Zlatan Ibrahimovic gelingt gegen England nicht nur ein Vierer-Pack, sondern auch ein „stratosphärischer Fallrückzieher“.

Nach der ersten Sprachlosigkeit fand die Twittergemeinde recht schnell wieder Worte für das Unglaubliche. Boris Becker zwitscherte: „Wow...Ibrahimovic! What a goal...and 4 of them!“, Jan Age Fjortoft schrieb „My Top 3 goals ever: 1. Maradona vs England 1986, 2. Zlatan vs England 2012, 3. van Basten vs Russia 1988“, Hans Sarpei berichtete „Eintrittskarte fürs Länderspiel 50 Euro, Amsterdam-Reise 200 Euro, nach dem Kick auf dem Handy das Ding von Zlatan sehen: unbezahlbar“, und Dirk Nowitzki schrieb einfach nur „Zlatane...“ Sie alle hatten es gesehen: „das Tor der Götter“ („Daily Mail“), den verrücktesten Treffer des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts oder Jahrhunderts. Erzielt von Zlatan Ibrahimovic – wem sonst?
Die Nachspielzeit lief, als „Ibra“ im Spiel gegen England nach über 90 Minuten aus 25 Metern vor dem Tor zu einem „stratosphärischen Fallrückzieher“ (Spaniens Tageszeitung „El Periódico“) ansetzte. Drei Treffer hatte er davor schon erzielt, und nun hatte er „gesehen, dass der Keeper aus dem Tor raus war und einfach versucht, den Ball irgendwie in die Richtung zu bringen - und dann war er drin“. Schwedens Nationaltrainer Erik Hamren meinte: „Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder einen derartigen Fußballer erleben werde.“ Die schwedische Zeitung „Expressen“ forderte: „Geht auf die Knie und verbeugt Euch so tief Ihr nur könnt vor dem Besten der Welt!“
Zlatan Ibrahimovic, Martial-Arts-Fan und aktiver Taekwondo-Kämpfer, hat schon so manch verrücktes Ding gedreht, nicht nur auf dem Platz. Auch verbal mag er es ungewöhnlich. Auf die Reporterfrage, woher er die Kratzer im Gesicht habe, antwortete er: „Fragen Sie doch mal Ihre Frau!“ Den Norweger John Carew verspottete er mit den Worten: „Was der mit dem Ball kann, kann ich mit der Apfelsine.“ Liverpools Verteidiger Stéphane Henchoz verhöhnte er: „Erst ging ich nach links, das machte er auch. Dann ging ich nach rechts, das machte er auch. Dann ging ich wieder nach links, und er ging und kaufte sich eine Wurst.“
Der Mann mit dem Dutt fällt immer auf. Barca-Coach Pep Guardiola drohte er Prügel an, Xavi, Iniesta und Messi nannte er „Schuljungen ohne eigene Meinung“, Marco Rossi vom AS Bari schlug er mit der Faust in den Magen und dem AC-Milan-Teamkollegen Rodney Strasser sprang er in den Rücken und rief: „Hier bin ich der Chef.“ Neun rote Karten hat Ibrahimovic gesammelt, die letzte für einen Karatetritt gegen einen französischen Torhüter. Kurz gesagt: Er ist und bleibt ein ungezogener Ego-Rüpel, mit dem man lieber nichts zu tun haben will.
Wenn da nicht die irre akrobatischen Tore von „Ibrakadabra“ wären: mit der Hacke, im Kungfu-Stil oder eben dieser absurde Fallrückzieher zum 4:2 gegen England. Bei Inter Mailand verwandelte er mal einen Freistoß mit 124 Stundenkilometern. Kein Wunder, dass ihn die Schweden gerade zum siebten Mal in Serie zum Fußballer des Jahres gewählt haben.
Doch sein „Tor für die Ewigkeit“ kam zu spät. Der Weltverband Fifa gab ausgerechnet wenige Stunden vor Ibrahimovics Sensations-Treffer die Liste der zehn zur Auswahl stehenden Treffer für die Wahl zum Tor des Jahres bekannt – zu früh.

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