Ende der Isolation: Neue Bewährungsprobe für DFL-Konzept

Der Ball rollt wieder in der Bundesliga - und das sogar ohne größere Probleme. Die Milliardenbranche darf sich über den geglückten Neustart freuen, aber nicht übermütig werden. Denn die Corona-Krise bedroht weiter das fragile Gebilde.
| dpa
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Horst Seehofer (CSU) ist als Bundesinnenminister auch für den Sport zuständig.
Hannibal Hanschke/Pool/Reuters/dpa/dpa Horst Seehofer (CSU) ist als Bundesinnenminister auch für den Sport zuständig.

Frankfurt/Main - Der weltweit viel beachtete Neustart ist geglückt - doch am Ziel ist der deutsche Profifußball nach dem ersten Geister-Spieltag der Bundesliga-Geschichte trotz des Lobes von höchster Stelle noch lange nicht.

"Dank des professionellen Verhaltens der Mannschaften und der Besonnenheit der Fans sehe ich das Sicherheitskonzept der DFL in beeindruckender Weise bestätigt", sagte der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer. Der CSU-Politiker stellte erleichtert fest: "Fußball-Freude und Infektionsschutz müssen sich nicht ausschließen."

Die kommenden Tage werden allerdings zu einem neuerlichen Härtetest für das Konzept der Deutschen Fußball Liga, stellt sich doch die Frage: Wie verantwortungsvoll gehen die Profis mit der wiedergewonnenen Freiheit nach dem Ende der einwöchigen Quarantäne um? Vor der Fortsetzung der Saison am vergangenen Wochenende hatten sich alle Mannschaften sieben Tage lang abgeschottet. Das Ergebnis: In dieser Zeit gab es keinen einzigen weiteren Corona-Fall.

Nun sind die Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionäre zu ihren Familien zurückgekehrt. Dadurch wird allen Beteiligten eine dauerhafte Isolation bis zum Saisonende erspart. Die Kehrseite: Das DFL-Konzept für den Notbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga steht erneut auf dem Prüfstand, die Gefahr eines Saisonabbruchs nimmt wieder zu.

Das wurde allen Beteiligten zuletzt durch die Corona-Fälle beim Zweitligisten Dynamo Dresden eindrücklich vor Augen geführt. Den Liga-Neustart mussten die Sachsen in häuslicher Quarantäne an den TV-Geräten verfolgen. Kommt es zu weiteren Spielverlegungen, steht der Saisonabschluss möglicherweise auf der Kippe.

DFL-Boss Christian Seifert hatte schon unmittelbar nach der Saison-Freigabe durch die Politik erläutert: "Das DFL-Konzept sieht Empfehlungen vor, wie man sich bestmöglich im häuslichen Alltag schützen kann. Aber wir können dem Einzelnen diese Verantwortung nicht abnehmen. Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er dieser Verantwortung gerecht wird. Wer das Virus nicht hat, kann es nicht übertragen. Also muss jeder sein Bestes tun, es erst gar nicht zu bekommen."

Durch die gesellschaftlichen Lockerungen - Schulen, Restaurants und Geschäfte haben wieder geöffnet - erhöht sich die Gefahr neuer Infektionen zusätzlich. Wie schnell es gehen kann, zeigte sich beim Chemnitzer FC: Der Drittligist bestätigte einen positiven Corona-Fall. Soll das fragile Gebilde nicht zum Einsturz kommen, ist also allerhöchste Disziplin gefragt - auch im persönlichen Umfeld der Spieler. Denn: "Jedem in der Liga muss klar sein, wir spielen auf Bewährung", sagte Seifert.

Vor allem die Politik schaut weiter ganz genau hin. So plädierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für klare Abstandsregeln beim Torjubel. Die Profis von Hertha BSC oder des Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden hatten sich bei ihren Siegen in Hoffenheim bzw. gegen den VfB Stuttgart nicht darum geschert. Die DFL hat dazu bisher nur eine Empfehlung an die Vereine gegeben, dies aber nicht im Konzept der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" festgeschrieben.

Abgesehen davon verlief der Spieltag nahezu reibungslos. Anteil daran hatten auch die Fans, die sich vorbildlich an die Vorgaben hielten und den Stadien fern blieben. "Ich muss den Fans ein dickes Lob aussprechen. Das war trotz aller verständlichen Emotionen echtes Fair Play", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU).

Sein Bremer Amtskollege Ulrich Mäurer ist dennoch weiter skeptisch. "Es ist erfreulich, dass sich die Fans an das Versammlungsverbot gehalten haben. Aber man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben", sagte der SPD-Politiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Reul ist optimistischer: "Das Wochenende hat gezeigt, dass sich in diesen schwierigen Zeiten Gesundheitsschutz und Fußballbegeisterung sehr wohl miteinander verbinden lassen."

Davon ist auch Seehofer überzeugt, der die Spiele "mit Begeisterung" am Fernseher verfolgt hatte. Für ihn steht fest: "Fußball gehört in Deutschland zur Kultur und unterstützt den Zusammenhalt in unserem Land."

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