Aus diesen Zutaten hat Wolfgang „Wolfi“ Götz eine Bar gemixt. Nachtschwärmer kennen ihn aus dem Platzhirsch; jetzt hat er in der Pestalozzistraße seinen „Zum Wolf“ eröffnet

 In schummriges rotes Licht getaucht lehnen die Gäste am Tresen, beschwingter Blues in gedämpfter Lautstärke untermalt ihr Gequatsche. „Ich hab’s ganz gern, wenn ich meine Gäste noch verstehen kann“, sagt Wolf Götz. Nachtschwärmer kennen ihn aus dem Platzhirsch, dem Valentinstüberl oder dem M.C. Müller; nach langer Suche hat Wolfi, wie sie ihn nennen, eine eigene Location gefunden, die ehemalige „Teddy Bar“ in der Pestalozzistraße.

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Und mit Wolfgang Zeilnhofer-Rath alias DJ Balu und seiner Frau Corinna Götz das „Zum Wolf“ aufgemacht. „So wie der Laden jetzt ist, war er seit Jahren bei uns im Kopf“, sagt Wolfi. „Von überall, wo ich auf dem Erdball in einer Bar war, hab’ ich das Schönste mitgebracht.“ Die roten Asia-Lampions zum Beispiel, „die sind lässig und machen eine unheimlich gute Farbe im Gesicht“, sagt Wolfi.

Nichts, was man auf Anhieb mit einer Blues-Kneipe in Verbindung bringen würde, trotzdem harmonisch im Wohnzimmer-Ambiente. In den Regalen über dem Tresen stehen Weinflaschen neben Bildern und Büchern, moosgrün ist die Wand hinter der Bar, die Pfeiler am Tresen goldgemustert tapeziert, jeder freie Fleck ist mit Bildern von Blues-Größen behängt. Im hinteren Teil der Kneipe tummeln sich die Gäste auf Sitzecken wie in einem amerikanischen Diner.

Becks vom Fass und Löwenbräu aus gekühlten Steinkrügen serviert Wolfi, die Wein- und Champagnerkarte hat sein Bruder gemacht, gelernter Sommelier. Es gibt Longdrinks und Cocktails aller Art, gute Spirituosen und eine feine Auswahl an Whiskey, selbstverständlich – „das gehört zu einer Blues-Bar einfach dazu“. Gegen Hunger gibt’s Wurst oder Chips.

Am Wochenende legen DJ Balu oder Corinna Platten auf, bald soll es auch Live-Auftritte geben, Blues mit Kontrabass, Waschbrettl und Mundharmonika – „Hauptsache schmutzig“, sagt Götz.

An Silvester hat er aufgesperrt. Seitdem bevölkert ein wild durchgemixtes Publikum von Student bis Stenz, Tresenhocker bis Theaterbesucher, Biertrinker bis Bourbon-Kenner seine Kneipe. Die Atmosphäre ist entspannt und lässig, am Tresen kommen die Gäste leicht ins Gespräch. Wer unter sich bleiben möchte, verzieht sich am Tresen vorbei in den Dinerbereich, an die hinteren Tische im kleinen Separee.

Die beiden Wolfgangs sind meist da, „Wolfi ist der quirlige, ich eher der tapsige“, sagt DJ Balu. Dieser quirlige Wolfi macht die Stimmung, wetzt hin und her, reißt Scherze und derbe Sprüche und verliert dabei nie den Überblick. Gegenüber vom Tresen hat er sich ein Bergpanorama an die Wand gehängt, den Watzmann. „Ich hab’ gedacht, in nächster Zeit komm’ ich da nicht so oft rauf – dann schau’ ich wenigstens rein“, sagt Götz. „Hier drin möchte ich alt werden.“


Pestalozzistraße 22, Mo. bis Do. 18 – 1 Uhr, Fr./Sa. 18 – 2 Uhr, www.zumwolf.tumblr.com