Atomkraftgegner attackieren 1. FCN

Die internationale Ärzte-Organisation IPPNW, Greenpeace und die Stadtrats-Grünen fordern eine Ende des Sponsorings durch den Atomkraft-Konzern. Manager Martin Bader indes hält sich bedeckt...
von  dpa
Noch prangt das Areva-Logo auf dem Trikot von Club-Star Mehmet Ekici - geht es nach den AKW-Gegnern, soll sich der FCN einen anderen Sponsor suchen.
Noch prangt das Areva-Logo auf dem Trikot von Club-Star Mehmet Ekici - geht es nach den AKW-Gegnern, soll sich der FCN einen anderen Sponsor suchen. © Zink

 

NÜRNBERG Der 1. FC Nürnberg wird wegen seines Hauptsponsors von Atomkraftgegnern attackiert. „Wir erwarten, dass der Vorstand sich der öffentlichen Diskussion stellt“, sagte Helmut Rießbeck von der Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung von Atomkrieg) am Donnerstag in Nürnberg.

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung solle die Zusammenarbeit mit dem französisch-deutschen Atomkonzern Areva NP kritisch überprüft werden, forderten IPPNW-Vertreter, die Grünen im Nürnberger Stadtrat und das Bündnis „Aktiv für Menschenrechte“.

Dem Vereinsvorstand ging auch ein offener Brief von Atomkraftgegnern zu. Greenpeace und andere Organisationen fordern den „Club“ dazu auf, sich einen neuen Hauptsponsor zu suchen. Areva NP stehe für Kernkraft, damit ergreife der Fußballverein in der Debatte um die Atomkraft Partei. „Wir fänden es sehr schade, wenn der 1. FC Nürnberg sein positives Image verlieren würde“, heißt es. Kernkraftgegner hatten in der Vorwoche auch eine Mahnwache vor der Geschäftsstelle des 1. FCN organisiert.

Heißes Thema Sponsoring

Der „Club“ hält sich bedeckt. Man sehe keinen Grund, die Zusammenarbeit mit Areva zu überdenken, lässt Sportdirektor Martin Bader verlauten. Gleichwohl habe man Verständnis für die Sorgen und Ängste der Menschen, teilte eine Sprecherin mit. Aber: „Areva hat sich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht. Unser Vertrag mit Areva läuft bis zum Jahre 2012, die Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor ist hervorragend.“

Dabei ist Areva nicht das einzige Sponsorenthema, das Fans und Sympathisanten in dieser Spielzeit umtreibt: Vor einigen Monaten starteten Sprachwahrer und Fans eine Kampagne gegen den Stadionnamen „easyCredit-Arena“ – und hatten Erfolg. Die Teambank, die die Namensrechte am Stadion erworben hatte und damit ihr Finanzprodukt bewerben wollte, zieht sich spätestens im Juli 2012 zurück. Nun muss ein neuer Name für das einstige Frankenstadion her – denn auf die Vermarktungseinnahmen sind Stadionbetreiber und Stadt dringend angewiesen.

Obwohl der Wirtschaftsraum Nürnberg etliche große und erfolgreiche Unternehmen vorweisen kann, ist die Sponsorensuche hier für den Spitzensport kein leichtes Unterfangen: Die Herzogenauracher Sportartikelkonzerne Adidas und Puma sehen sich eher als Ausrüster denn als Sponsoren und agieren längst global. Für den Weltkonzern Siemens (Erlangen) dürfte ein Schriftzug auf den Trikots eines mittelklassigen Bundesligisten zu provinziell sein. Der Autozulieferer Schaeffler engagiert sich lieber beim FC Bayern München, die Versicherungsgruppe Ergo Direkt wirbt auf der Brust der SpVgg Greuther Fürth.

Der FCN war sichtlich froh, als sich Areva 2008 bereiterklärte, als neuer Hauptsponsor aufzutreten. In dieser Saison flossen dafür 2,8 Millionen Euro. Areva NP, ein Tochterunternehmen des französischen Atomkonzerns Areva und Siemens, engagiert sich aber auch in anderen Bereichen: Ob das Theater Erlangen, die Erlanger Kulturstiftung oder das Poetenfest – Areva unterstützt ebenso die Kultur in Mittelfranken. Auch hier wollen die Atomkraftgegner bald das Gespräch suchen.