Wirtshaus Wöllinger am Luise-Kiesselbach-Platz Sendlings Sonnentreff

 Foto: Daniel von Loeper

 Das Wirtshaus Wöllinger war zwei Monate lang wegen Renovierung geschlossen. Die Anwohner fürchteten Schicki-Micki. Aber alles ist wie früher – fast

Am Luise-Kiesselbach-Platz dröhnt das Verkehrs-Baustellen-Chaos. Eine Querstraße weiter, im Biergarten des Wöllinger, ist davon nur ein fernes Rauschen übrig. Im von Kastanien gesäumten Wirtsgarten ist Sendlings Mikrokosmos jetzt wieder heile.

„Es war, als hätten die Leute in den Bäumen gesessen und gewartet“, sagt Dirk Ippen, „wir haben ohne Werbung wieder aufgesperrt – und es war voll.“ Ippen, der auch das Pappasitos, das Mamasitas und das Leons betreibt, hat die über hundert Jahre alte Gaststätte von der Wirtefamilie übernommen, die den Wöllinger vor ihm 23 Jahre lang im gleichen Stil betrieben hat. Und die Stammgäste waren erleichtert, dass nach den zwei Monaten Sanierung im Juni dann alles – ja, eigentlich so wie vorher geblieben ist.

Die gleiche urige Wirtsstube mit Kamin und einem alten Schinken darüber, die alten Holztische, die lange Bar. „Die hatten alle panische Angst, dass da ein Schicki-Micki-Laden draus wird“, sagt Ippen. Stattdessen hat er aufwändig saniert, repariert, gereinigt, eine neue Küche eingebaut und ein paar neue Lampen aufgehängt, die gemütlicheres Licht machen. „So etwas wollen die Leute hier“, sagt der Wirt.

Eine Gaststätte, die als Treff für's Viertel dient, die Arbeiter mittags eine anständige Portion Fleischpflanzerl mit Bratkartoffeln und Schwammerln bekommen und die Stammtische beieinander sitzen. Sobald es das Wetter zulässt, sitzen die Gäste auf den Holzbänken im Garten. Der liegt strategisch günstig Windgeschützt, ist also bei Sonne und unter Zuhilfenahme von Decken schon ab niederen zweistelligen Plusgraden besetzt, an heißen Tagen spenden die Kastanien Schatten. Das war auch früher schon so, im Wöllinger.

Und die neue Cocktailkarte soll jetzt auch junge Leute anziehen. Den ganzen Abend ist Happy Hour, 4,90 Euro kosten die Drinks. Ein bisserl was ist eben doch neu – Fleisch wie das 250-Gramm-Rinderfilet mit Ofenkartoffel und Spinat (21,90 Euro) kommt jetzt vom Lavasteingrill, und zu Krustenschweinsbraten mit hausgemachtem Kartoffelknödel und Ayinger Dunkelbiersauce (10,90) und Wiener Schnitzel vom Kalb mit Bratkartoffeln und Preiselbeeren (15,90) kommen bald noch Pizzen.

Sonntags hat Sendling jetzt eine neue Anlaufstelle zum Brunchen: mit allem vom Müsli bis zur Weißwurst, warmen Gerichten und Desserts für 16,90 Euro pro Kopf. Das Wöllinger ist das Alte geblieben – mit ein paar Extrawürsten dazu.


Johann-Clanze-Str. 112, täglich geöffnet von 10 bis 1 Uhr, Tel: 7144651

 

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