Wegen der Umstellung auf die Sommerzeit finden die Ostermessen heuer noch früher statt: Über eine harte Glaubensprüfung.

München - Es ist schon sehr früh heuer. Klar, die Uhr zeigt fünf, aber die Knochen sagen doch: nein, vier ist’s erst. Weil in diesem Jahr die Zeitumstellung und das Ostern auf denselben Tag fallen, müssen vor allem Katholiken für die Ostermette eine Stunde früher aufstehen. Verschieben ist keine Option.

Bodo Windolf lacht kurz, als man ihn fragt, wie er mit dem noch früheren Aufstehen umgeht. Seit gut dreieinhalb Jahren arbeitet der 54-Jährige in der katholischen Christus Erlöser Gemeinde in Neuperlach als Pfarrer. Ostersonntag wird er in Sankt Maximilian Kolbe die Frühmesse halten: um fünf Uhr.

„Ich werde einfach weniger schlafen und hoffe, dass ich den Wecker nicht überhöre“, sagt Windolf. Aber schlauchen tut’s schon. Das gibt es zu.

Nicht zuletzt, weil die Karwoche für einen Seelsorger weniger Ruhe als Arbeit bedeutet. Gründonnerstag diente den Vorbereitungen, es gab Ministrantenproben und einen Abendgottesdienst bis in die Nacht hinein.

„Dann habe ich zwei bis drei Stunden geschlafen“, sagt der Pfarrer. Schon zwischen vier und halb fünf wurde in einem Gebetsraum die Eucharistie gefeiert. Und am Karfreitag: Wieder Proben, in diesem Jahr wurde die Passion gesungen, damit das funktionierte, musste das ein oder andere noch abgestimmt werden. Karsamstag schließlich noch den Abendgottesdienst um 21 Uhr, für viele eine Alternative zum frühen Aufstehen am Ostersonntag.

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Für Windolf bedeutet das aber: wenig Schlaf. Und dieses Jahr: noch weniger als sonst. Für die Frühmesse rechnet er mit 200 bis 300 Besuchern, etwas weniger als im Vorjahr. Windolf darf den frühen Wecker nicht überhören. Das ein oder andere Gemeindemitglied schaltet ihn angesichts der frühen Stunde aber vielleicht gar nicht erst ein.

Die Messe nach hinten zu verschieben, das kam Windolf nicht in den Sinn: „Das stand gar nicht zur Debatte.“ Nach der Frühmesse gibt es bereits um 9 Uhr den nächsten Ostergottesdienst in Sankt Maximilian Kolbe, danach ein gemeinsames Osterfrühstück im Gemeindesaal. Mit einer späteren Frühmesse wäre das eng geworden.

Außerdem: „Es gehört an Ostern dazu, dass man in den Sonnenaufgang hineinfeiert.“ Die Dunkelheit, in die man in Form einer Osterkerze Licht bringt, das sei ein wichtiges und schönes Symbol zum höchsten Feiertag der Christen, findet Windolf.

Es wird langsam hell, mit der Kerze und mit der Sonne. Auch deshalb verbindet Windolf mit dem Osterfest eines: Hoffnung. Vor allem in Zeiten, in denen Menschen schwerstes Leid erleben.

Wie Windolf halten es auch andere Gemeinden in München. St. Anna im Lehel, St. Bonifaz und St. Michael in Altperlach feiern die Frühmesse bereits um fünf Uhr, neben vielen kleineren Kirchen. Sankt Ruppert am Kiliansplatz schläft ein bisschen länger: Hier beginnt die Frühmesse erst um 6 Uhr.

Dass er Ostern mit einem gewissen Schlafdefizit abschließt, sieht Pfarrer Windolf pragmatisch. Nach dem Ostermontag geht’s ja wieder ruhiger zu. Die frühe Frühmesse? „Da müssen wir durch.“