„Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt Anwohner Robert Price, der auf die Apotheke angewiesen ist.

München - Freundlich sind die Mitarbeiter, kompetent, hilfsbereit – so schwärmt Robert Price von der Kapuziner- Apotheke in der Häberlstraße. „Das sind so nette Leute, sie haben uns immer sehr geholfen“, sagt der Rentner. „Schade, dass wir sie verlieren.“

Denn zum 15. März schließt die traditionsreiche Apotheke in der Nähe vom Goetheplatz. Die Besitzerin, Meryem Altuntas, war für ein Gespräch gestern nicht erreichbar. Eine Mitarbeiterin erklärte der AZ, dass man sich nicht äußern wolle zu den Gründen der Schließung. Die Kunden, für die diese Information relevant sei, werde man jeweils in einem persönlichen Gespräch informieren.

Dass diese Nachricht für viele von ihnen eine betrübliche sein wird, zeigt sich an Robert Price. „Für uns und viele andere hier in der Gegend ist das eine Katastrophe“, sagt er. Der gebürtige Engländer (74) und seine 78 Jahre alte Lebensgefährtin Inge Fottner-Oehlerking müssen öfters zur Apotheke – vor allem für sie ist es schwierig, weil sie schwer gehbehindert ist. „Von unserer Wohnung aus sind es 200 Meter dorthin. Sie schafft das schon, aber es dauert sehr lange und schmerzt sie.“

Es gibt zwar noch andere Apotheken in der Umgebung. Aber alle eben ein paar entscheidende hundert Meter weiter entfernt als diese, sagt Price. „Das ist sehr anstrengend für sie. Und da gibt es einige in der Nachbarschaft, die das gleiche Problem haben – die mit Rollator unterwegs sind oder Rollstuhl.“

„Für das Viertel und den Einzelnen ist das schon schlecht“

Besitzerin Meryem Altuntas hat Erfahrung im Apotheken-Geschäft: Noch vor einigen Jahren haben ihr in der Münchner City drei Apotheken gehört: die Goethe-Apotheke in der Goethestraße, die Landwehr-Apotheke in der Landwehrstraße und eben die Kapuziner-Apotheke. Die Filiale in der Landwehrstraße ist inzwischen geschlossen – laut Mitarbeitern, weil Altuntas mehr Zeit für die Familie haben wollte.

Und nun schließt eben auch bald die Kapuziner-Apotheke. In den vergangenen Jahren haben nicht nur in München, sondern in ganz Bayern mehr Apotheken dichtgemacht, als neu eröffnet haben oder von einem neuen Pächter übernommen wurden. In Bayern hat es laut dem Bayerischen Apothekerverband vor zwölf Jahren noch 3405 Apotheken gegeben, die aktuelle Zahl vom vergangenen Jahr ist 3247. In München waren Ende 2015 insgesamt 382 Apotheken gemeldet; 2013 waren es noch 393.

„Das sind keine riesigen Verluste. Und in einer vergleichsweise großen Stadt wie München ist die statistische Gesamtversorgungslage trotz dieser sinkenden Zahlen immer noch relativ gut“, sagt Thomas Metz vom Apothekerverband. Es werde hier nie einen Versorgungsnotstand geben. „Aber für das Viertel, in dem die Apotheke ist, die schließt, ist das unter Umständen schon schlecht. Für den Einzelnen bedeutet das längere Wege. Und der Großteil der Apothekenkunden sind nun mal ältere Menschen oder Menschen mit Kinderwagen.“

Die Gründe dafür sind laut Metz vielschichtig. Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) von 2011 habe aber für viele Apotheken einschneidende finanzielle Einbußen bedeutet, auch der demografische Wandel sei spürbar: Es gibt weniger Nachwuchs bei Apothekern – und Ärzten, was strukturell wichtig ist.

„Am liebsten wäre mir, wenn die Apotheke bleiben würde“, sagt Robert Price. „Vielleicht ja einfach mit einem neuen Besitzer. Darauf möchte ich aufmerksam machen – nicht nur für uns beide. Sondern für alle Menschen hier, die davon betroffen sind.“