Betrüger prellt Anleger mit Internet-Deals um Millionen

Bayerische und bulgarische Ermittler haben ein Callcenter in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ausgehoben, aus dem Anleger im Internet um Millionen Euro geprellt worden sein sollen. Hunderte Menschen im deutschsprachigen Raum könnten von den Betrügern um ihr Geld gebracht worden sein. Gegen vier Männer seien Haftbefehle ergangen, teilte die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg am Montag mit.
| dpa
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Ein Blaulicht der Polizei leuchtet auf.
Ein Blaulicht der Polizei leuchtet auf. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild
Bamberg/Sofia

Die Anleger kamen nach Angaben der Zentralstelle über seriös und professionell aussehende Webseiten mit den Betrügern in Kontakt. Per Telefon und E-Mail wurden ihnen angebliche Investments etwa in Kryptowährungen schmackhaft gemacht. Mit gefälschten Angaben gaukelten die Betrüger große Gewinne vor. Das Geld der Betrogenen wurde aber nie investiert, sondern floss nach Ermittlerangaben in die Taschen der Täter.

"Man soll herausfinden, wovor er Angst hat! Man soll Vertrauen aufbauen!" Solche mit der Hand auf Poster geschriebene Ratschläge für die "Trading-Experten" in dem Betrüger-Callcenter zeigten, wie systematisch die Täter ihre Kunden zu überzeugen versuchten. Für verschiedene Szenarien - etwa das der potenzielle Anleger angab, "kein Geld" oder "keine Zeit" zu haben - gab es Gesprächsanleitungen, wie Fotos der Ermittler zeigten. Außerdem habe eine aktuelle Rangliste existiert, welcher Täter wie viel Geld erbeuten konnte. "Es geht nicht darum, nett und höflich zu sein, es geht darum, Geld zu nehmen", stand auf Englisch auf einem Zettel an einem Monitor.

Anleger im deutschsprachigen Raum hätten auf diese Weise mehrere Millionen Euro verloren. Den Ermittlern zufolge sind rund 50 Geschädigte in Bayern bekannt. Allein bei einem Geschädigten aus dem Landkreis Ansbach sei eine sechsstellige Summe erbeutet worden. Deutschlandweit dürfte es demnach einige Hundert Geschädigte geben.

30 bis 40 Personen waren laut der Zentralstelle zum Zeitpunkt des Zugriffs vor etwa zwei Wochen in dem Callcenter in Sofia. Es liefen weitere Ermittlungen, hieß es. Die vier festgenommenen mutmaßlichen Hauptakteure sollen nach Deutschland ausgeliefert werden.

Einige der Betrugs-Websiten sind im Internet noch aufrufbar. Man bemühe sich, sie vom Netz nehmen zu lassen, sagte ein ZCB-Sprecher. Die ZCB arbeitet immer wieder mit ausländischen Behörden zusammen und hatte in der Vergangenheit schon im Kosovo, in Belgrad und in der Ukraine zugeschlagen.

© dpa-infocom, dpa:210809-99-777878/2

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