Dieter Hecking statt Bernd Schuster – der VfL Wolfsburg hat sich bei der Trainersuche für einen erfahrenen Coach und gegen den umstrittenen Bundesliga-Novizen entschieden. Der bisherige Nürnberger Coach erhält beim VfL einen Vertrag bis 2016. Wolfsburg.

Wolfsburg   – Mit einer überraschenden Wende hat Klaus Allofs das mehrtägige Verwirrspiel um den neuen Trainer des VfL Wolfsburg beendet. Dieter Hecking wird zu Jahresbeginn das VfL-Team in der Fußball-Bundesliga übernehmen. Der bisherige Coach des Ligarivalen 1. FC Nürnberg wechselt trotz eines Vertrages bis 2014 mit sofortiger Wirkung zum finanzstarken Volkswagen-Club nach Niedersachsen.

Dort soll er nach Angaben von VfL-Manager Klaus Allofs einen Vertrag bis 2016 unterschreiben. Der als Top-Favorit gehandelte Bernd Schuster muss weiterhin auf seinen ersten Trainerjob in der Bundesliga warten. „Das ist so richtig“, bestätigte Allofs am Samstag die Einigung mit dem 48 Jahre alten Hecking. Der Verein teilte das Ende der Trainersuche in einer dürren Fünf-Zeilen-Meldung auf seiner Homepage mit. Weitere Details will der Wolfsburger Manager erst in den nächsten Tagen nennen, wenn der Nachfolger von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner offiziell vorgestellt wird.

„Wir wollen unseren neuen Trainer nicht vor den Weihnachtstagen präsentieren“, erklärte Allofs. Hecking, der seit 2009 den 1. FC Nürnberg trainiert, hatte seinen Vertrag bei den Franken erst vor Saisonbeginn bis 2014 verlängert. „Ich hatte mit Klaus Allofs gute Gespräche. Er hat mir erklärt, warum er mich unbedingt haben will und mir die Perspektiven aufgezeigt“, sagte Hecking der „Bild am Sonntag“ zu den Gründen für seinen Wechsel.

Die Familie des früheren Leipziger Bundesliga-Profis wohnt in Bad Nenndorf bei Hannover, rund 110 Kilometer von Wolfsburg entfernt. Für Hecking ist es bereits das zweite Mal, dass er aus einem laufenden Vertrag zu einem anderen Club wechselt. Im September 2006 verließ er nach drei Bundesliga-Spieltagen den Aufsteiger Alemannia Aachen, den er zuvor in die höchste Liga geführt hatte, und nahm ein Angebot von Hannover 96 an. Hannovers Clubchef Martin Kind wollte den früheren 96-Spieler damals unbedingt haben und kaufte ihn aus dem Vertrag heraus.

Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader war von Allofs und Hecking über die Verhandlungen informiert worden. Doch alle Versuche, den Trainer zu halten, schlugen fehl. „Es ist mein großer Wunsch, dass ich Dieter Hecking überzeugen kann, weiter in Nürnberg zu bleiben“, hatte Bader erklärt.

„Natürlich spielen auch wirtschaftliche und familiäre Dinge eine Rolle“, erklärte Hecking zu seinem Wechsel. Bis zuletzt hatte der frühere Nationalspieler Bernd Schuster als Favorit auf die Nachfolge von Köstner beim VfL Wolfsburg gegolten. Allofs hatte den früheren Meistertrainer von Real Madrid noch am Donnerstag öffentlich als Kandidaten bestätigt, dabei aber auch von „anderen Anwärtern“ auf die in Wolfsburg gesuchte Trainer-Dauerlösung berichtet. „Wir haben das Thema Schuster nie befeuert“, teilte ein VfL-Sprecher mit. Die Verhandlungen mit dem Wahl-Spanier Schuster, der am Samstag seinen 53. Geburtstag feierte, waren nach Informationen der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) angeblich wegen neuer Bedingungen ins Stocken geraten.

Zuvor hatten sich große Teile der Wolfsburger Fans gegen eine Verpflichtung von Schuster ausgesprochen, der bisher noch nicht in der Bundesliga trainiert hat.