Helden sind leider an vielen Orten nötig

Unser Kolumnist erinnert an eine junge Ärztin aus Mexiko, die gegen das organisierte Verbrechen kämpfte
| Bruno Reichart
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Unser Kolumnist erinnert an eine junge Ärztin aus Mexiko, die gegen das organisierte Verbrechen kämpfte

Vor 70 Jahren starben Hans und Sophie Scholl, die jungen Münchner Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Der Medizinstudent und seine Schwester wurden nach der Verteilung von Flugblättern in der Münchner Universität hingerichtet. Jedes Mal, wenn ich durch den Lichthof der LMU gehe, denke ich an die beiden und schaue hinauf zu dem Platz, von denen sie ihren Aufruf zum Kampf gegen das totalitäre System verteilten. Hans und Sophie Scholl hatten keine reale Chance, aber sie gaben mit ihrer Entschlossenheit ein Beispiel, das nicht umsonst war.

Es ist traurig, dass man auch heute noch Helden benötigt, an vielen Orten unserer Welt. Vor drei Monaten wurde in Mexiko eine junge Ärztin tot aufgefunden. Dr. Maria de los Santos Gorrostieta Salazar wurde nur 36 Jahre alt, sie war Bürgermeisterin in einer Kleinstadt in einem der vielen Gebiete des Landes, in denen die Drogenkartelle die Macht übernommen haben. In den Jahren 2008 bis 2011 kämpfte sie in ihrem Amt gegen die Verfilzung von Politik, Polizei und Banden und arbeitete dabei unermüdlich, um das Leben ihrer Mitbürger zu verbessern.

Im Januar 2009 überlebte sie schwerverletzt ein Attentat, bei dem ihr Mann ums Leben kam. Drei Monate später wurde sie wieder überfallen. Gerüchte wurden gestreut, es habe gar keine Attentate gegeben. Sie antwortete darauf mit der Veröffentlichung eines Fotos ihres geschundenen Körpers, deutlich war darauf auch der Beutel ihres künstlichen Darmausgangs zu sehen. „Ich werde nicht aufgeben“, schrieb sie dazu. „Ich will ein Beispiel für meine drei Kinder sein.“

Maria wurde von ihrer Partei fallen gelassen, verlor ihren Personenschutz und überlebte ein drittes Attentat nicht.  Mehr als 60 000 Menschen sind in dem mexikanischen Bürgerkrieg um die Drogenkartelle in den letzten sechs Jahren umgekommen. Möge das Beispiel der tapferen Ärztin helfen, den Irrsinn zu beenden.

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