Bundesliga Wolfsburg wildert in Nürnberg: Hecking statt Schuster

dpa, 22.12.2012 15:18 Uhr

Dieter Hecking statt Bernd Schuster – der VfL Wolfsburg hat sich bei der Trainersuche für einen erfahrenen Coach und gegen den umstrittenen Bundesliga-Novizen entschieden. Der bisherige Nürnberger Coach erhält beim VfL einen Vertrag bis 2016. Wolfsburg.

Wolfsburg   – Mit einer überraschenden Wende hat Klaus Allofs das mehrtägige Verwirrspiel um den neuen Trainer des VfL Wolfsburg beendet. Dieter Hecking wird zu Jahresbeginn das VfL-Team in der Fußball-Bundesliga übernehmen. Der bisherige Coach des Ligarivalen 1. FC Nürnberg wechselt trotz eines Vertrages bis 2014 mit sofortiger Wirkung zum finanzstarken Volkswagen-Club nach Niedersachsen.

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Dort soll er nach Angaben von VfL-Manager Klaus Allofs einen Vertrag bis 2016 unterschreiben. Der als Top-Favorit gehandelte Bernd Schuster muss weiterhin auf seinen ersten Trainerjob in der Bundesliga warten. „Das ist so richtig“, bestätigte Allofs am Samstag die Einigung mit dem 48 Jahre alten Hecking. Der Verein teilte das Ende der Trainersuche in einer dürren Fünf-Zeilen-Meldung auf seiner Homepage mit. Weitere Details will der Wolfsburger Manager erst in den nächsten Tagen nennen, wenn der Nachfolger von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner offiziell vorgestellt wird.

„Wir wollen unseren neuen Trainer nicht vor den Weihnachtstagen präsentieren“, erklärte Allofs. Hecking, der seit 2009 den 1. FC Nürnberg trainiert, hatte seinen Vertrag bei den Franken erst vor Saisonbeginn bis 2014 verlängert. „Ich hatte mit Klaus Allofs gute Gespräche. Er hat mir erklärt, warum er mich unbedingt haben will und mir die Perspektiven aufgezeigt“, sagte Hecking der „Bild am Sonntag“ zu den Gründen für seinen Wechsel.

Die Familie des früheren Leipziger Bundesliga-Profis wohnt in Bad Nenndorf bei Hannover, rund 110 Kilometer von Wolfsburg entfernt. Für Hecking ist es bereits das zweite Mal, dass er aus einem laufenden Vertrag zu einem anderen Club wechselt. Im September 2006 verließ er nach drei Bundesliga-Spieltagen den Aufsteiger Alemannia Aachen, den er zuvor in die höchste Liga geführt hatte, und nahm ein Angebot von Hannover 96 an. Hannovers Clubchef Martin Kind wollte den früheren 96-Spieler damals unbedingt haben und kaufte ihn aus dem Vertrag heraus.

Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader war von Allofs und Hecking über die Verhandlungen informiert worden. Doch alle Versuche, den Trainer zu halten, schlugen fehl. „Es ist mein großer Wunsch, dass ich Dieter Hecking überzeugen kann, weiter in Nürnberg zu bleiben“, hatte Bader erklärt.

„Natürlich spielen auch wirtschaftliche und familiäre Dinge eine Rolle“, erklärte Hecking zu seinem Wechsel. Bis zuletzt hatte der frühere Nationalspieler Bernd Schuster als Favorit auf die Nachfolge von Köstner beim VfL Wolfsburg gegolten. Allofs hatte den früheren Meistertrainer von Real Madrid noch am Donnerstag öffentlich als Kandidaten bestätigt, dabei aber auch von „anderen Anwärtern“ auf die in Wolfsburg gesuchte Trainer-Dauerlösung berichtet. „Wir haben das Thema Schuster nie befeuert“, teilte ein VfL-Sprecher mit. Die Verhandlungen mit dem Wahl-Spanier Schuster, der am Samstag seinen 53. Geburtstag feierte, waren nach Informationen der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) angeblich wegen neuer Bedingungen ins Stocken geraten.

Zuvor hatten sich große Teile der Wolfsburger Fans gegen eine Verpflichtung von Schuster ausgesprochen, der bisher noch nicht in der Bundesliga trainiert hat.

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Kommentare (6)
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DEZ
25
aber hallo !, 19:42 Uhr

Hecking - und die Moral !

Erfolglos wae er nicht - aber auch nicht so erfolgreich, dass sich alle vor Ehrfurcht verneigen muessten ! Die sportlichen Ziele waren wohl andere und Hecking intern wohl nicht unumstritten, wenn nicht sogar auf der Abschussliste ! Einige lamentieren nun darueber, dass der Trainer - ogottogottogott ! - den Club nun von sich aus verlaesst ! Umgekehrt gesehen - wenn ihm gekuendigt worden waere ist er der alleinige Leidtragende - aber so zeigt er dem Club nun die lange Nase und eine ganze Region beschwert sich ! Er hat woanders eine neue Chance und wohl auch verbesserte Verdienstmoeglichkeiten angeboten bekommen und auch zugeschlagen - basta !

