Zu viel Baustelle im Gärtnerplatzviertel Das Café Forum macht nach 26 Jahren dicht

Anke und Martin Kolonko in ihrem Café Forum, das am Sonntag endgültig seine Türen zugemacht hat. Foto: Daniel von Loeper

Die beliebte Gastro-Institution sperrt nach 26 Jahren zu. Ein Grund dafür sind die Dauer-Baustellen im Gärtnerplatzviertel

Das Ende kam still und leise und ist ein Paukenschlag in der Münchner Gastronomie. Nach über einem Vierteljahrhundert wurde das beliebte Café Forum im Gärtnerplatzviertel geschlossen.

Die Münchner Gastro-Szene verliert eine (weitere) Institution. Für die unzähligen Stammgäste bedeutet das Aus den Verlust ihres zweiten Wohnzimmers, das eigentlich eine lässig-schicke Drei-Zimmer-Wohnung ist, beziehungsweise bis gestern war.

Einst war das Forum einzigartig – jetzt ist die Konkurrenz zu groß

Vielen standen jetzt sogar die Tränen in den Augen, als die Forum-Chefs Martin und Anke Kolonko ihnen die Nachricht überbrachten und sie mit einem Karton voller Gläser überraschten: Forum-Gläser mit dem berühmten Sonnenblumen-Logo. Dazu eine Karte: "Du bist ein Teil der Forum-Familie, nun bekommst Du einen Teil vom Forum."

Für die Mitarbeiter, die – nicht zuletzt durch Unterstützung ihrer langjährigen Chefs – neue Arbeitsplätze bekommen, gab es gestern Abend ein Abschiedsessen. Sie waren die letzten Gäste, dann wurde zugesperrt, für immer.

"Klar, tut das weh", so Martin Kolonko zur AZ: "Das Forum war quasi mein Erstgeborenes, mein Baby, das Lokal, mit dem ich damals den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt habe." Die Gründe für die Schließung? Die sind vielschichtig. Zum einen haben sich rund ums Café Forum immer mehr durchaus attraktive Gastro-Unternehmen (inklusive Schrannenhalle) angesiedelt.

Zum anderen fand das Konzept, mit dem man im Juli 1991 gestartet war, zig Nachahmer. Lokale, die von morgens bis in die Nacht geöffnet haben und Frühstücksgäste wie Partygänger anlocken, sind keine Ausnahme mehr – wie auch Terrassen, von denen das Forum die erste im ganzen Viertel hatte.

"Der Kuchen wird natürlich nicht größer", sagt Martin Kolonko: "Die Gäste haben inzwischen Auswahlmöglichkeiten wie in einer Art Gastro-Disney-World." Doch mit solchen Gegebenheiten sehen sich auch andere Wirte konfrontiert. Anke und Martin Kolonko haben reagiert und ihrem Forum in den vergangenen Jahren zwei optische wie kulinarische Frischekuren verpasst.

Was aber tun, wenn Baustellen die Gäste vertreiben? Da sind auch die besten und einfallsreichsten Gastronomen irgendwann eher machtlos. Gegenüber dem Forum entstand ein neues sechsstöckiges Haus, direkt daneben, auf dem Gelände des damaligen Heizkraftwerks, das Edel-Quartier The Seven. Fünf Jahre gab’s in der Müllerstraße Staub, Schmutz und Lärm. Die Forum-Terrasse war nicht benutzbar. "Das hat uns massiv zugesetzt", sagt Kolonko: "Wer setzt sich schon freiwillig ins Epizentrum einer Großbaustelle".

Weitere Gäste und Stammgäste, zu denen auch Max von Thun, Ken Duken, Philipp Lahm oder Oliver Bierhoff zählen, blieben wegen einer weiteren Baustelle aus, wegen des Komplettumbaus des Gärtnerplatztheaters. Früher wurde das Forum vor und nach den Vorstellungen von Theaterbesuchern bevölkert, auch das Ensemble kehrte ein. Jetzt ist’s, wie’s ist. Martin Kolonko, der auch Teilhaber der Brez’n in der Leopoldstraße ist, hat die Reißleine gezogen: "Am Ende muss man auch die wirtschaftliche Vernunft walten lassen."

Nach einer Auszeit wollen er und seine Frau "mit Elan neue Projekte angehen". Vielleicht gibt es dann ja auch ein neues Zweit-Wohnzimmer für die Forum-Fans, die vom Aus so kalt erwischt wurden.

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