Zetsche, Winterkorn und Co. Das sind die 30 Dax-Bosse

Die AZ stellt die 30 Dax-Bosse vor. Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke! Foto: dpa/AZ

Eine Studie zeigt: Nur wenige Bundesbürger kennen die Chefs der im deutschen Leitindex gelisteten Top-Konzerne. Die AZ stellt die Wirtschaftsführer genauer vor.

München - Hand aufs Herz, liebe AZ-Leser: Wie viele Bosse der 30 Dax-Unternehmen kennen Sie? Einen, zwei oder drei? Oder sogar mehrere? Laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Wirtschaftsforschung Dr. Doeblin sind die Chefs der 30 deutschen Spitzen-Konzerne den meisten Deutschen nicht bekannt. Noch am besten schneidet VW-Manager Martin Winterkorn ab. Dessen Name ist immerhin 43 Prozent der 1.000 Befragten ein Begriff. Ein Drittel der Teilnehmer erinnert sich an Daimler-Boss Dieter Zetsche. Und sonst? BMW-CEO (Chief Exekutive Officer) Norbert Reithofer kennt nicht mal jeder sechste. Grund genug, die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen vorzustellen:

Herbert Hainer, Adidas: Ihn kennen nur rund neun Prozent der Befragten. Geborener Niederbayer. Zuerst verkaufte er Tennisschläger bei Adidas, seit 2001 ist er Adidas-Vorsitzender. 2014 für ein halbes Jahr Aufsichtsratvorsitzender bei der FC Bayern München AG. Guter Freund von Uli Hoeneß. Bruder war Fußballprofi bei den Löwen.

Michael Diekmann, Allianz: Seit 2003 Vorstandsvorsitzender bei der Allianz. Verlegte nach dem Studium in den 80er-Jahren einen selbst geschriebenen Kanu-Reiseführer im Eigenverlag. Vater von vier Kindern, tritt am 7. Mai 2015 als Allianz-CEO ab. 2005 „Manager des Jahres“. Bekannt bei zehn Prozent der Befragten.

Kurt Bock, BASF: Wurde im Mai 2011 Vorstandsvorsitzender des nach Umsatz weltweit größten Chemiekonzerns. Bei fast keinem Deutschen bekannt (vier Prozent). Bock hat einen knochentrockenen Humor, redet wenig und drängt nicht ins Rampenlicht. Wertebewusster und sparsamer Familienmensch, der in der Freizeit gerne seine Laufschuhe schnürt. Verzichtet auf Anrede seines Doktorgrades.

Marijn E. Dekkers, Bayer: Niederländischer Chemiker, seit 2010 Vorstandsvorsitzender bei Bayer. Ex-Oberliga-Tennisspieler, der auch US-Staatsbürgerschaft besitzt. Der Blondschopf verdiente 2013 rund fünf Millionen Euro, gehört damit zu den Bestverdienern unter den Dax-Vorständen. Bekannt bei gerade mal vier Prozent der Befragten.

Stefan F. Heidenreich, Beiersdorf: Ehemaliger BWL-Student, seit 2012 CEO des Konsumgüter-Unternehmens Beiersdorf. Gebürtiger Norddeutscher und knallharter Manager. Ende der 70er-Jahre Vize-Europameister auf dem Surfbrett. Zudem fuhr er früher Rennen mit Geländemotorrädern. Watschte 2012 die Werbung für die eigene Marke Nivea kräftig ab. Fast kein Deutscher kennt ihn (sechs Prozent).

Norbert Reithofer, BMW: Gebürtiger Oberbayer (Penzberg), Maschinenbau-Studium an der FH München, danach an der TU. Seit 2006 BMW-CEO. Noch, denn: Reithofer wird im Mai von Harald Krüger abgelöst. Erhielt 2005 Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um Republik Österreich. Gehört zu den bekanntesten deutschen Wirtschaftsführern. Blamierte sich 2013 auf der IAA, als er es nur mit Mühe schaffte, aus einem BMW-Sportwagen zu steigen.

