Windpark in Schweden Vorzeigeprojekt der SWM: 72 Millionen in den Wind

Viel Wald, und viele Windräder: Die Anlage in Schweden hat ein Tochterunternehmen der Stadtwerke 2015 in Betrieb genommen. Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach hat mit der Anlange derzeit ein Problem. Foto: SWM/Martin Hangen

Einst galt der Windpark Sidensjö in Schweden als Vorzeigeprojekt der Stadtwerke München. Inzwischen ist er ein Problemfall.

München - Der Stadtwerke-Chef war hochzufrieden. "Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht erfolgreich weiter", erklärte Florian Bieberbach 2015, als der Windpark Sidensjö in Schweden den Regelbetrieb aufnahm. 48 Windkraft-Anlagen würden 400 Millionen Kilowattstunden Ökostrom erzeugen. Das sei der "Jahresverbrauch an Strom von 160 000 Münchner Haushalten", meldeten die Stadtwerke.

Ein Verkauf wäre "wirtschaftlich ungünstig"

Sidensjö ist eines der Vorzeigeprojekte, mit denen die Stadtwerke das ehrgeizge politische Ziel umsetzen wollen, dass 50 Prozent des Münchner Stromverbrauchs durch Ökostrom gedeckt werden soll. Bis 2025 soll sogar so viel Strom regernativ erzeugt werden, dass damit – rechnerisch – der Stromverbrauch Münchens abgedeckt würde.

Wirtschaftlich sollte der zwischen den schwedischen Städten Umea und Sundsvall gelegene Windpark natürlich trotzdem sein. Doch jetzt zeigt sich: Er ist zu einem Problemfall für die Stadtwerke und das Rathaus geworden. Zu einem ziemlich großen sogar.

Nach AZ-Informationen hat der Stadtrat den Stadtwerken (SWM) in einer nicht-öffentlichen Sitzung genehmigt, bis 2023 satte 72 Millionen Euro Eigenkapital in den Windpark zu stecken. Und das war offenbar dringend nötig. Über die Anlage, die ein Tochterunternehmen der SWM betreibt, heißt es in der Beschlussvorlage aus dem Wirtschaftsreferat explizit: "Ohne die Finanzierungsmaßnahme wäre die Gesellschaft illiquide."

Also zahlungsunfähig. Wie anders klang das noch 2012, als der Stadtrat sein "Okay" für den Windpark gab und man große Hoffnungen in ihn steckte. Von 4,5 Prozent Rendite sei damals die Rede gewesen, erinnern sich Stadträte.
In der Stadtratsvorlage von Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) heißt es nun hingegen, aktuell könne "kaum mehr mit einer Rendite für Sidensjö gerechnet" werden. Das Problem: Mit der gewonnenen Energie konnte viel weniger Geld verdient werden als erwartet, offenbar hatte man viel zu optimistisch geplant.

Mittelfristig sollen sich die Preise wieder erholen

Das Gesamtinvestitionsvolumen für den Windpark hatte 290 Millionen Euro betragen, finanziert mit Eigenkapital der Stadtwerke (180 Millionen) und über einen Kredit von 110 Millionen Euro. 2016 entstand eine Liquiditätslücke von 3 Millionen Euro, die sich nach Berechnungen der Stadtwerke bis Ende 2023 auf 79 Millionen auswachsen könnte.

Durch Zinsersparnisse hofft man, diesen Wert auf die 72 Millionen zu senken, für die der Stadtrat nun sein "Okay" gab. Sie sollen je nach Bedarf nach und nach von den Stadtwerken zur Verfügung gestellt werden dürfen.

Ein Abstoßen der 100-Prozent-Tochter lehnt Wirtschaftsreferent Schmid ab. Er verwies darauf, dass Sidensjö zu den Zielen der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien der Stadtwerke beiträgt – und darauf, dass man mittelfristig mit einer "Erholung" der Preise rechne.

"Die Alternative Verkauf wäre in der aktuellen Niedrig-Preis-Phase die wirtschaftlich ungünstigste Option", schreibt das Wirtschaftsreferat. Der Stadtrat folgte der Argumentation. Nur einzelne kleine Gruppen stimmten sich gegen die 72-Millionen-Spritze.

Erfolglos.

Lesen Sie dazu auch den AZ-Kommentar: Zuviel des Guten!

JETZT LESEN

10 Kommentare