Wie wird der Papst in Zukunft angeredet? Was wird aus Stab und Ring? Wird er weiterhin Bücher schreiben?

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ROM Vor 719 Jahren kam es zum ersten Mal vor und seitdem nicht mehr – der Papstrücktritt wirft ein paar Fragen auf. Die AZ klärt sie.

Was passiert am 28. Februar um 20 Uhr?

Egal, ob durch Tod oder Rücktritt, sobald der Papststuhl unbesetzt ist, tritt die Sedisvakanz ein, die „Zeit des leeren Stuhls“. Verantwortlich für die katholische Kirche ist dann das Kardinalskollegium. Die Verwaltung funktioniert weiter, an Leitungsfunktion und -positionen darf aber nichts verändert werden. Das kirchenpolitische Leben stagniert, bis der neue Papst gewählt ist. 20 Tage nach dem Rücktritt muss spätestens die Papstwahl beginnen.

Wird der Papst bis Ende Februar noch kirchenpolitische Entscheidungen treffen?

„Bestimmt nicht, aber er könnte in den kommenden 16 Tagen bis zu seinem Rücktritt zum Beispiel noch Kardinäle ernennen“, erklärt Dogmatik- und Liturgiewissenschaftsprofessor Helmut Hoping von der Uni Freiburg. Mit diesem Zug würde er aber indirekt in die Wahl seines Nachfolgers eingreifen, da alle Kardinäle unter 80 Jahren dazu befähigt sind, den neuen Papst zu wählen.

Wird es eine feierliche Zeremonie geben, in der der Papst symbolisch von seinem Amt zurück tritt?

„Einen Abschiedsgottesdienst wird es in jedem Fall geben“, sagt Helmut Hoping, „aber vielleicht findet der Gottesdienst Ende Februar auch in aller Stille statt“.

Wann gibt es dann die letzte öffentliche Zeremonie des Papstes?

Hoping spekuliert, ob nicht der Aschermittwochsgottesdienst in der vatikanischen Basilika der letzte öffentliche Gottesdienst des Papstes sein wird. Traditionsgemäß feiert er dort an Aschermittwoch die heilige Messe und zeichnet den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn.

Wird der Papst nach seinem Rücktritt noch öffentlich auftreten?

Fast alle Experten sind sich einig: Der Papst wird sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück ziehen, allein schon, um Wahl und Arbeit seines Nachfolgers nicht zu stören. Er selbst will ein Leben in „Meditation und Gebet“ im Kloster führen. Aus diesem Grund wird es auch keine großen Schwierigkeiten für das Protokoll geben, vermutet Hoping. Der Papst ist im Ruhestand keine Person der Öffentlichkeit mehr.

Wie wird er nach seinem Rücktritt angeredet?


„Wahrscheinlich mit der Anrede ,Seine Heiligkeit’“, sagt der Freiburger Liturgie- und Dogmatikprofessor. Federico Lombardi, der Sprecher des Vatikans, sagte dazu: „Man kann sich schwer vorstellen, dass wir ihn Kardinal nennen, vielleicht ,Emeritierter Bischof von Rom’.“ Faktisch fällt der Papst in den Stand eines emeritierten Bischofs zurück.

Was passiert mit dem Ring des Papstes?


Der Fischerring wird zerschlagen. Das geschieht bei der ersten Vollversammlung der Kardinäle nach dem Tod oder Rücktritt des Papstes. Ist der Ring kaputt, geht die Macht symbolisch auf die Kardinäle über und die Sedisvakanz ist offiziell. Dies ist eine alte Tradition, um Missbrauch zu vermeiden. Mit dem Ring wurden früher päpstliche Dokumente versiegelt. Ist ein neuer Papst gewählt, wird der neue Ring im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes dem Nachfolger zur Amtseinführung überreicht.

Und was wird aus seinem Stab?

„Das entscheidet sein Nachfolger“, erklärt Hoping, denn es kann sein, dass der neue Papst den Stab von Benedikt XVI. übernimmt. Papstsprecher Federico Lombardi sagte allerdings: „Alle Objekte, die direkt mit dem Pontifikat in Verbindung stehen, müssten zerstört werden.“

Wird der Ex-Papst noch weiter publizieren?


Hoping: „Ich glaube schon, dass er weiterhin schreiben und publizieren wird, das war ja auch eigentlich schon vor Antritt des Papstamtes sein größter Wunsch.“ Allerdings werden das keine kirchenpolitischen und theologischen Schriften mehr sein, sondern eher Schriften zu Gebet und Glaubenslehre, vermutet Hoping.

Unter welchem Namen werden diese Bücher dann erscheinen?

„Als Joseph Ratzinger wird er in Zukunft Bücher schreiben, das war ja bei seinen Büchern über Jesus auch der Fall.“