Martin Blessing, Commerzbank: Stammt aus Banker-Familie. Großvater war elf Jahre Präsident der Bundesbank, Vater Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Blessing ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, die eine schwere Wirtschaftskrise hinter sich hat. Stark in der Kritik, als er im Oktober 2013 First Class flog – zu jener Zeit, als die Bank jeden Euro sparen musste. Blessing läuft Marathon. Ihn kennt fast kein Befragter.

Elmar Degenhart, Continental: Ebenfalls wenig in der Öffentlichkeit bekannt (fünf Prozent). Seit 2009 CEO beim Automobilzulieferer. Authentisch und gelassen. Bekommt von der „Zeit“ das Attribut „auffallend unauffällig“. Kritisierte den Führungsstil von Top-Managern: „Sie sollen sich nicht so wichtig nehmen.“ Eintracht-Frankfurt-Fan.

Dieter Zetsche, Daimler: Gehört zu den drei bekanntesten Dax-CEOs (36 Prozent), ihn kennen 36 Prozent der Befragten. Seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Daimler AG. Seine Frau starb 2010 an Krebs, 2014 war er vier Monate lang mit Schauspielerin Désirée Nosbusch liiert. Grauer Walrossbart macht ihn unvergleichlich. Geht abends mit der Jeans in die Kneipe. Stolz darauf, seinen Keller selbst gefliest zu haben.

Anshu Jain, Deutsche Bank: Seit 2012 Co-CEO bei der Deutschen Bank. In Indien geboren, Schulbesuch in Kabul. Geriet während der Wirtschaftskrise in den USA wegen zweifelhafter Hypothekengeschäfte ins Kreuzfeuer der Kritik. Seit 25 Jahren mit einer Sikh verheiratet, gehört der indischen Religion des Jainismus an. Trinkt keinen Alkohol und ist Vegetarier. Großes Hobby: Tier- und Landschaftsfotografie in Afrika.

Jürgen Fitschen, Deutsche Bank: Gemeinsam mit Jain Vorstandsvorsitzender beim Geldinstitut und Nachfolger von Banker-Legende Josef Ackermann. 2014 Anklage gegen Fitschen wegen mutmaßlichem Prozessbetrugs. Hält meistens Reden ohne Textvorlage. Bodenständig, kundenorientiert – und trotz ergrauter Haare kein bisserl amtsmüde. Bei nicht ganz einem Viertel der Befragten bekannt.

Reto Francioni, Deutsche Börse: In der Schweiz geboren, seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, die zuständig ist für den Betrieb der Handelsplattformen. Promovierter Jurist, verheiratet und zwei Kinder. Nur selten im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Drei Prozent kennen ihn. Tritt heuer als CEO ab. Lieblingshobby: Angeln in der Schweiz.

Frank Appel, Deutsche Post: Gebürtiger Hamburger, beschreibt sich selbst als „klassisches Mittelstandskind“. Post-CEO seit 2008, zuvor u.a. Chemiestudium an der Uni München. Scheut das Rampenlicht. Gegen eine gesetzlich verordnete Frauenquote, bezeichnet seinen Ex-Boss Klaus Zumwinkel als „tollen Chef“. Musste erst vor Kurzem wieder das Brief-Porto erhöhen.

Timotheus Höttges, Deutsche Telekom: Nachfolger von Freund René Obermann als CEO beim Telekommunikationsunternehmen. Viel weniger bekannt als sein Vorgänger. Kaufte gemeinsam mit Obermann am Rheinufer ein Baugrundstück, sie waren sogar Nachbarn. Morgens joggten beide miteinander. Höttges ist durchtrainiert, fast 1,95 Meter groß. Stand in der Steueraffäre um Uli Hoeneß immer hinter dem Ex-Bayern-Präsidenten.

Johannes Teyssen, E.ON: Ebenfalls nur wenigen Befragten bekannt (zehn Prozent). Seit 2010 CEO beim Energie-Riesen. Vater von vier Kindern. Sackte 2013 rund 5,5 Millionen Euro ein. Großer SC-Freiburg-Fan. Credo: „Wer in die Küche geht, muss die Hitze abkönnen, aber er ist nicht automatisch ein Starkoch.“

Ulf Schneider, Fresenius: Nur vier Prozent der Befragten ein Begriff. Bereits zwölf Jahre Vorstandsvorsitzender des Gesundheitskonzerns. MBA-Abschluss an der Harvard Business School. Passionierter Radrennfahrer und Marathon-Läufer, der zudem einen amerikanischen Pass besitzt. Bereits zweimal „Manager des Jahres“.