DEZ
23
Pro Clubberer, 13:57 Uhr

Heckings Sündenfall !

Jeder Berufstätige hat im Laufe seiner Karriere Gelegenheiten, die wahrzunehmen seine Vertragsbindung an die Kündigungsfrist verbot! Die Vereine haben es oft und oft vorgemacht und Trainer nach Belieben gefeuert, auch beim Club! Nun hat der Trainer Hecking, ein für den Club durchaus erfolgreicher Trainer den Spieß umgedreht und seinen Vertrag clever genug gestaltet. Dadurch konnte er nun eine für ihn verlockende Gelegenheit, Wolfsburgs Trainer zu werden mit all den 'Annehmlichkeiten', die diese Aufgabe beruflich wie privat bietet, realisieren und schon versetzt es einen Verein in eine unerwartet prekäre Lage! Auch wenn ich, wie viele, das egoistische und den Club völlig überrumpelnde Vorgehen Heckings sehr bedauere, weil ich der altmodischen Ansicht bin, so etwas dürfe man nicht tun, muß ich schon bemängeln, daß man von Seiten des Club so naiv war und einen Wechsel unter der Saison nicht grundsätzlich ausschloß. Gegenseitiges Vertrauen auf Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit ist die Basis jeglicher nützlichen Zusammenarbeit. Dies ist nun sowohl beim Club als auch in der Branche empfindlich gestört. Eigentlich wäre ja da der DFB gefagt, um im Sinne einer Schutzfunktion gegenüber nicht so finanzstarken Vereinen für mehr Vertragstreue und Klarheit zu sorgen. Mögen die Verantwortlichen beim Club die richtigen Konsequenzen ziehen. Dieser Trainerwechsel zur Unzeit kann den Club, wenn es dumm läuft, in eine böse Krise stürzen, wenn nicht kurzfristig ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, da hülfen auch die verführerischen Ablösemillionen nicht wirklich. Hoffen wir, daß ein kompetenter Fußballlehrer und vertrauenswürdige Persönlichkeit verpflichtet werden kann. Sehen wir es positiv: Der Wechsel hält auch die Chance bereit, daß der Club weiter vorankommt.

DEZ
22
Hans Klemm, 22:27 Uhr

K. Allofs als 'Fluchthelfer' !

Jeder Wolfsburger Fan und andere Sportanhänger bundesweit wusste doch, dass der sehr beliebte Interimstrainer Köstner seinen Posten im neuen Jahr verlieren wird. Nach dem Motto, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, hat in seiner ersten richtigen Handlung der (Auch-)'Über-läufer' Allofs allerdings einen überraschenden Nachfolger mit gleicher schmutzigen Vorgeschichte gefunden. Nachdem ein richtiges Durcheinander mit dieser wilden Wechselei auf dem Spielermarkt während einer Saison durch die Statuten des DFB leider möglich und immer wieder aktuell ist, wäre ein dringendes Verbot von solchen völlig außerplanmäßigen Veränderungen in diesen wichtigen Positionen, zumal vorhandene und einzuhaltende Verträge vorliegen, längst angebracht ! Eine sofortige Sperre, wie bei einem Dopingvergehen, könnte verhindern, dass das Herauskaufen eines Vertrages (übrigens auch bei den Spielern !) zur Selbstverständlichkeit und damit zu einer Modeerscheinung wird und deshalb unbedingt den 'reichen' Käufer spürbar schaden sollte. Warum hat denn z.B. dieser Herr Hecking als Erwachsener erst einen so langfristigen Vertrag in Nürnberg unterschrieben, wenn er wusste, dass seine Frau und die vielen Kinder sehr weit weg von seinem Arbeitplatz wohnen? Noch sehr gut kann ich mich erinnern, dass bereits schon einmal die Familie als Begründung seiner plötzlichen Flucht von Aachen nach Hannover herhalten musste, obwohl es ihn 2009 wieder gen Süden verschlug... Bei diesem Beispiel sieht man einfach wieder, dass selbst eine immer wieder bis zum bitteren Ende zur Schau gestellte, scheinbar intakte Moral, keine Chance hat, der Verlockung des wesentlich größeren Geldes zu widerstehen ! Diese Kurzgeschichte endet wie oftmals in der Praxis bei einem Überfall: Der Täter ist bekannt. Trotz des Erhaltes von Schmerzensgeld in geschätzter siebenstelliger Höhe aus der Wolfsburger Portokasse müssen sich die Nürnberger als Opfer plötzlich von heute auf morgen selbst Gedanken machen, wer sie aus dieser unglücklichen schwierigen und sehr gefährlichen Situation wieder befreien könnte ! Zum Gelingen drücke ich dem Nürnberger Club beide Daumen.

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