Wiesn-Blaulicht vom 3.10.2017 Viel Gewalt, noch mehr Gewalt - und ein Pony im Bierzelt

Viele Besucher am Wochenende und am Brückentag bedeuten gleichzeitig viele Einsätze für die Polizei. (Symbolbild) Foto: Imago/Ralph Peters

Zum Wiesn-Endspurt fallen bei einigen komplett die Hemmungen, die Polizei berichtet von viel ausufernder Gewalt auf dem Gelände. Einige Oktoberfest-Gäste finden kreative Wege, ihren Gegenübern wehzutun. 

Schlagen, beißen, stechen – und andere ausgefallenere Methoden, den Kontrahenten auszuschalten, finden sich im heutigen Polizeibericht von der Wiesn-Wache. Ebenso vertreten: die obligatorischen Diebstähle, Nazi-Eskapaden und sogar ein Pferd im Bierzelt. Das vorletzte Wiesn-Blaulicht dieses Jahres hat sich gewaschen - wohl auch weil der Montag für viele Brückentag war, und von Freitag an durchgehend am Limit gefeiert werden konnte:

Erst Klamotten weggenommen, dann zugeschlagen

Bereits am Sonntag hat ein 59-jähriger Münchner von einem Wiesn-Besuch eine blutige Lippe und lockere Zähne davongetragen. Der Mann wollte mit seiner Tochter (25) und zwei ihrer Freundinnen ein Zelt verlassen, nachdem sie von zwei betrunkenen Franzosen angegangen worden waren. Als die beiden Männer Kleidungsstücke der Gruppe an sich rissen, eskalierte die Auseinandersetzung und einer der beiden Franzosen (36) schlug dem Münchner mit der Faust ins Gesicht. Die beiden Unruhestifter wurden festgenommen, sie haben nun eine Anzeige wegen versuchten Diebstahls und Körperverletzung am Hals. 

Jacken- und Taschendiebe festgenommen

Am Sonntag, kurz vor Mitternacht gingen Taschendiebfahndern zwei Langfinger (37, 43) aus dem Kosovo ins Netz. Sie haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland, Haftbefehl wurde beantragt. Am Montagabend war dann ein 24-Jähriger fällig, der sich etwas zu auffällig nach Diebesgut umschauend durch ein Festzelt geschlendert war. Als er sich zwei jacken von einem Geländer schnappte, griffen die Fahnder zu. Da der Nigerianer einen Wohnsitz in München hat, wurde er nach den polizeilichen Maßnahmen entlassen. 

Mit dem Pony ins Bierzelt

Nicht nur aus Sicherheits- sondern vor allem aus Tierschutzgründen war diese Aktion am Montagnachmittag höchst fragwürdig. Denn am meisten zu leiden hatte wohl das kleine Pony, dessen Besitzerin mit ihm von ihrer Reitbahn in den Biergarten des Schützen-Festzelts gewechselt war, um mit Besuchern Fotos zu schießen. Das arme Tier war in der Menschenmenge so verängstigt, dass es immer wieder scheute und sich aufstellte. 

Nachdem der Ordnungsdienst der Dame einen Platzverweis erteilt hatte, ging diese auch, aber erst, nach einem "Fütterungsstop an der Theke", wie die Polizei berichtet. Sie war sich auch im Nachhinein keiner Schuld bewusst und muss jetzt mit einer Ordnungswidrigkeitsanzeige und Ermittlungen wegen möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechnen. 

Polizei vereitelt Schlag mit Weißbierglas

Nicht nur Maßkrüge, auch andere gläserne Gefäße lösen in den Händen mancher Wiesn-Gänger offenbar Aggressionen aus. Ein 25-jähriger Afghane wollte Montagnacht in der Matthias-Pschorr-Straße mit einem Weißbierglas auf einen Passanten losgen. Die Polizei ging dazwischen und nahm den Möchtegern-Prügler fest. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Polizei sucht noch den unbeteiligten Passanten, der das Opfer hätte sein sollen. Er hatte sich nach dem Vorfall unerkannt entfernt. 

"Ich bring euch um!" - Vorlauter 23-Jähriger greift Ordner und Polizisten an

Am Montagabend (20:30 Uhr) ist ein 23-Jähriger Deutscher im Festzelt ausgetickt und hat einen Mitarbeiter angegriffen. Die Polizei nahm den jungen Mann fest, woraufhin dieser den Ordner und die Wiesn-Polizisten mit allerlei Nettigkeiten wie "Hurensöhne", "Ich fick' eure Mütter" oder "Ich bring euch um" bedachte. 

Weil er dann auch noch versuchte, die Beamten mit Tritten zu verletzen, landete er in Sicherheitsgewahrsam. Die lange Liste an Anzeigen, die auf ihn wartet, wenn er sich eingekriegt hat: Versuchte Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung. 