Rice Powell, Fresenius Medial Care: US-Manager, seit 1997 bei der Fresenius-Tochter Fresenius Medical Care. Wurde 2013 CEO. Privat ist wenig über ihn bekannt, auch bei der Umfrage kennt ihn fast kein Deutscher. Darum klärt die AZ an dieser Stelle die Frage: Warum sind gleich zwei Fresenius-Konzerne im DAX gelistet? Die Tochtergesellschaft ist länger als das Hauptunternehmen im deutschen Leitindex, Fresenius selbst ist erst seit 2009 im Dax notiert.

Bernd Scheifele, HeidelbergCement: Der gebürtige Breisgauer ist seit zehn Jahren CEO des Baustoffkonzerns. Zuvor unter anderem bei Daimler-Benz. Zweitwohnsitz: das Hainstadter Schloss im Odenwald. Der wertkonservative Scheifele übte harsche Kritik an Ex-Daimler-Boss Schrempp, der seine Vorzimmerdame zur Geliebten nahm: „Da frag ich mich schon, was für ein Lebenskonzept dahintersteht.“ Nur wenige Befragte behaupten, seinen Namen schon mal gehört zu haben.

Kasper ROrsted, Henkel: Der Däne ist seit 2008 CEO des Konsumgüterherstellers. Zuvor bei HP rausgeschmissen. Stammt aus einer Wirtschaftsfamilie, Vater ist renommierter Ökonomie-Professor in Dänemark. Sprachen, die Rorsted fließend spricht: Dänisch, Englisch, Deutsch und Schwedisch. Vier Kinder. Joggt um 5 Uhr morgens zu Rolling-Stones-Rockmusik am Rheinufer. Liest keine Blindkopie-Mails.

Reinhard Ploss, Infineon: Der Franke ist seit 2012 CEO beim Halbleiter-Hersteller. Studierte an der TU München. Doktorarbeit über „Modell zur Kontaktkeimbildung durch Rührer-Kristall-Kollisionen in Leitrohrkristallisatoren“. Baut in der Freizeit Modellflugzeuge. Verdiente 2013 mit 1,9 Millionen Euro ein Drittel weniger als sein Vorgänger Peter Bauer.

Norbert Steiner, K+S: Das Bergbauunternehmen Kali und Salz wird seit Juli 2007 vom gebürtigen Siegener geführt. Der Vater zweier Söhne war zuvor bei BASF. Erntete 2014 Kritik, weil er einen großflächigen Stellenabbau ankündigte. In der Bevölkerung gilt er eher als unbekanntes CEO-Wesen.

Matthias Zachert, Lanxess: Seit 2014 CEO des Spezialchemie-Konzerns. Vater war Chef des Bundeskriminalamtes. Begann mit dem Joggen, als seine Schwester vor 32 Jahren an Krebs erkrankte. Baute bei Lanxess eine 600-Leute-starke Laufgruppe auf. Absolvierte dann den Leverkusener Halbmarathon in 1:49 Stunden. Verheiratet, vier Kinder. Nur wenige Deutsche kennen ihn (drei Prozent).

Wolfgang Büchele, Linde: Der bodenständige Schwabe ist seit einem Jahr CEO beim Münchner Technologie-Konzern. Fährt im Winter liebend gerne Ski in den Alpen. Arbeitete zuvor in Helsinki. Hatte dort eine Sauna in seinem Haus, die er aber nie nutzte. Gilt bei Kollegen als „deutsches Pendant zu Robert Redford“. Sechs Prozent aller Deutschen ist sein Name ein Begriff.

