Atomendlager-Suche: Niedersachsen kritisiert "Affront"

Das offensichtliche Ausscheren Bayerns in der Frage der Atomendlager-Suche hat Niedersachsens Landesregierung in Harnisch gebracht. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe deutlich gemacht, es sei nicht akzeptabel, dass "Bayern sich aus der Verantwortung stiehlt", sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in Hannover. Bayern habe mehr als andere Bundesländer von Atomkraft profitiert. Die niedersächsische Landesregierung gehe bei der Suche von einer "weißen Landkarte" aus - ohne Vorfestlegungen. Man weise den "Affront" aus Bayern zurück, das Land sei mit in der Pflicht, sich um den Atommüll zu kümmern.
| dpa
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Anke Pörksen, Regierungssprecherin von Niedersachsen.
Anke Pörksen, Regierungssprecherin von Niedersachsen. © Holger Hollemann/dpa/Archivbild
Hannover

Kurz vor der Veröffentlichung erster Ergebnisse der Suche hatte Bayern das seit 2017 laufende Verfahren grundsätzlich infrage gestellt. Mit Gorleben gebe es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem "Spiegel".

Auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte die Äußerungen aus Bayern. "Unverantwortlich, dass Bayern schon jetzt aus dem Konsens aller Bundesländer ausschert, ergebnisoffen nach einem Atom-Endlager zu suchen", sagte Lies. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) solle diesen "plumpen Versuch" seines Umweltministers unterbinden.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung sucht seit 2017 einen Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten. Die bundesweite Erkundung hatte angesichts des jahrzehntelangen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort Gorleben begonnen. Am 28. September sollen in Berlin geeignete Teilgebiete für ein Endlager benannt werden.

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