Allianz: Steigendes Klagerisiko für Manager wegen Corona

Vom Chefsessel ins Gericht: Manager laufen seit Jahren steigende Gefahr, verklagt zu werden - von Kunden, Geschäftspartnern, Investoren, politischen Initiativen oder den eigenen Aufsichtsräten. Laut Allianz macht Corona die Lage für leitende Angestellte noch unerfreulicher.
| dpa
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Logo und Schriftzug der Allianz.
Logo und Schriftzug der Allianz. © Andreas Gebert/dpa/Archivbild
Unterföhring

Vom Chefsessel ins Gericht: Die Corona-Pandemie wird nach Einschätzung der Allianz das Klagerisiko für Geschäftsführer und Vorstände weiter erhöhen. Hauptgrund ist die erwartete weltweite Insolvenzwelle, wie die Fachleute des Allianz-Industrieversicherers AGCS in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse argumentieren. Insolvenzen sind demnach historisch einer der Hauptauslöser für Klagen gegen leitende Angestellte. Denn Insolvenzverwalter versuchen häufig, bei den Unternehmensleitungen Geld für die Gläubiger einzutreiben.

Der ebenfalls zur Allianz gehörende Kreditversicherer Euler Hermes erwartet bis Ende 2021 global einen Anstieg der Insolvenzen um mehr als ein Drittel. "Die Auswirkungen des allmählichen Auslaufens von politischen Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen bereitet uns Sorge", sagte AGCS-Manager Stephan Geis laut Mitteilung.

In Deutschland sind Unternehmen wegen der Pandemie noch bis Ende Januar von der Pflicht ausgenommen, bei Überschuldung Insolvenzantrag zu stellen, sodass Ökonomen mit einem anschließenden Anstieg der Unternehmenspleiten rechnen.

Mittelbar ist die Pandemie laut AGCS auch in einer zweiten Hinsicht ein Haftungsrisiko für Manager: Da die Zahl der Hackerangriffe in diesem Jahr stark gestiegen ist, müssen leitende Angestellte demnach vermehrt fürchten, wegen mangelnder Vorkehrungen gegen Cyberattacken verklagt zu werden. Viele Menschen arbeiten derzeit im Homeoffice, in Heimbüros sind Rechner aber üblicherweise nicht hinter ähnlich aufwendigen Firewalls versteckt wie in Firmennetzwerken. Zudem führen bei börsennotierten Unternehmen bekannt gewordene Hackerattacken häufig zu sinkenden Aktienkursen; vor allem in den USA reichen wütende Aktionäre in solchen Fällen häufig Klage ein.

Zum Rechtsrisiko für leitende Manager entwickelt sich laut AGCS aber auch politischer Aktivismus von "Black Lives Matter" bis zum Klimaschutz. Die Münchner Versicherung verweist auf mehrere Klagen gegen US-Unternehmen wie Facebook oder Oracle, die mit dem Vorwurf mangelnden Einsatzes für die Diversität konfrontiert sind.

Derartige Klagen sind demnach aber keineswegs auf die USA beschränkt, außerdem werden in den Vereinigten Staaten auch ausländische Unternehmen regelmäßig verklagt. "Soziale Gerechtigkeitsproteste, aktivistische Investorenkampagnen oder Geldwäschevorwürfe haben alle das Potenzial, Rechtsstreitigkeiten auszulösen, ebenso wie einzelne Katastrophenereignisse wie ein Flugzeugabsturz oder Waldbrände", sagte Geis dazu.

Die Allianz-Tochter ist einer der großen Anbieter von Manager-Haftpflichtversicherungen, in der Assekuranz allgemein "D&O" (Directors & Officers) genannt. D&O-Policen waren in den vergangenen Jahren ein teures Geschäft für die Versicherungsbranche: Einerseits sanken die Preise, andererseits stiegen die Schäden. Mittlerweile haben sich einige Versicherer ganz oder weitgehend aus dem D&O-Geschäft zurückgezogen, sodass die Policen für die Firmenkunden wieder teurer werden. Die Allianz ist in diesem Bereich selbst gebeutelt, will jedoch weiter D&O-Policen anbieten.

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