Bei einer Zoll-Kontrolle an einer Abrissbaustelle fliegen 17 Bauarbeiter ohne Papiere auf – ihr Lohn betrug mickrige fünf Euro

Sendling - Die ehemalige Post in der Höltystraße ist nur noch ein Gerippe aus Beton. Sie wird derzeit Stück für Stück abgerissen, die Fassade ist schon weg. Hier, in der Nähe des Luise-Kiesselbach-Platzes, sollen helle, moderne Wohnungen entstehen – wo Menschen sich wohlfühlen.

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Die 17 Arbeiter, die das Gebäude abgetragen haben, haben sich sicher nicht wohlgefühlt. Laut Zoll schufteten sie hier für nicht mal die Hälfte des Mindestlohns. Als Schwarzarbeiter.

Die Baustelle wurde Ende vergangener Woche von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls routinemäßig kontrolliert. Fahnder der „Einheit Prävention“ ließen sich die Unterlagen zeigen. Sie bekamen: nichts. „Es gab überhaupt keine Papiere“, sagt Zoll-Sprecher Thomas Meister. Die Abbruchfirma beschäftigte 14 Bulgaren schwarz. Sie hatten laut Meister weder die erforderliche Arbeitsgenehmigung, noch gab es Nachweise für Sozialleistungen. Ein weiterer Bulgare und zwei Rumänen waren als Scheinselbstständige auf dem Bau.

Lohn für alle: rund fünf Euro die Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn im Baugewerbe beträgt je nach Arbeit 11,05 bis 13,70 Euro brutto. Nach der Kontrolle mussten die Arbeiter auf die Wache – und arbeiten seit vergangenem Wochenende nicht mehr auf der Baustelle. Die Sicherheitsleistung von 3000 Euro übernahm ihr Arbeitgeber.

Die Zöllner sind baff: „Dass auf einer Baustelle ausnahmslos Schwarzarbeiter beschäftigt worden sind, habe ich die letzten Jahre noch nicht erlebt“, sagt Zoll-Einsatzleiter Rudolf Reinhardt.

Bauherr ist die Bayerische Hausbau, die zur Schörghuber Unternehmensgruppe gehört. Sie will auf dem ehemaligen Post-Areal 65 Eigentumswohnungen, eine Kita und Ladenflächen errichten. Gegen die Hausbau ermittelt der Zoll nicht, betont Meister. „Es geht nur um die Abbruch-Firma.“

Die wurde nach AZ-Informationen vom der Balthasar Trinkl KG mit dem Abbruch beauftragt. Die Kraillinger Firma riss 2007 das Löwenbräu-Areal zwischen Dachauer und Nymphenburger Straße und 2010 den Hochbunker in der Steinerstraße sowie das Hochhaus der Bayerischen Versorgungskammer (55 Meter) ab – alles Millionen-Aufträge.

Die Schwarzarbeiter waren nicht bei Trinkl, sondern beim Sub-Unternehmer beschäftigt. Gegen Trinkl wird nicht strafrechtlich ermittelt. Ob die Firma aber von den Schwarzarbeitern bei ihrem Auftragsnehmer wusste, wird trotzdem untersucht. Meister: „Wir werden die Verträge zwischen den beiden Firmen prüfen.“

Trinkl-Chef Florian Trinkl teilt mit, die beauftragte Firma habe „alle erforderlichen Unterlagen für eine legale Beschäftigung der Mitarbeiter, soweit wir das erkennen konnten, vorgelegt.“