschützt sind. Bei 587 katholischen Kirchen bundesweit wurde seit Anfang des 20. Jahrhunderts die liturgische Nutzung beendet (Stand März 2021), davon wurden bisher 211 Kirchen verkauft, 164 wurden abgerissen.

Die Statistik erfasst auch ungewöhnliche Profanierungsgründe: 18 katholische Kirche wurden beispielsweise nach staatlicher Zwangsenteignung für den Bergbau abgerissen, 9 Kirchen wurden zwecks Baus von Talsperren geflutet.

Eine Sprecherin der DBK betonte: "Trotz der Schließungen und Umwidmungen darf aber auch nicht übersehen werden, dass seit 1995 in Deutschland 77 katholische Gotteshäuser und mehr als 663 sonstige öffentliche Gebäude der katholischen Kirche neu erbaut wurden."

© dpa-infocom, dpa:211212-99-352203/2

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