Krampfadern: Nicht nur unschön – auch gefährlich!

Hitze treibt vielen das Wasser in die Glieder. Venenleiden machen sich oft lange nicht bemerkbar.
von  Abendzeitung
Dr. Michael Klein, Gefäßchirurg am Klinikum Nürnberg Süd.
Dr. Michael Klein, Gefäßchirurg am Klinikum Nürnberg Süd. © privat

Hitze treibt vielen das Wasser in die Glieder. Venenleiden machen sich oft lange nicht bemerkbar.

NÜRNBERG Eine Plagerei: Als Verkäuferin muss Marion Seidler* (41) den ganzen Tag hin- und herrennen. Die Beine mal auszustrecken oder zur Entlastung gar hochzulegen, ist nicht drin. Gerade im Sommer setzt der 41-Jährigen das ewige Stehen ganz schön zu. Abends geht sie dann endgültig in die Knie: Zuhause quält sie sich aus den Schuhen, die mittlerweile eng um die Füße spannen; die Beine fühlen sich zentnerschwer an und sind geschwollen.

„Wasser in den Beinen ist eine typische Sommerlast“, erklärt Dr. Michael Klein, Gefäßchirurg am Klinikum Nürnberg Süd. Der Grund: Bei Hitze weiten sich die Gefäße. Das Blut fließt nicht mehr so gut zurück zum Herzen, es sammelt sich in den Beinen. Wird der Druck dort zu groß, tritt Flüssigkeit aus.

„Kein Grund zur Sorge besteht, wenn das Schweregefühl schnell wieder verfliegt“, beruhigt Dr. Jörg Zajitschek, Oberarzt in der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen. „Dauern die Beschwerden allerdings länger an, könnte eine Venenkrankheit dahinterstecken, die nicht immer zu unterschätzen ist!“

Jeder vierte Deutsche leidet heute an einem echten Venenleiden, unschöne Krampfadern und Besenreiser sind weit verbreitet. Dr. Michael Klein: „Venenleiden sind eine Volkskrankheit, seitdem der Mensch den aufrechten Gang übt.“ Seither müssen die Venen in den Beinen Schwerstarbeit leisten (siehe Kasten).

Das Tückische: Krampfadern und Besenreiser machen oft keinerlei Beschwerden. Sie können jedoch eine Vorstufe zu gefährlichen Erkrankungen sein. Dr. Zajitschek: „Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen schreitet das Venenleiden innerhalb von sechs Jahren fort.“ Im schlimmsten Fall drohen offene Beine – und sogar Blutgerinnsel, die lebensgefährlich sein können.

Was sind die Symptome? Schwere und geschwollene Beine am Abend sind typische Anzeichen. Besenreiser können ein Hinweis auf eine Veranlagung sein. Dr. Zajitschek rät: „Um Schlimmeres auszuschließen, sollten die Venen mit Ultraschall untersucht werden.“ Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich rötlich-braune Stellen auf der Haut. Diese Stellen können der Anfang von Beingeschwüren sein.

Die Ursachen: In 90 Prozent der Fälle liegt eine Veranlagung vor. Bei Wasser in den Beinen müssen auch schwere Herz- oder Nierenkrankheiten ausgeschlossen werden.

Wann zum Arzt? Dr. Michael Klein: „Der Übergang zwischen harmlosen und krankhaften Venenleiden, kann fließend sein.“ Daher ist Vorsicht oft besser als Nachsicht! Halten Beschwerden mehrere Wochen an, sollte ein Venenspezialist (Phlebologe) aufgesucht werden. Das kann sowohl ein Gefäßchirurg als auch ein Dermatologe sein.

Wie behandeln? Kompressionsstrümpfe sind die einfachste Methode. „Die halten das Fortschreiten des Leidens nur nicht wirklich auf“, so Dr. Jörg Zajitschek. Oft ist deshalb eine Venen-OP nötig, bei der krankhafte Teile entfernt oder verschlossen werden.

Wie vorbeugen? Wer von seiner Veranlagung weiß, sollte seine Beine besonders pfleglich behandeln: langes Sitzen oder Stehen so gut wie möglich vermeiden; Beine nicht überkreuzen und oft hochlegen; Wechselduschen; Ausdauersport betreiben wie Radfahren oder Walking. Dr. Zajitschek: „Schwimmen ist sehr gut, denn Wasser hat eine natürliche Druckwirkung auf die Beine.“

*Name geändert mp