Für Bayern geht es in die entscheidenden Wochen – dabei kommt es vor allem auf Pep-Liebling Thiago an. Der will bleiben: „Wir lieben es hier“

München - Die Medienlandschaft in Deutschland hat Thiago längst durchschaut. „Ihr braucht doch solche Slogans, um Zeitungen zu verkaufen“, sagte der Mittelfeldstar des FC Bayern am Mittwoch: „Ich kann das sogar verstehen, aber es geht nicht um einzelne Spieler.“ Allerdings war es Pep Guardiola genau darum gegangen, als er im Sommer 2013 jenen berühmten Satz sprach, um den es auch nun wieder ging: „Thiago oder nix.“ Doch für den kleinen Spanier – so seine Botschaft – habe dieser Satz nie eine größere Bedeutung gehabt: „Nach Thiago kamen ja auch noch andere Spieler“, sagte er. Und zählte unter anderem Arturo Vidal oder Douglas Costa auf.

Was natürlich auch Thiago in diesem Moment wusste: Keiner von ihnen war von Guardiola öffentlich derart gefordert worden wie er. Ob er seinem großen Förderer deshalb nun auch zu Manchester City folgen wolle – wie damals vom FC Barcelona zu den Bayern? „Ich bin traurig, dass er geht“, sagte Thiago, „aber nicht nur ich, wir müssen das respektieren.“ An Abschied denke er überhaupt nicht: „Wir lieben es, hier zu leben. Alle Leute, die mich besuchen kommen, mögen München. Wenn ich nicht hierbleiben wollte, hätte ich keinen Vertrag unterschrieben.“ Bis 2019 läuft der immerhin noch. Alles andere, die Meldungen über einen Wechsel zu City, seien Gerüchte. „Wenn ihr wollt, können wir jeden Tag mit diesen Gerüchten spielen“, sagte Thiago. Er jedenfalls hatte darauf keine Lust.

Es war ein Auftritt, der offenbar zeigen sollte, dass Thiago nicht mehr als abhängig von Guardiola angesehen werden will. Denn auch bei weiteren Nachfragen zu seinem Trainer und spanischen Landsmann hielt sich Thiago zurück, antwortete knapp und emotionslos. Peps Abschied am Ende der Saison? „Das ist seine Sache, nicht meine. Das ist privat.“ Peps Entwicklung in der Zeit als Bayern-Trainer? „Jeder ändert sich mit den Jahren, auch Guardiola.“

Thiagos Abhängigkeit von Pep – sie endet wohl in diesem Sommer. Bis dahin braucht vor allem der Trainer seinen Feingeist, um den großen Traum vom Sieg in der Champions League wahr zu machen. „In den wichtigen Spielen ist Thiago der Beste“, sagt Guardiola. Auch deshalb setzte er Thiago, den Mitspieler Douglas Costa als „magic“ würdigte, zuletzt dosiert ein, in zwei von fünf Rückrundenspielen kam der oft magisch spielende Spanier von der Ersatzbank. „Es ist schwer, den Rhythmus nach der Winterpause zu finden. Aber ich fühle mich jetzt gut. Wir haben die Maschine wieder zum Laufen gebracht“, sagte Thiago: „Wir sind da, wo wir sein wollen.“ Er auch.

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Und bereit für Juventus am Dienstag? „Jetzt denken wir nur an Darmstadt, danach an Juve“, versicherte Thiago. Aber klar, Juve sei „einer der größten Vereine der Geschichte“. Für Juventus-Stürmer Alvaro Morata, der den Bayern fürs Hinspiel in Turin die „Hölle“ versprach, hatte Thiago indes einen guten Konter parat. „Die Hölle? Verletzt sein ist die Hölle, nicht ein Spiel. Fußball macht immer Freude.“ Mit großen Worten oder Slogans kann Thiago einfach nichts anfangen.