Freund will Maßkrugschläger rausboxen

Begonnen hatte alles damit, dass ein junger Mann (21) einem anderen mit einem Maßkrug eine Platzwunde auf der Nase verpasst hatte. Nachdem die Polizei den Prügler festgenommen hatte, versuchte sein 22-jähriger Kumpel (zunächst verbal) die Beamten davon zu überzeugen, ihn gehen zu lassen. Als das nichts brachte, wurde er aggressiver. Statt einem ausgesprochenen Platzverweis nachzukommen, schlug mit seiner Jacke nach einem Polizisten. "Weiteres Wehren gegen den Gewahrsam sowie ein Fluchtversuch scheiterten", so die Polizei. Am Ende konnten sich beide Spezln in Gewahram wenigstens gegenseitig wärmen. Anzeigen: Gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Hitler-Gruß - schon wieder

Das Zeigen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen hat sich auf dieser Wiesn zum Trend entwickelt. Kaum ein Wiesn-Blaulicht kam dieses Jahr ohne Hitler-Gruß aus. Dieses Mal war es ein 43-jähriger Türke, der am frühen Montagabend, gegen 17:45 Uhr, auf der Wirtsbudenstraße die rechte Hand zum Himmel reckte, nachdem er von der Polizei einen Platzverweis kassiert hatte. Mit zwei Fingern der linken Hand formte er das charakteristische Oberlippenbärtchen. Ihn erwartet ebenfalls eine Anzeige. 

 

Mann wird nach Hausverbot bockig

Gegen 21:40 Uhr sind weitere Ordner eines Festzelts Ziel der Agressionen eines 28-jährigen Münchners geworden. Nachdem sie ihm ein Hausverbot erteilt hatten, ging er auf sie los. Die Polizei ging dazwischen, ehe Schlimmeres passieren konnte. Während des Transports zum Gewahrsam erinnerte der Mann mit seiner unkooperativen Art ein bisschen an ein kleines Kind, das an der Kasse keinen Lutscher bekommen hat. Mehrfach ließ er sich einfach fallen und schrie und beleidigte die Polizisten, die alle Mühe hatten, den Mann zur Wiesn-Wache zu bringen. Anzeigen wurden bereits erstattet. 

Sitzplatzstreit endet mit Griff ins Gemächt

Aua. Eine eher unkonventionelle Art, einen Streit körperlich auszutragen hat am Montagabend ein 36-jähriger Kolumbianer an den Tag gelegt. Während eines Zwists darum, wer denn nun den Platz der Begierde am Wiesn-Tisch bekommt, griff er unvermittelt in den Schritt seines 24-jährigen Gegenübers – und drückte zu. 

Angesichts dieser Unsportlichkeit erteilte der Sicherheitsdienst dem Übeltäter Hausverbot und begleitete ihn hinaus. Der schlug einem der Ordner dann noch mit der Faust ins Gesicht. Da er einen festen Wohnsitz in Deutschland hat, durfte er die Wiesn-Wache nach den polizeilichen Maßnahmen verlassen. 

Bissiger Randalierer verletzt mehrere Menschen

Ein andere Art der körperlichen Auseinandersetzung wählten ein äußerst aggressiver 21-jähriger Münchner und sein Spezl (22), die am Montagabend, 22:45 Uhr, im Zelt zu Randalieren begannen. Der Jüngere biss einem Kellner in den Unterarm, der darufhin stürzte und sich auch noch am Knie verletzte. Nachdem die beiden jungen Männer rausgeflogen waren, schlugen sie die Scheibe einer Eingangstüre ein. Als sie dann vom Sicherheitsdienst fixiert werden sollten, biss einer der beiden wieder zu, und zwar in den Kopf eines Ordners. Die jungen Männer kamen in die Haftanstalt des Polizeipräsidiums, die beiden Biss-Opfer mussten sich vom BRK behandeln lassen.

50-Jähriger belästigt Frauen

In der Nacht auf Dienstag hat sich ein 50-Jähriger bewusst angetrunkenen Frauen genähert, ihre Hände ergriffen und an seine Hose geführt. Die Betroffenen waren laut Polizei aber glücklicherweise alle noch so weit Herr ihrer Sinne, dass sie sich der Nötigung selbst entziehen konnten. 

Trotzdem wurde der Mann aus dem Irak in Gewahrsam genommen, da nicht davon ausgegangen werden konnte, dass er sich im Anschluss benehmen würde.

Stich mit Weinglas ins Gesicht

Warum sich ein 29-jähriger Münchner am Montagabend, gegen 22:45 Uhr, völlig unbeteiligt in einen Streit zweier Fremder einmischte, und dann auch noch derart kompromisslos, ist auch der Polizei bislang nicht klar. Der Mann zerschlug sein Weinglas und stach damit einem der beiden Kontrahenten ins Gesicht. Dieser wurde am Mund verletzt und musste die Wunde vom BRK nähen lassen. Auf den Glasstecher wartet eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. 

Frauen begrapscht, Zeugen zusammengeschlagen

Zwei 22-Jährige aus München haben an einem Fahrgeschäft am Montagabend (22:30 Uhr) komplett die Kontrolle verloren. Nachdem sie zwei fremden Frauen an die Oberkörper gefasst hatten, waren zwei 20- und 27-jährige Männer dazwischengegangen. Die beiden Grapscher schlugen die Zeugen mit den Fäusten nieder und traten dann mit den Füßen auf die Hinterköpfe der am boden liegenden Männer ein. Die Polizei konnte die Schläger festnehmen, auf dem Weg zur Wiesn-Wache wurde einer von ihnen auch gegenüber den Beamten handgreiflich. Sie müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. 

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