150 Rinder verendet: Vorwürfe gegen Landwirt

150 Rinder sterben qualvoll in einem Mastbetrieb. Die Polizei verdächtigt den Landwirt, die Tiere vernachlässigt zu haben. Wieso bemerkte das niemand?
| dpa
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Außenansicht eines Mastbetriebes, in dem 150 Rinder verendeten.
Außenansicht eines Mastbetriebes, in dem 150 Rinder verendeten. © Daniel Karmann/dpa
Rothenburg ob der Tauber

Qualvoll sind etwa 150 Rinder im Stall eines Mastbetriebs verendet. Die Polizei verdächtigt den Landwirt, sich nicht ordentlich um die Tiere gekümmert zu haben.

"Wir gehen davon aus, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum nicht versorgt wurden", sagte Michael Petzold vom Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg am Dienstag. "Fakt ist, dass die Tiere extrem vernachlässigt waren."

Die Polizei ermittelt gegen den Landwirt im Umland von Rothenburg ob der Tauber wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) reagierte entsetzt auf den Tod der Rinder. "Ich bin fassungslos, dass so etwas passieren kann", teilte sie mit. "Der Vorgang muss umfassend aufgeklärt und hier ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden."

Auch die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag fordert angesichts dieses neuen Falls bessere und gezieltere Kontrollen, um solche Missstände bei der Tierhaltung zu verhindern. "Das beweist, dass die Staatsregierung noch immer nicht gut genug kontrolliert, obwohl mittlerweile jährlich ein Skandal dieses Ausmaßes auftritt", teilte die agrarpolitische Sprecherin Ruth Müller mit. Das zuständige Umweltministerium in München äußerte sich trotz Nachfrage bis zum frühen Nachmittag nicht.

Die Polizei hatte am Pfingstsonntag einen anonymen Hinweis bekommen und den Hof kontrolliert. Im Stall bot sich den Beatmen ein erschreckender Anblick: Zwischen den vielen toten Rindern befanden sich auch noch etwa 50 lebende. Man versuche nun, diese wieder aufzupäppeln, sagte Petzold. Diese seien aber in einem desolaten Zustand. Es sei deshalb nicht ausgeschlossen, dass weitere sterben.

Wieso das Elend der Rinder erst jetzt bekannt wurde, war zunächst unklar. Der Mastbetrieb liegt in einer dünn besiedelten Region, die stark ländlich geprägt ist. Wieso und wie lange die Rinder schon vernachlässigt wurden, wollen die Ermittler jetzt klären.

Dabei arbeiten sie mit der Staatsanwaltschaft, dem zuständigen Landratsamt in Ansbach und dem Veterinäramt zusammen. Nach Angaben des Landratsamtes waren am Dienstag noch Mitarbeiter vom Veterinäramt auf dem Hof.

Erst im vergangenen Jahr hatten Videoaufnahmen von misshandelten Kühen viele Menschen in Bayern erschüttert. Die Aufnahmen lösten den sogenannten Allgäuer Tierschutz-Skandal aus. Zu sehen war dort unter anderem, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden.

Mehrere Höfe aus dem Allgäu gerieten daraufhin in den Fokus von Kontrollbehörden und Ermittlern. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Verantwortliche mehrerer Betriebe und erhob erste Anklagen. Die Prozesse haben allerdings noch nicht begonnen.

© dpa-infocom, dpa:210525-99-736288/3

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