"Was ihnen passiert, tut mir weh" Essen für arme Arbeiter

Gut besucht: das Weihnachtsfrühstück für die Arbeiter im Bahnhofsviertel. Foto: Sophie Anfang

Das Hotel Goethe hat ein Weihnachtsfrühstück für die Arbeiter spendiert, die täglich an der Ecke Goethe- und Landwehrstraße stehen, um sich als Tagelöhner zu verdingen. Es ist eine Geste für ein gutes Miteinander. Denn das Zusammenleben ist nicht immer einfach.

Ludwigsvorstadt - Tomaten, Brot, Plätzchen und Ei, die Teller sind voll, die Gesichter zufrieden, das Buffet schon bald leer. So soll es sein an diesem Montagmorgen, an dem sich mehrere Dutzend Männer in den Räumen des neu geöffneten Informationszentrums für Arbeitsmigranten an der Sonnenstraße drängen.

„Was diesen Menschen passiert, tut mir sehr weh“, sagt Mahin Zeytinoglu vom Hotel Goethe. Die meisten kommen aus Pazardzhik in Bulgarien und gehören zur türkischsprechenden Minderheit. In ihrer Heimat werden sie diskriminiert.

Nach München kommen sie mit der Hoffnung auf Arbeit, doch was sie finden, sind schlecht bezahlte Tagesjobs, für wenig oder gar keinen Lohn.

Für die Anwohner ist die Situation nicht einfach. Die Arbeiter suchen nach einer besseren Zukunft. Das wolle man ihnen ermöglichen, sagt Michael Grill von der Theatergemeinde an der Goethestraße. Gleichzeitig quält es ihn zu sehen, dass die Menschen ausgebeutet werden. Das möchte er nicht tolerieren: „Dieser Spagat ist schwer zu halten.“

Wo verschiedene Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte. Allein durch die vielen Menschen, die an der Kreuzung stehen und auf Arbeit warten. Mittelsmänner dubioser Baufirmen holen die Männer von dort ab. Ihr Auftreten sei teilweise aggressiv, berichtet Grill. Die Geschäftsleute, die vor Ort ein Hotel, Büros oder einen Laden führen, sagen, dass für sie das Arbeiten dadurch ebenfalls schwieriger wird.

Das Beratungszentrum, in dem das Frühstück stattfindet, soll die Situation etwas entspannen. Seit Oktober ist es geöffnet, es gibt drei Ansprechpartner für die Arbeiter, die von der Stadt bezahlt werden. Träger ist die Arbeiterwohlfahrt. Dazu kommt ein Aufenthaltsraum und die Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen.

Das Zentrum sei immer voll, berichten die Verantwortlichen, die Deutschkurse seien sehr beliebt.

Grill sieht das als positive Entwicklung. An die Wurzel des Problems, die Ausbeutung, kommt das Zentrum jedoch nicht: „Es ist ein erster Schritt, aber noch keine Lösung.“

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