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Zahn-Operation: Ex-Obdachloser hat endlich wieder Biss

jam, vom 12.10.2011 17:00 Uhr
Am Dienstag lächelte Udo Biesewski noch ein wenig widerwillig – gestern strahlte er. Und kann sogar in einen Apfel beißen.... Foto: Gregor Feindt

Sein Leben hat der ehemalige Obdachlose bereits in den Griff bekommen. Jetzt wurde seine Mühe mit neuen Zähnen gekrönt.

MÜNCHEN Gestern hat er um 7Uhr in der Früh seine letzte Zigarette geraucht, die halb volle Schachtel und seine Feuerzeuge in den Müll geworfen. Den neuen Lebensabschnitt will der ehemalige Obdachlose Udo Biesewski richtig beginnen.

Dreieinhalb Stunden operierten die Zahnärzte Hannes Wachtel und Wolfgang Bolz, entfernten seine alten, kaputten Zähne und ersetzen sie. Unten hatte Biesewski noch fünf schadhafte Zähne, oben trug er ein schlecht sitzendes Gebiss. Lächeln, lachen oder einen Apfel essen – für den 48-Jährigen ein Ding der Unmöglichkeit. Doch der Thüringer ist Stehaufmännchen.

Vor zwanzig Jahren war’s, als er seine Lebensgefährtin und ihr ungeborenes Baby bei einem Autounfall verloren hatte. Er selbst stürzte daraufhin ab, wurde obdachlos und ertränkte seinen Kummer im Alkohol.

Durch seinen starken Willen ist er seit nunmehr neun Jahren trocken. Biesewski arbeitet für die Straßenzeitung „Biss”, hat einen festen Wohnsitz und engagiert sich als Suchthelfer.
Doch die Jahre im Alkoholsumpf sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen: Er hat Rheuma, ist lungenkrank – und hatte ruinierte Zähne.

Er ist bereits der zweite „Biss”-Verkäufer, der von der Zahnklinik BolzWachtel ein neues Gebiss bekommt. Umsonst. Normal kostet das fast 30000Euro. Am kommenden Samstag informiert die Zahnklinik in der Richard-Strauss-Straße 69 von 10 bis 15 Uhr gratis über Zahnimplantate.

Am gestrigen Mittag biss Biesewski endlich wieder einmal in einen Apfel. Seit vier Jahren hat er das nicht mehr gemacht.

Sein neues Gebiss ist jetzt fest verschraubt, dreimal im Jahr muss der Zahnersatz kontrolliert werden. Biesewski will am Freitag in Solln auf dem Markt „Biss”-Zeitungen verkaufen.
Mit einem strahlenden Lächeln.

Kommentare (6)
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OKT
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16:19 Uhr, geschrieben von Petra G.
Kuriose Logik
Lieber 49er, dann also... hm, dann wären also die, die nichts für andere tun besser, weil sie nicht durch die Medien gehen? Eine etwas seltsame Einstellung, aber natürlich praktisch: Dann brauchen Sie ja auch nichts tun, um das Leid von Menschen zu lindern und sind dann deshalb besonders edel, gell?
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OKT
13
12:04 Uhr, geschrieben von 49er
Ach herrje @Münchner!
So uneigennützig ist das auch wieder nicht, wenn man weiß, welche harten Gefechte in der Zahnersatzbranche ausgefochten werden. Eine billigere Werbung gibt es doch gar nicht, um Kunden abzuwerben und die Preise hoch zu halten. Denn wer hinterfragt schon die Preise für Otto Normalzahler, wenn der Anbieter soooo sozial ist und zumindest einmal einem Ex-Obdachlosen für 30.000.- € das Gebiss saniert hat und das plakativ durch die Medien geht.
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OKT
13
12:02 Uhr, geschrieben von A. Long
Würden Sie tauschen wollen?
@Heimat: Ihre Verbitterung ist schon verständlich. Aber fragen Sie sich doch einmal, ob Sie gerne mit Herrn Biesewski tauschen würden. Ich würds nicht. Und ich finde es toll, dass jemandem, dem es schlecht ging, geholfen wurde. Natürlich würde ich es noch besser finden, wenn die allgemeine Ungerechtigkeit beseitig würde, und es auch Ihnen besser ginge.
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