Carsten Spohr, Lufthansa: Das „Lufthansa-Eigengewächs“ und der Vater zweier Töchter ist seit 2014 CEO der Fluggesellschaft. Spürte im Dezember heftigen Gegenwind wegen eines neuen Konzepts für die Billigfluglinie Eurowings und dem Streik der Piloten. Besitzt selbst die Lufthansa-Kapitäns-Lizenz für Flugmuster der Airbus-A320-Familie. Die „Bild“ bezeichnete ihn als „Stewardessen-Liebling“. Macht Urlaub auf Sardinien – und kommt mit seiner Familie mit Direktflügen dorthin.

Karl-Ludwig Kley, Merck: Der Chemie- und Pharma-Konzern ist seit 2007 in den Händen des gebürtigen Münchner Geschäftsleiters. Kleys Vater war bereits im Vorstand von Siemens. Sein älterer Bruder ist Aufsichtsratvorsitzender bei der SGL Carbon. Veröffentlichte das Buch „Deutschland braucht Chemie“. Nervt die „verbohrte deutsche Nein-Haltung“. Liebt japanische Kunst. Weniger bekannt in der Öffentlichkeit.

Nikolaus von Bomhard, Munich Re: Der gebürtige Mittelfranke führt seit 2004 die Geschicke des Rückversicherers, der weltweit zu den größten gehört. Studierte an der LMU und promovierte an der Uni Regensburg. Ist auch im LMU-Hochschulrat. Mitglied der katholischen Studentenverbindung Rheno-Bavaria München. Wurde 2007 von WWF Deutschland zum Ökomanager des Jahres gewählt. Grund: Er steuert nach Herzenskräften dem Klimawandel entgegen. Fährt mit dem Radl zur Arbeit. Genießt öffentlich sehr große Beliebtheit.

Peter Terium, RWE: Der gebürtige Niederländer ist seit 2012 CEO beim Energiekonzern. Ausgebildeter Buch- und Steuerprüfer. Sagte bei seinem Amtsantritt, er wolle keine Atomkraftwerke mehr bauen: „Das Risiko können wir uns nicht mehr leisten.“ Gilt als der Steve Jobs der Energiebranche. Kennt seine eigene Stromrechnung nicht. Isst kein Fleisch und macht Yoga.

Bill McDermott, SAP: Der gebürtige New Yorker ist seit 2010 Vorstandssprecher beim Software-Riesen. Stammt aus einfachsten Verhältnissen. Baute bereits während der Schulzeit sein eigenes Unternehmen auf. Wurde 2008 „Idealist des Jahres“. Lernt Deutsch mit einem Kurs von Rosetta Stone auf seinem iPad. Nur acht Prozent der Deutschen kennen den Manager.

Joe Kaeser, Siemens: Der Niederbayer lenkt seit August 2013 den Siemens-Konzern. Studierte BWL an der Uni Regensburg. Heißt eigentlich Josef Käser, legte sich aus beruflichen Gründen eine neue Identität zu. „Joe Kaeser – das klingt doch gleich ein wenig besonders und irgendwie erfolgreicher“, sagt eine Namensforscherin. Hört noch auf „Sepp“. Besuchte seine Gemeinde, als die Feuerwehr dort ein neues Fahrzeug einweihte. Überstand 2006 die Milliarden-Korruptionsaffäre, die vielen Siemens-Managern den Job kostete. Bekannt bei jedem achten Befragten.

Heinrich Hiesinger, ThyssenKrupp: Seit 2011 CEO beim Stahl-Konzern. Nach Diplom zum Elektroingenieur fünf Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München, hat dann dort promoviert. Verdiente 2013 nicht ganz fünf Millionen – 29 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Schaltet sein Handy an Wochenenden aus. Bekanntheitsgrad: sieben Prozent.

Martin Winterkorn, VW: Der bekannteste Dax-CEO Deutschlands. Seit 2007 Vorstandsvorsitzender beim weltweit zweitgrößten Autobauer. Hat ein Aufsichtsratsmandat bei der FC Bayern München AG. Der Top-Verdiener unter den Dax-Vorständen: Er kassierte 2013 rund 15 Millionen Euro. Schaltet in der Sauna ab. Spielte kürzlich Fußball in einer Prominenten-Elf. Sammelt Uhren, trinkt gerne Lemberger Rotwein und pafft hin und wieder eine Zigarre.    

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