Im AZ-Interview erzählt Maria Höfl-Riesch über ihr besonderes Gefühl für Schnee, über schöne Momente, aber auch über schlimme Erinnerungen

AZ: Grüß Gott, Maria, haben Sie eigentlich mal das Buch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee” gelesen oder den Film gesehen?

MARIA RIESCH: Leider nicht. Das Buch soll ja sehr gut sein, doch irgendwie bin ich noch nicht dazu gekommen. Aber danke für den Tipp, ich werde es mir besorgen.

Und wie ist Ihr persönliches Gespür für Schnee?

Überaus positiv, sonst wäre es auch schwierig. Immerhin verbringe ich jedes Jahr rund acht Monate im Schnee. Ich kann mir ein Leben ohne Schnee gar nicht vorstellen.

Was fällt Ihnen denn spontan als Erstes ein, wenn Ihnen das Wort Schnee in den Sinn kommt?

Skifahren – Winter – Weihnachten.

Ihre schönste Kindheits-Erinnerung an Schnee?

Wenn wir im Winter am Wochenende mit der ganzen Familie einen Skiausflug unternahmen. Vor allem, wenn es vorher gerade frisch geschneit hatte.

Und die unschönste?

Ein Sturz. Ich landete mit dem Kopf im Tiefschnee und kam nicht gleich wieder hoch. Mein Mund war voller Schnee. Ich hatte regelrecht Panik, weil ich dachte, ich müsste ersticken.

Ihre liebste Schnee-Art bei einem Rennen?

Eis! Je härter desto besser. Da zeigt sich, wer die Bretter beherrscht. Und die Piste ist während des Rennens für alle gleich.

Wann waren Sie zum letzten Mal abseits der Piste im Tiefschnee?

Nach meinem ersten Olympiasieg in Vancouver. Ich hatte einen Tag frei. Marcus und ich sind mit einem Hundeschlitten durch die Prärie gejagt – ein einziger Traum.

Und wann haben Sie zum letzten Mal Bruchharsch erlebt?

Seit vielen, vielen Jahre nicht mehr. Das Verletzungsrisiko ist mir einfach zu hoch.

Ist Schneefall romantisch?

Sehr sogar. Für mich gibt es nichts Schöneres als eine weiße Winterlandschaft in den Bergen: Trockene, klirrende Kälte, es schneit – und zuhause kuschelt man sich vor den Kamin, in dem Holzscheite im Feuer knistern.

Was denken Sie beim Aufstehen am Renntag, wenn Sie zum Fenster raus schauen und es schneit?

Da ist nicht viel mit Romantik. Ich hoffe dann, dass das Rennen nicht ausfällt, die Bedingungen auf der Piste nicht zu gefährlich sind – und vor allem für alle gleich. Was bei Schneefall ja meistens nicht so ist.

Haben Sie schon mal Schnee gegessen?

Jedenfalls nicht freiwillig. Höchstens mal bei einem Sturz wie damals als Kind, als ich mit dem Gesicht im Schnee landete.