Virus und Ölpreiscrash: Panik am deutschen Aktienmarkt

Schwarzer Montag am deutschen Aktienmarkt: Panikartig sind die Anleger zu Wochenbeginn wegen wachsender Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges in sicherere Häfen geflüchtet.
von  dpa
Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland.
Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. © Fredrik von Erichsen/dpa/dpa

Frankfurt/Main - Schwarzer Montag am deutschen Aktienmarkt: Panikartig sind die Anleger zu Wochenbeginn wegen wachsender Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges in sicherere Häfen geflüchtet.

Die Aktienkurse sackten unmittelbar nach dem Handelsstart ab. In wenigen Minuten raste der Dax fast 1000 Punkte abwärts. Die Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit fast weg. Am Ölmarkt waren am Morgen die Preise zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Zum US-Börsenstart am Nachmittag fiel der deutsche Leitindex kurzzeitig unter die Marke von 10 600 Punkten und stand zuletzt dann mit 8,31 Prozent auf 10 582,77 Punkte im Minus. "Der heutige Handelstag dürfte in die Geschichtsbücher eingehen", konstatierte ein Marktbeobachter.

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel ging zuletzt um 6,30 Prozent auf Talfahrt und stand damit bei 23 191,99 Punkten. Auch europaweit gerieten die Aktienmärkte - wie zuvor bereits in Asien - stark unter Druck. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte am Nachmittag um 8,27 Prozent ab. Der Dow Jones Industrial startete mit einem minus von mehr als 6 Prozent in die amerikanische Sommerzeit, bevor er kurze Zeit später vom Handel ausgesetzt wurde.

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem "regelrechten Blutbad". Zum Kampf gegen das neuartige Coronavirus und die Rezessionssorgen komme jetzt noch der Ölpreiskrieg dazu. "Die Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat." Zuflucht suchten sie etwa in Staatsanleihen und bestimmten Währungen.

So stiegen am deutschen Rentenmarkt die Kurse der Bundeswertpapiere deutlich, während die Renditen entsprechend heftig in den Keller rauschten: Die Umlaufrendite sackte auf ein Rekordtief von minus 0,82 Prozent, nach minus 0,71 Prozent am Freitag. Der Rentenindex Rex stieg deutlich um 0,40 Prozent auf 147,49 Punkte. Der Bund-Future (Juni-Kontrakt) sprang um 1,59 Prozent auf 179,10 Punkte hoch.

Der Euro legte ebenfalls stark zu und wurde am Nachmittag mit 1,1470 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1336 (Donnerstag: 1,1187) Dollar festgesetzt.

Mit Panik reagierten die Anleger einerseits auf die zunehmende Infektionswelle durch das neuartige Coronavirus und die Sterberate. In Europa stieg vor allem im besonders stark betroffenen Italien die Zahl der Todesfälle sprunghaft an. Große Teile Norditaliens sind inzwischen abgeriegelt. Rein und raus darf man nur noch im Notfall oder aus Arbeitsgründen. Andererseits schockierte, dass nach den gescheiterten Verhandlungen von Ölförderstaaten am Freitag nun der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge eskaliert. Angeblich erwägt Saudi-Arabien, seine Fördermenge in den kommenden Monaten zu erhöhen, was dann womöglich auch Russland zu einer ähnlichen Aktion bewegen könnte.

Nachrichten zu einzelnen Unternehmen oder Bilanzen spielten angesichts des Ausverkaufs an den weltweiten Börsen so gut wie keine Rolle. "Alles wird vom Crash überschattet", sagte ein Händler. In der Dax-Familie gab es auch zur Mittagszeit keine Gewinner.

Besonders schwere Verluste erlitten erneut die Aktien der Deutschen Bank. Sie sackten bei 5,61 Euro auf ein Rekordtief und büßten zuletzt rund 15 Prozent auf 5,75 Euro ein. Den Aktien der Commerzbank erging es im MDax nicht besser. Auch sie erreichten ein Rekordtief bei aktuell 3,704 Euro, was ein Minus von knapp 14 Prozent war. Die Aussicht auf noch tiefere Zinsen belastet die Bankenbranche. Zudem steigt das Risiko von Kreditausfällen, und das nicht nur wegen einer möglichen virusbedingten Rezession.

Steil abwärts ging es auch für die konjunktursensiblen Papiere der Autobranche. Der bereits durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie den Wandel in Richtung Elektromobilität schwer gebeutelte Sektor beschleunigte seine Talfahrt am Nachmittag und sackte um 10 Prozent ab. Im Dax ging es für die Anteile von Daimler um etwas mehr als 13 Prozent abwärts. VW folgten mit minus 10,3 Prozent, Continental gaben 8,1 Prozent ab und BMW knapp 10 Prozent.

Die Papiere der bereits schwer von der Virus-Epidemie betroffenen Lufthansa büßten 7,1 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2016. Die Fluggesellschaft hatte am Freitag bereits mitgeteilt, dass sie wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie in den nächsten Wochen die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert.