Prozess gegen Waffenverkäufer "Der Amoklauf hätte verhindert werden können"

Der Angeklagte Philipp K. (m.) am Montag im Münchner Landgericht. Foto: Sven Hoppe/dpa

Zweiter Tag im Prozess um den Waffenverkäufer des Münchner Amoklaufs: Der Angeklagte vertraute sich knapp zwei Wochen nach dem Amoklauf anderen Kunden an und gab zu, Ali David S. die Glock verkauft zu haben.

München -  David S., der Amokläufer vom OEZ, hat möglicherweise auch einen Lkw-Anschlag verüben wollen. Das kam am Mittwoch überraschend beim Prozess gegen Philipp K. (32) wegen fahrlässiger Tötung und Waffendelikten ans Licht. Der Angeklagte hat David S. die Tatwaffe und Munition für den Amoklauf am OEZ verkauft.

Am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht verdichteten sich zudem die Hinweise, dass der Angeklagte rechtsextrem gesinnt ist.

Lkw-Anschlag

Fünf Tage nach dem Amoklauf in München verschickte das bayerische Landeskriminalamt (LKA) eine Warnmeldung an das LKA in Hessen. Zeuge Wolfgang W. (58), Leiter einer Ermittlungsgruppe im LKA Hessen, sagte vor Gericht: „In der Warnmeldung war die Rede davon, dass ein gewisser Bastian und ein gewisser David möglicherweise planen, einen Lkw-Anschlag in Frankfurt oder Offenbach zu begehen.“

Dies hatte die Auswertung von Chats des Amokläufers ergeben. Erst später kam heraus, dass Bastian und David S. dieselbe Person waren – der Amokläufer hatte schriftlich Selbstgespräche geführt. Ob er sich über einen Lkw-Anschlag auch mit dem Waffenverkäufer austauschte, ist unklar. Sicher ist, dass auf dem Handy von Philipp K. Fotos vom Ausweis des Nizza-Attentäters gefunden wurden.

Die Gesinnung von Philipp K.

Der zweite Verhandlungstag brachte weitere Hinweise auf die rechte Gesinnung des Waffenverkäufers. So sagte ein Zollfahnder aus Frankfurt aus, dass Philipp K. bereits als Schüler mit „Heil Hitler“ oder „Hitler lebt“ gegrüßt habe. Philipp K. benutzte auch übelste Beleidigungen wie „Niggeraffen“ und „Türkenratten“. Vor der Polizei behauptete er, er habe „nicht groß darüber nachgedacht“. Ein Video, auf dem er den Arm zum Hitlergruß hebt, spiegele keine rechte Gesinnung von ihm wieder. LKA-Ermittler Wolfgang W. sagte aus, der Verfassungsschutz und die Ermittler gegen politische Kriminalität rechts hätten keine Erkenntnisse über Philipp K. gehabt.

War Philipp K. eingeweiht?

Nach dem Amoklauf vertraute sich K. einem seiner Waffenkunden an. „Ich bin derjenige, der Maurächer (Pseudonym des Amokläufers) die Glock verkauft hat und deshalb bin ich gerade total paranoid.“ Er wolle erst Gras darüber wachsen lassen. „Bis ich mich noch mal in das Business rein bewege, bleibt es jetzt erst mal ruhig.“ Philipp K. kaufte, verkaufte oder tauschte seit 2013/14 mindestens 20 Waffen übers Darknet. Am Montag hatte er über seinen Anwalt mitgeteilt, er hätte sich seine Kunden genau angeschaut und vom Amoklauf in München nichts gewusst. Gestern belegte ein Chatverlauf etwas anderes. Philipp K. schrieb einem Kunden: „Was du mit den Waffen machst, ist deine Sache.“

Was weiß der ominöse Zeuge?

Nachmittags sagte ein Zeuge (34) aus, der wie seine Ex-Frau in dem Waffenforum im Darknet unterwegs war. Gegen ihn läuft noch ein Ermittlungsverfahren. Der Jurist sagte, er fürchte um sein Leben, wenn er auspacken würde. Seine Ex-Frau würde ihm mit Mord drohen. Der Mann behauptet, Zollfahnder, die bereits vor dem Amoklauf im Darknet ermittelten, hätten den Amoklauf von München verhindern können. Der Zeuge zeigte gestern drei Beamte wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen an, seine Ex-Frau sogar wegen Beihilfe zum Mord. Über den Befangenheitsantrag gegen das Gericht wurde bis Redaktionsschluss noch nicht entschieden. Am Donnerstag soll der Prozess weitergehen.

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