Zoll deckt auf Fünf Euro Lohn: Schwarzarbeiter in Sendling

Thomas Gautier, 16.02.2013 07:00 Uhr

Bei einer Zoll-Kontrolle an einer Abrissbaustelle fliegen 17 Bauarbeiter ohne Papiere auf – ihr Lohn betrug mickrige fünf Euro

Sendling - Die ehemalige Post in der Höltystraße ist nur noch ein Gerippe aus Beton. Sie wird derzeit Stück für Stück abgerissen, die Fassade ist schon weg. Hier, in der Nähe des Luise-Kiesselbach-Platzes, sollen helle, moderne Wohnungen entstehen – wo Menschen sich wohlfühlen.

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Die 17 Arbeiter, die das Gebäude abgetragen haben, haben sich sicher nicht wohlgefühlt. Laut Zoll schufteten sie hier für nicht mal die Hälfte des Mindestlohns. Als Schwarzarbeiter.

Die Baustelle wurde Ende vergangener Woche von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls routinemäßig kontrolliert. Fahnder der „Einheit Prävention“ ließen sich die Unterlagen zeigen. Sie bekamen: nichts. „Es gab überhaupt keine Papiere“, sagt Zoll-Sprecher Thomas Meister. Die Abbruchfirma beschäftigte 14 Bulgaren schwarz. Sie hatten laut Meister weder die erforderliche Arbeitsgenehmigung, noch gab es Nachweise für Sozialleistungen. Ein weiterer Bulgare und zwei Rumänen waren als Scheinselbstständige auf dem Bau.

Lohn für alle: rund fünf Euro die Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn im Baugewerbe beträgt je nach Arbeit 11,05 bis 13,70 Euro brutto. Nach der Kontrolle mussten die Arbeiter auf die Wache – und arbeiten seit vergangenem Wochenende nicht mehr auf der Baustelle. Die Sicherheitsleistung von 3000 Euro übernahm ihr Arbeitgeber.

Die Zöllner sind baff: „Dass auf einer Baustelle ausnahmslos Schwarzarbeiter beschäftigt worden sind, habe ich die letzten Jahre noch nicht erlebt“, sagt Zoll-Einsatzleiter Rudolf Reinhardt.

Bauherr ist die Bayerische Hausbau, die zur Schörghuber Unternehmensgruppe gehört. Sie will auf dem ehemaligen Post-Areal 65 Eigentumswohnungen, eine Kita und Ladenflächen errichten. Gegen die Hausbau ermittelt der Zoll nicht, betont Meister. „Es geht nur um die Abbruch-Firma.“

Die wurde nach AZ-Informationen vom der Balthasar Trinkl KG mit dem Abbruch beauftragt. Die Kraillinger Firma riss 2007 das Löwenbräu-Areal zwischen Dachauer und Nymphenburger Straße und 2010 den Hochbunker in der Steinerstraße sowie das Hochhaus der Bayerischen Versorgungskammer (55 Meter) ab – alles Millionen-Aufträge.

Die Schwarzarbeiter waren nicht bei Trinkl, sondern beim Sub-Unternehmer beschäftigt. Gegen Trinkl wird nicht strafrechtlich ermittelt. Ob die Firma aber von den Schwarzarbeitern bei ihrem Auftragsnehmer wusste, wird trotzdem untersucht. Meister: „Wir werden die Verträge zwischen den beiden Firmen prüfen.“

Trinkl-Chef Florian Trinkl teilt mit, die beauftragte Firma habe „alle erforderlichen Unterlagen für eine legale Beschäftigung der Mitarbeiter, soweit wir das erkennen konnten, vorgelegt.“

 

 

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Kommentare (4)
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FEB
17
Realist, 16:32 Uhr

Hölty-Post

Dass die Fa. Trinkl keinerlei Ahnung von den Machenschaften ihres Subunternehmers hatte, ist absolut nicht zu glauben. Es ist ja beileibe nicht das erste Mal, dass sie Aufträge an diesen Subunternehmer vergibt. Hoffentlich ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Fa. Trinkl, auch wenn diese sich bisher 'vollkommen ahnungslos' gibt. Wer mit Fa. Trinkl mal zu tun hatte, hat eine andere Meinung zu diesem Vorfall.

FEB
16
Klaus, 22:17 Uhr

der Zoll

könnte ruhig auch mal gegen die Hausbau ermitteln. Würde mich nicht wundern, wenn die 'Dreck am Stecken' hätten. Bin selbst Mieter bei der Hausbau und wundere mich oft genug, wo die die Handwerker auftreiben. Wenn irgendetwas repariert werden muß sind die Handwerker morgens von 6-8 da, dann ist den ganzen Tag über Ruhe und abends 18 Uhr gehts wieder los. Und Sonntags auch. Wenn die mal nicht schwarz neben ihrer eigentlichen Arbeit arbeiten....

FEB
16
holzwurm, 17:27 Uhr

Schwarzarbeit zu Dumping Löhne

Es ist schon dreist, wie lange das Thema bekannt ist und nicht´s passiert. Hier sollte die Hausbau und die Trinkl zu einer Sicherheitsleistung verdonnert werden und zwar in Höhe der zu erwartenden Strafe und natürlich Nachzahlung der Löhne. Es kann nicht sein, dass die armen Schlucker alles ausbaden müssen, denen steht eine angemessene Vergütung ihrer bereits geleisteten Arbeit zu. Die soll der Zoll auszahlen und die Jungs heimschicken und ein Platzverbot für München aussprechen. Gleichzeitig müssten auf allen Baustellen der Hausbau und Trinkl Razzien ausgeführt werden (Verdacht besteht ja eindeutig) und selbiges Verfahren. Nur wenn rigeros vorgegangen wird und Baustellen gesperrt werden, kann diesem Treiben auch zukünftig ein Ende gesetzt werden. Ausserdem sollten sich unsere gut bezahlten Politiker schnellstmögich Gedanken über eine Verbesserung der Gesetze und eine Verbesserung der Fahndung machen.

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