40 Jahre "Menschen für Menschen": Nothilfe für Tigray

Die Äthiopien-Stiftung von Karlheinz Böhm feiert 40. Geburtstag. Wie alles begann, wo gerade Hilfe nötig ist und welche Aktionen es gibt.
| Rosemarie Vielreicher
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Der Schauspieler Karlheinz Böhm steht am Rande der Eröffnung eines Ausbildungszentrums.
Der Schauspieler Karlheinz Böhm steht am Rande der Eröffnung eines Ausbildungszentrums. © Jörg Carstensen/dpa/archivbild

München - Wer Sissi hört, denkt automatisch an Franz. Und dann sofort an Karlheinz Böhm. Seine Paraderolle. Genauso untrennbar wie Sissi und ihr Franz gehört der Schauspieler († 86) mit seiner Äthiopien-Hilfe "Menschen für Menschen" zusammen. Seine Lebensrolle.

Seine Stiftung feiert nun 40. Geburtstag. Nicht kurz und einmalig, sondern mit 40 Aktionen in zehn Wochen. Aber: "Wie feiert man einen Geburtstag in Zeiten von Corona?", fragt Sebastian Brandis gestern zurecht. Er ist der Vorstandssprecher der Stiftung. Vieles wird online laufen, oder hybrid – also virtuell und teils vor Ort. Die Höhepunkte: Am 20. November wird in München erst der Karlheinz-Böhm-Preis verliehen und am Abend moderiert Dunja Hayali eine Spendengala in der Muffathalle.

Keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe

Aber zurück zu den Wurzeln und damit zu zwei Worten: "Wetten, dass ...?!" Karlheinz Böhm wettet 1981 in der ZDF-Show, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark spenden wird. Er behält zwar recht, aber es kommen 1,2 Millionen D-Mark zusammen. Was für ein Gewinn für den Kontinent. Böhm will nach Afrika reisen, zuhören, anpacken.

Die Botschaft in Äthiopien sei damals die erste gewesen, die sich auf Böhms Anfrage hin gemeldet habe, erzählt Brandis gestern beim Pressegespräch. Zufall und Glücksfall. Karlheinz Böhm reist im Oktober 1981 in ein Flüchtlingslager in der Nähe von Babile. "Er hat einfach zugehört und gefragt: Was braucht ihr?" Auf Augenhöhe.

Das ist auch heute noch das Motto der Stiftung: keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung. Deswegen sei die Stiftung mit rund 600 äthiopischen Mitarbeitern und nur 20 in Deutschland eigentlich eine äthiopische Initiative mit Sitz in Deutschland, so Brandis.

Auch die Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Faktor

Was heutzutage mit Spendengeldern erreicht werden kann, rechnet die Stiftung beispielhaft vor: Für 65 Euro lassen sich eine Schulbank mit Tisch bezahlen, für 200 Euro bekommt man 100 Baumsetzlinge, ein Handpumpbrunnen kostet rund 2.500 Euro.

Neben Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist auch Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor – am Beispiel Bildung: Erst baute die Stiftung Grundschulen. Dann Hauptschulen. Gymnasien. Berufsschulen.

Der größte Erfolg sei aber nicht so sehr die Zahl der Schulen oder Wasserstellen. Sondern wenn die Mitglieder der Stiftung Jahrzehnte später noch Menschen treffen, die sagen: Ihr habt wirklich etwas erreicht. Als Beispiel nennt Brandis die Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung in den 90er Jahren. 1998 konnte ein Gesetz gegen diese grausame Tradition verabschiedet werden.

Die Situation um die Region Tigray bringt neue Not nach Äthiopien

Trotz der Feierlichkeiten zum Jubiläum ist – leider – auch klar: Die Situation um die Region Tigray bringt neue Not nach Äthiopien. Auch Mitarbeiter der Stiftung hätten schon Geschwister verloren, so Brandis. Man plane nun ein Nothilfeprogramm in der angrenzenden Region Amhara, in der sich viele Flüchtlinge aus Tigray aufhalten. Das Programm soll wachsen – sobald möglich.

Dazu kommt die Pandemie, die die Regierung zwar früh mit einem Lockdown bekämpft hat. Doch in den neun langen Monaten ohne Schule mussten viele Mädchen früh heiraten.

Es gibt also noch viel zu tun. "Wir bleiben, solange wir gebraucht werden", zitiert Brandis den Gründer Böhm gestern. Wetten, dass...?!


Spendenkonto:
Menschen für Menschen
Stadtsparkasse München
IBAN:DE64 7015 0000 0018 1800 18
BIC: SSKMDEMM

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