Toter Theatermann: Stricher vor Gericht

Mit einem Stromkabel erdrosselt: Junger Türke wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Das Motiv ist weiter unklar
von  Abendzeitung

Mit einem Stromkabel erdrosselt: Junger Türke wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Das Motiv ist weiter unklar

NÜRNBERG Es geschah genau vor einem Jahr: Der ehemalige Realschullehrer Heiner E. (58†), Mitbegründer der renommierten „Pocket Opera Company“ (POC), wurde von einem Strichjungen (damals 19) im Schlaf erdrosselt. Der geständige Täter Yalcin A. muss sich ab kommenden Donnerstag wegen heimtückischen Mordes vor der Nürnberger Jugendkammer verantworten.

Mörder war bei der Polizei bekannt

Was ihn zu der Tat trieb, blieb offen. Der junge Türke, selbst angeblich nicht schwul, soll den fast 40 Jahre älteren Pädagogen und Theatermann eher als väterlichen Freund gesehen haben – und seine Wohnung in der Bleichstraße (Stadtteil Rosenau) als Fluchtpunkt, wenn es wieder Zoff daheim gab.

Der Arbeitslose hatte offenbar keine Zukunftsperspektiven. Wegen Drogenbesitzes und Gewaltdelikten war er bei der Polizei bekannt. Er soll Vater und Mutter verprügelt haben, wenn sie ihm Vorhaltungen über seinen Lebensstil machten. Drei Tage nach der Tat wurde Yalcin A. in deren Wohnung in Sündersbühl festgenommen, gestand beiläufig das Tötungsdelikt. Nur beim Motiv hielt er sich bedeckt.

Brauchte er dringend Geld, als er Heiner E. am Abend des 12. Januar 2008 aufsuchte? Nachdem er den tief schlafenden Mann mit einem herumliegenden Verlängerungskabel erdrosselt hatte, verschwand Yalcin A. mit Handy, Geldbeutel und Schlüsselbund seines Opfers. Die Leiche wurde erst zwei Tage später entdeckt.

Neigung zu Schnaps und jungen Männern

Nur ein Jahr vor seinem gewaltsamen Tod war der Beamte vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden – wegen Depressionen und Alkoholproblemen. Da hatte sich seine Ehefrau bereits von ihm scheiden lassen. Grund: Seine Neigung zu Schnaps und jungen Männern.

Für den Mordprozess sind nun fünf Verhandlungstage angesetzt. 26 Zeugen und zwei Sachverständige sollen Licht ins Dunkel bringen. Vom psychiatrischen Gutachten hängt es auch ab, ob Yalcin A. bei der Verurteilung noch als Jugendlicher (Höchststrafe zehn Jahre) oder Erwachsener (Höchststrafe lebenslange Haft) eingestuft wird. cis